Der Schnuller – Segen und Fluch zugleich

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Der Nucki, Schnulli oder ganz offiziell Beruhigungssauger ist den meisten Eltern wohlbekannt. Beruhigen soll er die Kinder und ihr Saugbedürfnis stillen. Vor allem beim Einschlafen hilft er ungemein. Für beide Seiten – Eltern und Kinder – also eine gute Sache. Aber irgendwann soll der Schnulli weg. Und das ist keine so leichte Angelegenheit. Von Schnullerfee bis Schnullerbaum gibt es einige Varianten, wie Eltern zusammen mit ihren Kindern den Schnuller endgültig aus dem Haus verbannen können. Wie aber geht Abgewöhnen ohne großes Theater zu Hause? Diese Frage und einige mehr hat die Aachener Kinderärztin Dr. Brit Steinau gerne beantwortet.

Der Schnuller soll nicht zur Gewohnheit werden

Wichtig ist zu wissen, warum es überhaupt notwendig ist, dass sich die Kinder den Schnuller wieder abgewöhnen. „Durch den Schnuller lernen die Kinder, sich zu regulieren. Das optimale Alter zur Schnullerentwöhnung ist ab acht Monaten. Genau dann, wenn der Saugreflex durch den Kaureflex abgelöst wird“, erklärt Dr. Steinau. „Ganz generell sollten Eltern darauf achten, dass dem Kind nicht einfach so der Schnuller in den Mund gesteckt wird. Auch für die Eltern darf das nicht zu einer Gewohnheit werden.“ Nun soll dem Kind aber der Schnuller abgewöhnt werden. Bei kleineren Kindern kann durch die Eltern einfach die Schnuller-zeit verkürzt werden, so dass man nach einigen Tagen den Schnuller nur noch zum Einschlafen braucht. Den Schnuller beim Einschlafen wegzulassen ist natürlich eine Aufgabe für sich. „Um diese liebgewordene Gewohnheit abzugewöhnen, ist es für die Eltern dann wichtig, konsequent zu bleiben“, rät Dr. Steinau. Wenn die Kinder weinen und den Schnulli vermissen, müssen andere Rituale gefunden werden. Das erfordert natürlich Geduld und besagte Konsequenz.

Den richtigen Zeitpunkt wählen

Deswegen sollten die Eltern zum Abschnullern auch einen Zeitpunkt wählen, in dem alle Familienmitglieder relativ entspannt sind. Also nicht, wenn das Kind gerade in den Kindergarten gekommen ist, wenn bei der Arbeit wichtige Projekte fällig sind oder wenn gerade erst ein Geschwisterchen geboren wurde. Zum Abschnullern brauchen alle Beteiligten gute Nerven. Wenn das Kind also schon etwas älter ist und man nicht mehr einfach die Schnullerzeiten verkürzen kann, muss man ein bisschen in die Trickkiste greifen. Eltern, Erzieherinnen, große Geschwister und Patentanten wissen, dass mit einem Dreijährigen viel diskutiert werden kann. Und das wird auch beim Thema Schnuller der Fall sein. Also sollte man mit dem Kind sprechen, sagen, worum es geht. Hilfreich sind dabei auch oft die Schnullerfee, der Nikolaus oder ein Schnullerbaum, wie er zum Beispiel im Aachener Tierpark steht. Wenn die Zeit gekommen ist, den allerletzten Nucki abzugeben, kann es für die Kleinen hilfreich sein, das mit einer Zeremonie zu verbinden oder eben die Schnullerfee kommen zu lassen. Dazu legt man den Schnuller auf die Fensterbank, und in der Nacht kommt die Schnullerfee, nimmt den Schnuller mit und lässt ein kleines Geschenk da. Der Schnullerbaum ist eine Tradition aus Dänemark. Alle Kinder können dort sowie auch im Aachener Tierpark ihre Schnuller, die sie nicht mehr brauchen, an den Baum hängen. So kann man dort nicht nur die süßen Tiere besuchen, sondern auch seinem geliebten Schnuller ab und zu einen Besuch abstatten.

