Configuvention: Ein Wochenende Zirkuszauber in der Viktoriaschule

Foto: David Pohl

Ein Wochenende lang gehörte die Viktoriaschule Aachen allein leidenschaftlichen Artistinnen und Artisten, die am Trapez durch die Luft glitten, in verrückten Positionen auf Einrädern durch die Trainingshallen sausten und die jeden Ball, jede Keule und manchmal auch den eigenen Trainingspartner durch die Luft wirbeln ließen. Denn: Die hauseigene Jonglierconvention des Circus Configurani ging in eine neue Runde. Nach langer Corona-Pause trafen zum sechsten Mal über 150 Zirkusbegeisterte in den Hallen der Viktoriaschule aufeinander, um zusammen ihrer Leidenschaft nachzugehen und voneinander zu lernen.

Foto: David Pohl

Was ist eine Configuvention?

Endlich war es wieder so weit. Vom 5. bis zum 7. Januar 2024 fand die Jonglierconvention „Configuvention“ des Schulzirkus Configurani der Viktoriaschule statt. Zum letzten Mal gab es sie 2019, dann wurde sie in eine ungewollte Corona-Zwangspause geschickt, die vier Jahre anhielt. Doch im letzten Jahr entschlossen sich etwa 20 aktuelle und ehemalige Configuranis, dass es an der Zeit ist, das Event wiederzubeleben. Viele von ihnen hatten selbst einmal an einer Configuvention teilgenommen und das Event stets in guter Erinnerung behalten. Die Botschaft, dass die Configuvention wieder stattfinden würde, stieß auf viel Freude in der Zirkuscommunity. Innerhalb eines Monats waren alle Tickets ausverkauft. Doch aufgrund der hohen Nachfrage und des Wunsches des Orga-Teams, jedem eine Teilnahme zu ermöglichen, überstieg die Anzahl der Besucher letztlich sogar das Limit an Plätzen, das sich die Gruppe gesetzt hatte. Auch wenn einige der Teilnehmer nur für einen Tag der Convention anreisen konnten.

Die Teilnehmer kamen schließlich nicht nur aus Deutschland, sie stammten auch aus Belgien, den Niederlanden und sogar Australien. Auch das Alter der Teilnehmer variierte stark. Während die jüngste Teilnehmerin mit fünf Jahren vielleicht gerade ihre ersten Erfahrungen an der Spitze einer Pyramide sammelte, wirbelte der alte Zirkushase mit 75 Jahren immer noch mit spielerischer Leichtigkeit seine Keulen durch die Luft. Über jeden Unterschied hinweg vereinte die Gruppe ihre Liebe und Leidenschaft für den Zirkus.

Die Organisation

Das Orgateam – fotografiert von David Pohl

Doch bevor es so weit war, galt es für das Configurani-Team, zur Organisation des Events einige Hindernisse zu überwinden. Eines davon: Keiner der unter 22-jährigen Organisatoren hatte jemals zuvor so ein Event geplant und keiner der ehemaligen Organisatoren war dieses Mal an der Organisation beteiligt. Das Team musste sich von Grund auf neu zusammenfinden. Ohne professionelle Unterstützung musste es nicht nur für die Verpflegung der Teilnehmer sorgen, sondern auch lernen, die Werbetrommel zu rühren. Eine Website musste designt und ein Online-Shop an den Start gebracht werden, über den nicht nur die Tickets, sondern auch der selbst designte Merch verkauft werden konnte. Und dann galt es natürlich, noch kleinere, unvorhergesehene Komplikationen zu überwinden. Improvisation war angesagt, wenn zum Beispiel die selbst bemalten Tücher zur Abdunklung der Fenster in der Aula, um diese als Schlafsaal nutzbar zu machen, einfach nicht halten wollten. „Durch die Farbe waren sie einfach zu schwer und fielen andauernd wieder herunter“, erzählt Finja Hermens vom Orga-Team. Doch auch für dieses Problem fand sich eine Lösung.

