Das Worthaus empfiehlt: Fünf Buchtipps für den Sommer

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Hier kommen fünf Buchempfehlungen für verschiedene Altersklassen für den Sommer.

Ich heiße Billy Plimpton

„Ich heiße Billy Plimpton.“ Diesen Satz bringt der Elfjährige nicht so leicht über die Lippen, denn Billy ist ein Stotterer. Ganze Sätze fehlerfrei zu sprechen fällt ihm schwer. Auf der neuen weiterführenden Schule kennt ihn noch niemand. Billy hat seine Strategien, Flüstern etwa hilft gegen zu große Aufmerksamkeit. Spätestens bei seinem Referat muss er vor der Klasse Farbe bekennen und sich besonders gegen den fiesen Mitschüler William Blakemore zur Wehr setzen.

Dabei ist Billy Plimpton nicht ohne Selbstbewusstsein: Das Buch ist voll von Witzen, die er zum Besten gibt, denn Billy will einmal Komiker werden. Vor allem bei Großmutter, sie lacht am lautesten darüber. Bis Billy auf der Bühne der Schule steht und seinen Applaus erntet – „Ich h-h-h-hoffe, Sie h-h-haben heute Abend nichts mehr voooor. D-d-d-d-denn das kann eine Weile daaaauern“ –, erlebt er einige Enttäuschungen, Mobbing wie auch private Rückschläge, aber auch Unterstützung durch Mitschülerinnen, seinen Klassenlehrer und seine Bandmitglieder, Billy ist nämlich auch ein talentierter Schlagzeuger.

Für die Lesenden gibt es einiges zu lernen: dass Billy Erwachsene in vier Hauptkategorien von Zuhörern einteilt, Ermutiger, Gedankenleser, Scherzbolde und die Abwartenden; dass er im Traum redet und dabei niemals stottert; dass Elvis und Ed Sheeran auch mal gestottert haben. Fazit: lehrreich, spannend, lesenswert.

Helen Rutter: Ich heiße Billy Plimpton
Atrium, August 2021
15 Euro,
ab 10 Jahren

vorgestellt von Martin Hungenbach, Inhaber vom Worthaus in Aachen-Burtscheid

 

Vier Uhr morgens

Wach werden und müde sein – da haben Kinder und Eltern oft sehr unterschiedliche Ansichten … Wenn du zum Beispiel um vier Uhr morgens wach wirst und voller Tatendrang in den Tag starten möchtest, ist das für dich die perfekte Zeit zum Aufstehen. Komisch, dass Mama und Papa das ganz anders sehen und einfach weiterschlafen. Aber egal – du hast selbst genug tolle Ideen, um dir die Zeit zu vertreiben, bis sie endlich wach werden: Du kannst dem Kater dein Lieblingsbuch vorlesen, neue Bilder malen, Schokokekse essen, Blumen gießen und dabei pitschnasse Füße bekommen. Nach einer Weile fühlst du dich dann aber doch ein wenig einsam und du frierst auch ein bisschen – die perfekte Zeit also, um nochmal ins Bett zu krabbeln, findest du. Aber natürlich nicht in dein eigenes, sondern zu Mama und Papa, wo es so schön warm und kuschelig ist!

„Vier Uhr morgens!“ ist ein lustiges und witzig illustriertes Bilderbuch übers Einschlafen und Aufstehen, empfohlen für Kinder ab drei Jahren – eine originelle Gute-Nacht-Geschichte für hellwache Kinder und müde Eltern.

Katrin Topsch, Kathrin Fehrl (Illustr.): Vier Uhr morgens!
Carlsen, Juni 2024 
14 Euro,
ab 3 Jahren

vorgestellt von Simone Neidlinger, Buchhändlerin im Worthaus in Aachen-Burtscheid

 

Schwapp, der Geheimschleim – Der große Schleimassel

Die Geschwister Lou und Lukas haben ein etwas außergewöhnliches Hobby, sie stellen Schleim her. In einem selbst gebauten Büro und mit einem eigenen Rezeptbuch haben die beiden schon die außergewöhnlichsten Schleime hergestellt. Doch nachdem sie aus der Schule kommen, finden sie zu Hause ein Riesenchaos vor. Ihr Vater hat den Arm gebrochen, ihr Hund ist grün und dann ist da auch noch ein Wasserschaden – und das alles nur, weil ihre letzte Schleimkreation ausgelaufen ist. Das heißt Schleimherstellungsverbot für die beiden. Ganz heimlich stellen sie aber noch einen letzten Schleim her mit dem Glitzersand, den sie in der Ecke ihres Zimmers gefunden haben, und dieser Schleim ist plötzlich lebendig!

