Der Traum vom eigenen Buch – Nachwuchsautorin Sophia U. Dönhoff (16) im Interview

Den Wunsch, Geschichten zu erzählen, sie mit anderen zu teilen und davon leben zu können, hegen viele, im Speziellen Jugendliche. Aber wo und wie fängt man damit am besten an? Die Branche ist hart umkämpft und ohne Unterstützung oft nur schwer zu durchschauen. Sophia U. Dönhoff ist 16 Jahre alt, kommt aus Alsdorf und hat gerade ihr erstes Buch veröffentlicht. Wie es dazu kam und welche Schritte sie unternimmt, um ihren Traum als selbstständige Autorin voranzutreiben, davon hat sie uns im Interview erzählt.

Ich treffe Sophia in der Mayerschen in Aachen. Zwischen Seiten voller Wörter und Buchrücken, die zu neuen Geschichten einladen, fühlt sich die 16-Jährige mit am wohlsten. Letztes Jahr hat sie ihr eigenes Buch „Die Stimme der stillen Rebellion“ veröffentlicht. Es erzählt die Geschichte von Nova, einem jungen Mädchen, das in einer dystopischen Welt aufwächst, in welcher der Wert der Menschen von Prozentzahlen abhängt. Jede Handlung und jeder Gedanke wird überwacht, nicht systemkonforme Ideen werden nicht toleriert und sofort abgestraft. Die Geschichte begleitet Nova bei ihren ersten Schritten zum Infragestellen des Systems und darüber hinaus. Zusätzlich zum Schreiben von Geschichten hat sich Sophia auch eine Online-Präsenz auf Instagram aufgebaut, wo sie als @writerphinnie regelmäßig Rezensionen zu Büchern hochlädt und ihre 2.300 Follower (Stand: Januar 2025) auch über ihre eigenen Schreibprojekte auf dem Laufenden hält.

Wie kam es dazu, dass du „Die Stimme der stillen Rebellion“ geschrieben hast?
Ich habe auf story.one den Aufruf gesehen, dass man dort bei dem Thalia Storyteller Award teilnehmen kann, und da dachte ich: Okay, los, da mache ich mit! Ich habe dann tatsächlich zwei Jahre gebraucht, um das Buch einzureichen. Ich wollte gerne von mir etwas schreiben, aber halt in eine Fantasy- oder Dystopie-Geschichte verpackt.

Würdest du anderen empfehlen, bei einem Schreibwettbewerb wie dem von story.one mitzumachen? Hatte es für dich einen Mehrwert, an einem teilgenommen zu haben?
Ich hatte dadurch auf jeden Fall mehr Motivation, zu schreiben und die Geschichte auch zu beenden. Deswegen habe ich dann auch ziemlich schnell und viel geschrieben. Ich finde, das ist so eine Erfahrung, die man vielleicht einfach mitnehmen sollte, wenn man in Richtung Schreiben etwas machen möchte.

Du hast gerade gesagt, dass du circa zwei Jahre gebraucht hast, um die Geschichte einzureichen. Gab es irgendwelche Schwierigkeiten oder Hindernisse, während du die Geschichte geschrieben hast?
Schon ein bisschen. Zum Beispiel weil es kein Lektorat durch story.one gibt, da es ein Selbstverlag ist. Die Korrektur und die Aufgaben eines Lektorats musste ich daher selbst übernehmen. Aber als wirklich großes Hindernis würde ich das nicht bezeichnen.

Hat es dich Überwindung gekostet, den Schritt zu gehen, etwas zu veröffentlichen oder einzureichen?
Nein. Ich möchte, seit ich circa sieben Jahre alt bin, ein Buch schreiben und war einfach froh, als ich das Buch tatsächlich fertig geschrieben hatte.

Wie kam es dazu das du bereits so früh diesen Wunsch hattest?
Ich habe schon immer gerne Bücher gelesen. Sobald ich lesen und schreiben gelernt hatte, bin ich kreativ geworden und habe angefangen, meine eigenen Gedanken zu Papier zu bringen. Erst waren es nur kleine Geschichten und jetzt sind es Bücher.

In deiner Geschichte geht es um Nova und James, die sich gegen das bestehende System auflehnen, in dem Menschen nur durch Prozentangaben definiert werden. Warum war das die Geschichte, die du erzählen wolltest?
Ich wollte einen Spiegel für unsere Gesellschaft schaffen. Ich bin jetzt 16 Jahre alt und im Umfeld von Jugendlichen ist es oftmals so, vor allem im Kontext von Social Media, dass man sich sehr oft mit anderen vergleicht. Deswegen habe ich das mit den Prozentzahlen geschrieben.

Es geht in deinem Buch besonders um das Thema, die eigene Stimme zu finden bzw. auf diese zu hören. Warum ist diese Botschaft dir so wichtig?
Ich bin selber ein sehr schüchterner Mensch und habe damit in den letzten Jahren viel zu kämpfen gehabt. Aus dem Grund habe ich diesen Gedanken vor allem anderen Jugendlichen mit auf den Weg geben wollen, dass es eine normale Sache ist und dass man seine eigene Stimme finden und auch nutzen kann.

