Märchenoper ab 10. Mai am Theater Aachen: Kleider machen Kater, äh: Leute

Die Geschichte vom gestiefelten Kater in der Version der Gebrüder Grimm dürfte so weit noch vielen bekannt sein. Der spanische Komponist Xavier Montsalvatge (1912-2002) hat daraus eine Märchenoper produziert, die zu den meistgespielten Opern in Spanien gehört. Die Geschichte geht bei Montsalvatge so: Der verarmte Müller hat geerbt – aber „nur“ einen Kater. Doch der hat es faustdick hinter den flauschigen Ohren: Er kann sprechen, ist gewitzt und voller Tatendrang. Sein Plan ist es, den Müller zum König zu machen. Alles, was er dazu braucht, ist ein Paar Stiefel. Damit zieht der Kater als Bote seines angeblichen Herrn Marquis von Carabas zum Königshof, im Gepäck einen Sack voller Kaninchen und eine flammende Liebesbotschaft seines Herrn an die Prinzessin.

Kleider machen Leute – diese menschliche Lebensweisheit kennt sogar der Kater und genau das macht er sich mehrfach zunutze. Denn durch Kleider kann man sich verwandeln: Ein Kater wird durch Stiefel zum Boten des Marquis von Carabas, und der Müller ist ohne seine Müllerkleidung nicht mehr von einem Marquis zu unterscheiden. Die Kunst der Verwandlung beherrscht allerdings auch der Bösewicht der Geschichte, der mächtige Oger, ein Monster, das durch seine Zauberkräfte die Gestalt von Tieren annehmen kann. Dass er sich mal in einen Löwen oder mal in eine klitzekleine Maus verwandeln kann, weiß der Kater nur zu gut für sich zu nutzen.
Bei so vielen Verwandlungskünsten aber muss man ganz genau hinschauen, was noch echt ist und was nur vorgetäuscht: Ist der König wirklich ein so mächtiger Herrscher oder hat er außer seiner Krone vielleicht gar nicht viel mehr zu bieten als der Müller? Verliebt sich die Prinzessin wirklich in den Müller oder nicht doch in den Kater, der der eigentliche Überbringer der Liebesbotschaft ist?

Und auch in der Musik ist nicht alles so, wie es zunächst scheint: Denn Montsalvatge komponiert manchmal wie seine Kollegen von vor 200 Jahren – um dann plötzlich wie ein Kaninchen einen Haken zu schlagen und ganz andere Töne anzustimmen.

Dieser gestiefelte Kater aus dem Jahr 1947 scheint sagen zu wollen: Schaut genau hin! Was ist wahr und was ist falsch? Was steckt hinter der Fassade und hinter dem Kostüm? Vor allem zeigt er aber: Nicht immer ist der vermeintlich Stärkere oder Mächtigere der Gewinner.
Kurzum: Eine doppelbödige Oper mit eingängigen Melodien für die ganze Familie, die mit viel Witz von Gesangsstudierenden, Musikern und Musikerinnen der Hochschule für Musik und Tanz Köln auf die Bühne gebracht wird.

Premiere am 10. Mai im Theater Aachen, viele weitere Termine im Anschluss
theateraachen.de/de/produktionen/der-gestiefelte-kater.html

Text: Ulrich Wilker
Bild: Shady Afzali-Benbow

Hinterlasse einen Kommentar