Das Kinderbuch ist witzig und angenehm zu lesen. Die kurzen Kapitel eignen sich gut zum Vorlesen und auch zum Selberlesen. Zudem befinden sich auch noch zwei Rezepte zum Schleimherstellen am Ende des Buches, aber keine Sorge, dieser Schleim wird mit Sicherheit nicht lebendig. Zudem gibt es auch viele schöne Schwarz-Weiß-Illustrationen. Somit ein sehr gelungenes und unterhaltsames Abenteuer für Kinder ab acht Jahren. 

Tina Schilp, Martina Schachenhuber (Illustr.): Schwapp, der Geheimschleim – Der große Schleimassel
cbj, März 2024
13 Euro,
ab 8 Jahren

vorgestellt von Martin Hungenbach

 

Mutmurmeln für den ersten Schultag

Nach den Sommerferien startet für viele Kinder die Grundschulzeit – das ist aufregend und spannend, macht aber vielleicht einigen auch ein bisschen Sorgen. So geht es auch Lolle und Linus, die übermorgen in die erste Klasse kommen. Klar, dass sie sich darauf freuen, aber ein bisschen aufgeregt sind sie schon auch. Vor allem Linus hat ein wenig Bauchschmerzen, wenn er an all das Neue denkt, das auf sie zukommt: Was ist, wenn er sich auf dem Weg zum Klassenzimmer verläuft? Und was soll er machen, wenn er ganz dringend aufs Klo muss? Zum Glück hat Lolle eine tolle Idee: Sie brauchen einfach nur die Tasche voller Mutmurmeln! Die können sie dann im Notfall drücken, und schon ist der gewünschte Mut da! Allerdings: Um die ganz normalen Murmeln mit Mut zu füllen, müssen Lolle und Linus erstmal jede Menge Mutproben bestehen. Dabei haben die beiden so richtig viel Spaß, und als dann der erste Schultag endlich da ist, ist alles ganz anders, als sie es sich vorgestellt haben …

„Mutmurmeln“ ist eine humorvoll erzählte Mutmachgeschichte rund um den Schulstart – bunt, frech und authentisch.

Sarah Welk, Caroline Opheys (Illustr.): Mutmurmeln für den ersten Schultag
Ars Edition, Mai 2024
16 Euro,
ab 5 Jahren

vorgestellt von Sarina Holtrup, jetzt ausgebildete Buchhändlerin im Worthaus in Aachen-Burtscheid 

 

Scheiße bauen – sehr gut

Paul, 14 Jahre, Stimmbruch, ist faul: Er mogelt sich so durchs Gymnasium. Weil er sich zu spät, beziehungsweise gar nicht, um einen dreiwöchigen Praktikumsplatz gekümmert hat, schicken sie ihn zur inklusiven Förderschule. Dort angekommen, wird der Praktikant mit dem neuen, erkrankten Schüler Per verwechselt und schon steckt Paul wider Willen mittendrin. Ein Junge mit Schweißperlen auf der Stirn küsst ihn zur Begrüßung voll auf den Mund und der wilde Fatih krakeelt: „Ich raste gleich aus hier! Der ist doch voll behindert, der Mädchen.“ Paul alias Per spielt das Spiel mit, denn als Praktikant müsste er Alicia-Sophie gleich mal die Windeln wechseln und auf „Ärsche abwischen“ verzichtet er gerne.

Ein Spiel auf Zeit, da der strenge Hausmeister ihn verdächtigt, zudem erhält er einen anonymen Hinweis, man wisse, dass Paul „einen auf behindert macht“. Nicht geplant war zudem, dass er sich verliebt und am liebsten schließlich dableiben will. Schließlich steht Fatihs Wort im Raum: „Es ist nicht egal, ob man Förderschüler ist oder Gymnast.“ „Scheiße bauen: sehr gut“, erschienen 2018, war Lektüre beim Vorlesewettbewerb 2024 und Autor Tobias Steinfeld selbst Inklusionshelfer an einer Förderschule. Unkonventionell krass.

Tobias Steinfeld: Scheiße bauen: sehr gut
Thienemann, Februar 2018
12 Euro
ab 12 Jahren

vorgestellt von Martin Hungenbach

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