Mal angenommen, ganz hypothetisch, es gäbe Monster, schreckliche, gefräßige Monster. Was wäre, wenn eines dieser Monster sich eines Abends auf den Weg machen würde, um dich, ja dich!, zu suchen?! Wenn es immer näher käme, durch Wälder und Sümpfe, über Berge und durch Straßen bis hin zu deiner Wohnung? Was, wenn du schon sein lautes Magenknurren hören würdest und das Knarzen seiner Schritte vor deiner Zimmertür? Ja, was dann passieren würde, das erfahren Kinder und ihre Vorleser auf den allerletzten Seiten von Ed Veres „Auch Monster müssen schlafen“ (englischer Originaltitel „Bedtime for Monsters“).
Vorher aber dürfen sie sich ganz ordentlich gruseln und sich vorstellen, wie ein hungriges Monster ein kleines Kind wohl am liebsten verspeist: Mit Messer und Gabel? Mit Ketchup oder auf Buttertoast? Am Stück oder doch lieber zerqui-qua-quetscht …? „Auch Monster müssen schlafen“ ist eine Gute-Nacht-Geschichte für Kinder, die wohligen Schauer mögen. Gemeinsam mit ihren Vorlesern begleiten sie das vermeintlich gefräßige Monster bis hinein ins eigene Kinderzimmer und malen sich aus, was das Scheusal wohl alles Schlimmes mit ihnen anstellen wird. Wie gruselig die Lektüre tatsächlich wird, hängt vom Geschick der Vorleser ab und von der Vorstellungskraft der Kinder. Die Bilder zeigen das Monster und bieten auch das ein oder andere düstere Detail, belassen aber die entscheidenden Vorgänge dort, wo sie auch dem hypothetischen Charakter der Texte nach hingehören: in der Phantasie der Kinder. Die kurze Geschichte eignet sich dazu, in die Einschlafrituale einbezogen und immer wieder gelesen zu werden. Es gibt zahlreiche Lautmalereien und rhetorische Fragen, die ein guter Vorleser nutzen kann, um mit dem Kind in Interaktion zu treten und dramatische Stimmung zu erzeugen. Die Auflösung am Ende sorgt für den nötigen Spannungsabfall, so dass Kind (und Monster) beruhigt einschlafen können. Ed Veres Zeichnungen sind sympathisch unperfekt und weisen so manches Element auf, das sonst in Kinderzeichnungen zu finden ist; da geht schon einmal eine Linie über den Rand, ein Arm oder Bein wirkt wie nachträglich eingefügt und ein bisschen Krickelei gibt es auch. Schön wäre es gewesen, wenn sich Übersetzerin Stephanie Menge bei der Übertragung des englischen Textes für einen Aussagemodus entschieden hätte. Die Sprünge zwischen Realis und Irrealis sind aber bloß ein keiner Wehrmutstropfen, denn die Tonmalerei ist Menge dafür besonders gut gelungen. Klingel, lingel, ling!
Auch Monster müssen schlafen
Ed Verne
Sauerländer 2014
Hardcover 14,99 Euro
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