Mit viel Ehrgeiz und Leidenschaft stellte sich das Organisationsteam allen Herausforderungen und erschuf so ein Event, dem es nicht an Professionalität mangelte. Das zeigte sich bereits bei der Ankunft der ersten Teilnehmer, als jedem ein eigens für den Anlass designtes Stoffbändchen über das Handgelenk gestreift wurde. Wie es bei Festivals und Conventions eben üblich ist. Auch sonst ließ das Team es nicht an Detailliebe mangeln. Jedes Gebäude – von der Mensa bis zu den Schlafplätzen – und sogar jede Ecke der zwei Trainingshallen wurde mit selbst gestalteten Schildern ausgestattet. Sie sorgten nicht nur für eine einfache Orientierung, sondern auch für ein Gefühl des Willkommenseins. Für das leibliche Wohl war nicht nur während der Essenszeiten vonseiten der Mensa aus gesorgt, auch ein Snackstand stand stets für den großen und den kleinen Hunger zur Verfügung. Nicht nur in der 24-Stunden-Halle sorgte motivierende Musik für gute Laune, auch auf den Toiletten erfüllten die Klänge einer durchdachten und zum Schmunzeln anregenden Playlist die Räumlichkeiten. Um auf der Convention eine Atmosphäre des Respekts, der Sicherheit und des Wohlfühlens gewährleisten zu können, wurde ein zweiköpfiges Awareness-Team berufen, das für Teilnehmer stets ein offenes Ohr hatte. Und auch die Schlafplätze und -zeiten folgten einem durchdachten Konzept, damit sowohl Nachteulen als auch Frühaufsteher auf ihre Kosten kommen konnten. Jeder Ecke konnte man anmerken, wie viel Leidenschaft, Zeit und Liebe zum Detail in die Planung des Events geflossen waren.

Der Plan

Aber wie läuft so ein Zusammentreffen von Artisten eigentlich ab? Was steht auf der Tagesordnung? Nun, zunächst einmal viel freie Möglichkeit zum Trainieren in den Sporthallen, in der das Angebot von Hochseilen, Trapezen, Einrädern, Keulen, Matten und vielem mehr der Viktoriaschule zur Genüge ausgekostet werden kann. Außerdem wird Voneinanderlernen hier großgeschrieben, denn jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, einen Workshop zu geben, und bereits in den ersten Stunden begann sich der Plan des Workshop-Brettes zu füllen. Aber auch der „Fire Space“ ist ein feststehender Punkt auf der Tagesordnung. Ab 21 Uhr konnte am ersten Abend draußen unter gesicherten Umständen auf akrobatische Weise mit dem Feuer gespielt werden. Und auch ein kleiner Wettbewerb darf bei einer solchen Zusammenkunft natürlich nicht fehlen. Am Samstag fand ein Volleyclub-Turnier statt. Dabei handelt es sich um eine Form des Volleyballspielens, bei der mit Keulen jongliert wird. Die Teams müssen die Keulen nicht nur in der Luft halten, sondern sich auch gegenseitig zuspielen. Am zweiten Tag fand zusätzlich eine kleine Show einer angereisten Zirkustruppe aus Köln statt, zu der auch Außenstehende eingeladen waren. Eröffnet wurde die Darbietung mit einem Vorprogramm der Gastgeber.

Aber auch ohne die spannenden Punkte auf der Tagesordnung ist hier ständig alles in Bewegung. Keulen fliegen, Bälle wirbeln, Diabolos rotieren durch die Luft, plötzlich steht jemand zu deiner Rechten auf dem Kopf und führt trotzdem noch ein angeregtes Gespräch mit seinem Gegenüber, so stellt man sich Zirkus vor! Und trainiert wird nicht allein, die meisten stehen in kleinen Gruppen zusammen, während sie gemeinsam die verschiedensten zirzensischen Disziplinen trainieren. Muss man denn bereits ein Ass im Jonglieren sein oder eine andere Disziplin gemeistert haben, um hier teilnehmen zu können? „Nein“, meint Finja Hermens. „Hier ist jeder auch ohne Vorerfahrung herzlich willkommen und es stehen immer auch einige Anfängerworkshops auf dem Plan.“

Abschließend gibt es eigentlich nur noch eine Frage zu beantworten: Wird es auch eine siebte Configuvention geben? „Ich würde davon ausgehen“, sagt Sarah Heck und schmunzelt vielsagend. „Und vielleicht könnte die nächste Configuvention sogar im Sommer stattfinden. Dann könnte man auch draußen trainieren.“ Die 17-Jährige wirkt motiviert, sich gemeinsam mit dem Team erneut den Wagnissen und Herausforderungen der Organisation eines solchen Events zu stellen.

Circus Configurani
Bachstraße 19, 52066 Aachen
Aktuelle Infos unter:
configurani.de/configuvention

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