Buchtipps vom Worthaus Team: auch Titel mit Lokalbezug dabei

in Medien

Wenn es draußen immer kälter wird und das Laub der Bäume sich in seinem buntesten Gewand präsentiert, gibt es wenig Gemütlicheres als es sich mit einem heißen Getränk, einer Decke und einem guten Buch in eine kuschelige Ecke zu setzten und einfach nur zu schmökern. Das Team von Worthaus hat wieder einige interessante Buchtipps zusammengestellt, die für einen solchen Moment perfekt geeignet sind. Einige Geschichten tragen euch dabei gar nicht so weit fort, wie z. B. die Geschichte der Aachener Domwächter, welche euch mit auf eine Reise in das Aachen des Zweiten Weltkrieges nimmt. Eine Geschichte, die nicht nur die Jüngsten fasziniert.

Beat vor der Eins 

Das Leben als Teenager – eigentlich eine tolle Zeit: aufregend, spannend, emotional, jeder Tag eine Herausforderung. Aber oft auch eine Zeit voller Widersprüche, Zweifel, Unsicherheiten, ein ständiges Auf und Ab. Und in genau so einer Achterbahn der Gefühle befindet sich auch Ina, die immer und überall aus dem Takt zu sein scheint wie der Beat vor der Eins. Sie hadert mit ihrem Körper, fühlt sich zu dick und an den meisten Tagen mag sie sich nicht. Zu Hause ist die Stimmung mies, die Eltern scheinen nur mit sich selbst und den eigenen Problemen beschäftigt zu sein. In der Schule läuft es schlecht und in Sachen Liebe chaotisch.

Zum Glück gibt es wenigstens die beste Freundin Vicki, der Ina vertraut und der sie alles erzählen kann – zumindest fast alles, denn es gibt Dinge, über die Ina mit niemandem sprechen will oder kann. Über all das lesen wir wie in einem Tagebuch und tauchen ein in das Gefühlswirrwarr der 15-Jährigen mit allen Höhen und Tiefen. Und wir erleben mit, wie sie es schafft, sich von Erwartungshaltungen zu befreien und am Ende ihren eigenen Weg zu finden.

Mit einem ganz besonderen Stil – manchmal liest es sich wirklich so, als sei der Text mit Beats unterlegt – gelingt es der Autorin (die auch als Schauspielerin und Jazzsängerin tätig ist), so zu erzählen, wie Teenager in vielen Phasen denken: sprunghaft, wütend, unausgeglichen und voller Zweifel. Aber auch mutig, kraftvoll und voller Energie. Das Leben in diesen beiden Extremen ist schwierig und anstrengend – aber auch wunderbar und verheißungsvoll!

Alexandra Helmig: Beat vor der Eins
mixtvision, Juni 2024, 16 Euro
ab 14 Jahren
vorgestellt von Simone Neidlinger, Buchhändlerin im Worthaus in Aachen-Burtscheid

Birds of Paris – Das magische Pendel

Léa zieht mit ihrer Mutter ständig um, wodurch es schwer ist, Freunde zu finden. Jetzt sind die beiden nach Paris gezogen. Bei ihrer Erkundung der neuen Stadt trifft Léa auf ein geheimnisvolles Mädchen, das mit Tauben spricht, und auf eine leuchtende Feder, die bei Léas Berührung in glänzenden Staub zerfällt. Das Mädchen stellt sich als Alex vor und drückt Léa ein Notizbuch in die Hand, sagt ihr, wo sie es hinbringen soll, und rennt dann schnell wieder weg. Wovor sie wegrennt, weiß Léa nicht. Am nächsten Tag bringt Léa das Notizbuch an den genannten Ort und trifft auf eine Gruppe Straßenkinder, die Freunde von Alex. Für Léa beginnt damit ein magisches Abenteuer voller Gefahren, Rätsel und Freundschaft. 

„Birds of Paris“ ist ein tolles Kinderbuch voller Magie und Spannung. Die Geschichte wechselt zwischendurch die Perspektive, aus der erzählt wird. Zudem ist die Umgebung schön beschrieben, genauso die Charaktere. Man fühlt sich so, als wäre man ein Teil der Freundesgruppe. Das Buch hat viele actionreiche Momente mit spannenden, unerwarteten Wendungen. Es macht sehr viel Spaß zu lesen und es wird nicht langweilig. Eine klare Empfehlung für Kinder ab zehn Jahren. 