„Diese symbolischen Sachen können in vielen Fällen wirken, jedoch sollte man als Eltern trotzdem darauf achten, dass um die ganze Sache nicht zu viel Aufhebens gemacht wird.“

Natürlich kann es auch Härtefälle geben, bei denen die Kinder absolut nicht mitziehen und ohne ihren Schnuller partout nicht einschlafen wollen oder können. Für solche Fälle gibt es für die Eltern schlechte Nachrichten: Aushalten! Und konsequent sein, das ist das Wichtigste in der Abgewöhnungsphase. Dr. Steinau rät außerdem den Eltern, ein sogenanntes Schnullertagebuch zu schreiben. „So etwas kann den Eltern helfen, überhaupt festzustellen, wann sie den Kindern den Schnuller geben und wann der Schnuller eigentlich notwendig wäre.“ Stichpunkt hier wieder: Gewohnheit. Wenn man zunächst anfängt, den Schnuller nur noch zu geben, wenn das Kind gefallen ist oder traurig ist, dann ist das schonmal ein guter Anfang. Denn „friedliche Kinder brauchen keinen Schnuller“. Wenn das Kind also ruhig spielt, kann der Schnuller weggenommen werden. Sollte es dann Widerstand geben, müssen Ablenkungsstrategien gefunden werden. Außerdem ist wichtig, dass die Eltern das Kind in der Abgewöhnungsphase viel loben und es so bestärken.

Bei ganz harten Fällen kann man den Schnuller auch einpieksen, so dass das Saugen den Kindern zu anstrengend wird und sie die Lust daran verlieren. Schöner ist es aber, wenn Kinder und Eltern diese Aufgabe gemeinsam bewältigen, denn überfordern sollten die Eltern ihre Kinder auch nicht.

Zu langes Schnullern kann zu Sprachstörungen führen

Warum es so wichtig ist, dass die Kinder mit spätestens drei Jahren schnullerfrei sind, erklärt Dr. Steinau: „Kinder, die zu lange schnullern, leiden häufig an Zahnfehlstellungen und dem sogenannten offenen Biss. Dies führt auch zu einer Fehlfunktion der Zunge. Denn wer den Mund nicht richtig schließen kann, kann auch seine Zunge nicht richtig benutzen. Das hat unweigerlich Sprachstörungen zur Folge und Schwierigkeiten bei der Artikulation. Außerdem kann durch die Mundatmung, die mit dem offenen Biss einhergeht, schneller Karies entstehen. Auch sind die Kinder anfälliger für Erkältungskrankheiten. Normalerweise wird nämlich die Luft durch die Nase erstens gefiltert und zweitens erwärmt. Finnische Studien haben außerdem gezeigt, dass Schnullerkinder häufiger Mittelohrentzündungen haben.“ Grundsätzlich sollte man bei Schnullern darauf achten, dass sie die richtige Größe haben, also dem Alter angepasst sind. Und vor allem, dass sie nicht falsch herum im Mund des Kindes sind.

Wenn die Kinder anfangen zu sprechen, sollte der Schnuller auch immer zum Sprechen herausgenommen werden. Und was Eltern tunlichst vermeiden sollten, ist, den Schnuller ihres Kindes abzulecken, um ihn so vermeintlich zu säubern. Die Bakterien im Mundraum von Erwachsenen können bei Kindern zu Karies und Pilzen führen. Trotz des ganzen Abschnullerstresses ist der Schnuller natürlich kein Teufelswerk. Er hilft den Kindern und ist für sie etwas Liebgewonnenes. Auch für Eltern ist der Schnuller in vielen Fällen ein Segen. Schnullern ist nicht per se schlecht. Nur zu lange sollte eben nicht geschnullert werden.

 

Also nochmal auf den Punkt:

  • Abschnullern ab dem achten Monat Schnuller darf nicht zur Gewohnheit werden Schnuller nur bei Schmerzen, Trauer, Einschlafen etc.
  • Zum Abschnullern keinen stressigen Zeitpunkt wählen Schnullerfee oder Ähnliches kann helfen
  • Je früher, desto besser
  • Viel loben, Kind nicht überfordern Geduld und Konsequenz!

 

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