Du veröffentlichst auf Instagram als @writerphinnie Rezensionen zu Büchern und Informationen zu deinen eigenen Schreibprojekten. Würdest du Personen, die selbst Autor werden möchten, empfehlen, Medien wie Instagram zu nutzen? Wie sind da deine Erfahrungen?
Ich habe vor zwei Jahren mit dem Bloggen auf Instagram angefangen und habe mittlerweile eine ziemlich große Reichweite. Ich habe dadurch auch verschiedene Kontakte mit Verlagen oder auch Autoren. Deswegen würde ich sagen, dass es schon ein großer Schritt ist, auch um das Buch auf diesem Weg anderen zu zeigen und Rezensionen zu sammeln.

Wie kam es dazu, dass die Autoren und Verlage mit dir Kontakt aufgenommen haben? Haben sie dich angeschrieben und oder hast du von dir aus den Kontakt gesucht?
Viele haben mich angeschrieben, aber ich habe auch einen Aufruf gestartet zu einer Blogtour. Wenn man als Autorin einen solchen Aufruf startet, zum Beispiel wie ich zu meinem Buch, dann wird eine Woche lang jeden Tag von verschiedenen Bloggern, die mitmachen, ein Beitrag zu dem Buch hochgeladen. Das kann verschiedene Themen umfassen. Am 7. Januar fängt meine Blogtour an.

Welche Rolle spielen die sozialen Medien bei deiner Beziehung zu Büchern?
Dadurch dass ich inzwischen doch eine recht große Reichweite habe – ich persönlich finde, das 2.000 Follower schon eine Menge sind –, bin ich halt ziemlich oft unterwegs und bekomme auch Rezensionsexemplare von verschiedenen Autoren und Verlagen. Deswegen spielt das in meinem Alltag schon eine sehr große Rolle.

Wie war das denn für dich, als du dein erstes Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen hast?
Ich habe in der Zeit, in der ich Instagram mache, also in den letzten zwei Jahren, schon viele Rezensionsexemplare zugeschickt bekommen, aber das erste Mal war wirklich sehr aufregend für mich!

Ist das für dich mit irgendwelchen Verpflichtungen verbunden?
Es kommt tatsächlich darauf an. Es gibt für Blogger ein Bloggerportal, wo man verschiedene Bücher als Rezensionsexemplar anfragen kann, aber dafür muss man angenommen werden. Das ist von der Penguin Random House Verlagsgruppe und der Kanal auf Instagram heißt @team.bloggerportal. Die Website selbst heißt einfach Bloggerportal. Du musst dich erst einmal anmelden mit deinem Blogger-Account und dann wirst du dort nach einer Überprüfung angenommen. Man muss zum Beispiel eine gewisse Anzahl an Followern haben, um angenommen zu werden. Und dann kannst du die Bücher anfragen und bekommst sie zugeschickt. Darüber, wer die Bücher zugeschickt bekommt, wird allerdings auch nochmal eine Vorauswahl getroffen aus denen, die für ein bestimmtes Buch angefragt haben. Und wenn du angenommen wurdest, musst du das Buch zeitnah lesen und auch eine Rezension dazu schreiben.

Du sprichst auf Instagram auch offen die Selbstzweifel an, die wahrscheinlich jeder kennt, der einmal geschrieben hat, die Gedanken, dass der eigene Text nicht gut genug sein könnte. Wie gehst du für dich damit um?
Natürlich habe auch ich öfter Selbstzweifel, was die Bücher angeht, die ich schreibe. Zum Beispiel warte ich gerade bei einem meiner Manuskripte auf die Antwort eines Verlags, und da fragt man sich dann natürlich auch, ob das Buch gut genug ist, um auf den Buchmarkt zu kommen.

Hast du irgendwelche Tipps für andere, die auch gerne ihre Geschichten veröffentlichen möchten?
Also ich würde einfach sagen, wenn man es gerne möchte, sollte man es auf jeden Fall tun. Außerdem würde ich empfehlen, dass man sich Hilfe und Unterstützung holt, zum Beispiel durch Ratgeber oder auch durch Freunde und die Familie. Und dann einfach drauflosschreiben, denn im Endeffekt schreibt man ja auch für sich selbst und nicht nur für andere.

Würdest du denn empfehlen, das auch im Selbstverlag zu veröffentlichen, so wie du mit story.one?
Wenn man mit der vorgegebenen Seitenanzahl zurechtkommt, dann ja. Wenn man aber eher ein Mensch ist, der gut und gerne mal mehrere hundert Seiten schreibt, dann würde ich das nicht bei story.one machen, weil man seine Geschichte sonst sehr kürzen muss.

Du hattest gerade auch schon das Manuskript erwähnt, das du zu einem Verlag geschickt hast. Wie sind deine weiteren Pläne? Hast du schon andere Projekte, die du angehen möchtest?
Ja genau, ich habe im Moment ein Buch zu einem Verlag geschickt und habe auch noch zwei andere Manuskripte, an denen ich arbeite. Das ist auf jeden Fall das, was ich in der Zukunft machen möchte. Also Bücher veröffentlichen. Das Buch, das ich eingeschickt habe, ist ein Buch im Bereich New Adult, eine Cosy-Romance-Geschichte.

Dann wünsche ich dir weiterhin alles Gute und vielen Dank für das Interview.

Das Interview ist in KingKalli 127 (Februar/März 2025) erschienen.

Hinterlasse einen Kommentar