Ein traumhaftes Hinterhofgelände mit großem Spielplatz und Liegewiesen für Kinder und Anwohner. So war es gedacht. Die Realität sieht derzeit so aus: Spielen ja, aber bitte nur ein bisschen. Und vor allem: leise.
Sommer ist Draußenzeit und Fußballzeit. Gerade, wenn wie in diesem Jahr eine WM ansteht. Es ist kurz vor Redaktionsschluss, als besorgte Eltern sich bei KingKalli melden, um von einem Missstand in Aachen zu berichten: Auf dem herrlichen Werkkunsthof hinter Reumont- und Südstraße sei das Fußballspielen verboten – und dieses Verbot könne sich vielleicht auf alle Spielplätze in Aachen ausweiten.
Am Tag vor Drucklegung begebe ich mich also auf Spurensuche nach dem Ball des Anstoßes. Gegen 13 Uhr treffe ich auf dem Spielplatz ein. Auf dem weitläufigen Gelände gähnende Leere. Dabei hat doch eigentlich schon die Offene Ganztagsschule ihren Betrieb aufgenommen, deren Türen einladend zum Spielgelände hin zu öffnen sind. Diese Türen sind zumindest heute verschlossen. Lediglich Michael mit seinen 4- und 5-jährigen Töchtern ist auf dem Gelände anzutreffen. Von den beiden ist jedoch kein Mucks zu hören, so leise spielen sie im Sand. Ja, er habe auch schon davon gehört, dass Anwohner einen Anwalt eingeschaltet hätten, um den Lärm durch spielende Kinder auf dem Gelände zu unterbinden. Aber das sei doch in Deutschland gar nicht möglich? Kinderlärm könne man doch nicht auf 10 Minuten täglich begrenzen.
Ich folge Kinderstimmen um das OGS-Gebäude herum. Dort tummeln sich die OGS- und Mittagsbetreuungskinder auf einem relativ kleinen betonierten Hof. Erstklässlerin Lilli (7) berichtet, dass alle Kinder nun dienstags und donnerstags auf dem Hof bleiben müssten und nicht auf das große Spielgelände gehen dürften. Eine Betreuerin erzählt, dass trotz dieses Kompromisses, den die Schule schon vor Monaten mit den Anwohnern getroffen habe, nun ganz aktuell zusetzlich das Fußballspielen auf dem Werkkunsthof untersagt worden sei. Lilli: „Wir haben letzte Woche auch schon einen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben. Wir wollen gerne wieder da Fußball spielen. Dafür spielen wir auch zwei Mal die Woche nicht da.“ Anscheinend hat das gefruchtet, denn inzwischen ist Susanne Schwier, Beigeordnete für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport der Stadt Aachen, persönlich mit dem Fall betraut. Sie prüft, welche Lösung gefunden werden kann, um den unterschiedlichen Interessenslagen von Anwohnern und Kindern gerecht zu werden. Erste Ortsbegehungen und Gespräche haben am 21. Mai stattgefunden. Unsere Nachfrage bei der Stadt, ob ein generelles Ballspielverbot auf allen Spielplätzen in Planung sei, verneint Björn Gürtler vom Presseamt. Davon könne keine Rede sein, Ballspiele im normalen Rahmen seien erlaubt, jedoch nicht Aufläufe von ganzen Mannschaften. Er verweist auf die Spielplatzordnung, die auf der Website der Stadt einzusehen ist (www.aachen.de, Suchbegriff: Spielplatzsatzung).
Schulleiterin Liesel von Korff ist ebenfalls seit geraumer Zeit bemüht, eine Lösung zu finden. Seit die Montessorischule und die katholische Grundschule 2008 im gleichen Gebäude zusammengelegt wurden, haben 300 Schüler gleichzeitig eine halbe Stunde Pause, und ca. 150 Kinder besuchen nach dem Unterricht die Mittagsbetreuung oder die OGS. Der alte Schulhof ist viel zu klein für alle Schüler. Umso glücklicher sei man gewesen, so Liesel von Korff, als man den umgebauten Werkkunsthof habe mitnutzen dürfen. Seit einem Jahr habe sich die Situation mit den Anwohnern jedoch zugespitzt, man versuche aber immer, Kompromisse zu finden, zum Beispiel, indem statt normaler Fußbälle Softbälle verwendet würden. „Natürlich ist Fußballspielen trotzdem nicht leise. Da wird auch mal „Tor“ geschrien“, räumt von Korff ein. Die Schulleiterin hat einen Wunsch: „Wir wollen vor allem Klarheit. Die Stadt muss entscheiden, was erlaubt ist. Und wir brauchen auf dem großen Gelände einen Platz, wo die Kinder auch Fußball spielen dürfen. Wir wollen nicht immer das Gefühl haben, etwas Falsches zu tun.“
Hier haben Eltern eine Petition aufgesetzt:
https://www.openpetition.de/petition/online/herr-philipp-lassen-sie-unsere-kinder-auf-dem-werkkunsthof-weiter-fussball-spielen
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