Kathrin Tordasi, Haiko Hentschel (Illustr.): Birds of Paris – Das magische Pendel
Fischer Sauerländer, September 2024, 14,90 Euro
ab 10 Jahren
vorgestellt von Sarina Holtrop, Buchhändlerin im Worthaus in Aachen-Burtscheid

Der besondere Bär

Der kleine Bär ist so aufgeregt bei der Produktion, dass er nicht still halten kann, und so passiert es, dass ihm keine Arme angenäht werden. Den kleinen Bären stört das nicht, aber die Spielzeughersteller sind sich einig: Eine solche Fehlproduktion darf nicht in den Verkauf geraten und wird nie ein Kind glücklich machen. So wird der besondere Bär weggeworfen. Er steigt jedoch aus der Mülltonne und überwindet jedes Hindernis, bis er in einem Spielzeugladen landet, wo der Verkäufer ihm erlaubt, sich zu den anderen Bären zu setzen. Jetzt heißt es abwarten. Doch der Bär ist sich sicher, es wird ein Kind geben, das er glücklich machen kann.

Die Geschichte von dem besonderen Bären ist einfach nur niedlich und herzerwärmend. Sie zeigt, wie wichtig es ist, niemals aufzugeben und optimistisch zu bleiben, egal was andere Leute sagen oder denken. Die Illustrationen sind ebenfalls zauberhaft. Ein tolles Bilderbuch über Optimismus und Selbstliebe. 

Tjibbe Veldkamp, Marijke Ten Cate (Illustr.), Eva Schweikart (Übers.): Der besondere Bär
Oetinger, Juli 2024, 15 Euro
ab 4 Jahren
vorgestellt von Martin Hungbach, Inhaber des Worthaus in Aachen-Burtscheid

Domwächter

Am Ende des Zweiten Weltkriegs ist der Aachener Dom schwer beschädigt, anders aber als der Granusturm und große Teile der Innenstadt steht er noch. Zu verdanken ist dies Jugendlichen. Nach der ersten Bombardierung durch alliierte Flieger im Juli 1941 als „Domwächter“ gegründet, haben 19 Mädchen und Jungen unter der Leitung von Gustav, dem Sohn des Dombaumeisters, bei weiteren Angriffen zahllose Brandherde gelöscht, zudem im Umfeld des Doms Anwohnern geholfen und eine Trinkwassernotversorgung aufgebaut. Gegen Kriegsende schließlich wird der Kern der Gruppe zur ersten städtischen Feuerwehr berufen.

Das Duo Stutenkemper/Neuendorf unternimmt es, Aachener Zeitgeschehen für Kinder ab zehn Jahren und Erwachsene illustra-tiv und thematisch spannend, wenn auch stilistisch nicht immer elegant, aufleben zu lassen. Es erzählt eine teils wahre Geschichte von jungen Menschen, die Nacht um Nacht freiwillig im Dom hinter dicken Mauern ausharrten, um bei Einschlägen schnell vor Ort zu sein.

Und auch sie erliegen der Faszination des 1200 Jahre alten Gebäudes. Zusammen mit Bruno und Fritzi, Harri, Paul, Charlotte und Gustav klettert der Lesende in den Dachstuhl des Oktogons über dem Goldmosaik und bewegt sich mit ihnen auf der Galerie um das Dach der Chorhalle, stets den einmaligen Ausblick auf die Stadt vor Augen und die Sorge vor weiterer Zerstörung im Sinn.

Erstellt wurde dieses Buch von der AKV-Sammlung Crous, ohne Hilfe des Stadtarchivs und des Dombaumeisters (bis 2023) Helmut Maintz wäre es so nicht geschrieben worden. Erhältlich ist es im gut sortierten Aachener Buchhandel.

Anne Stutenkemper, Silvio Neuendorf (Illustr.): Domwächter
Sammlung Crous, September 2024, 19,95 Euro
ab 10 Jahren
vorgestellt von Martin Hungbach, Inhaber des Worthaus in Aachen-Burtscheid

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