Wir befinden uns nicht in den Corona-Ferien! Ein klares Statement von Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier, der zusammen mit dem Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp heute Vormittag bei einer Pressekonferenz Auskunft zur aktuellen Corona-Situation der Stadt und Städteregion Aachen gab. Katrin Lückhoff hat die Aussagen der Konferenz für uns zusammengefasst.
Aktuell sei man mit einer drei- bis vierfachen Steigerungsrate der Infizierten pro Woche konfrontiert. Dies bedeutet konkret, dass es 334 Fälle in der Städteregion gibt, davon in Aachen 161. Das Wichtigste sei weiterhin eine Vollbremsung des öffentlichen Lebens, um so die Verlangsamung der Verbreitung des Virus zu bewirken, so Marcel Philipp. Es sei nun die Zeit der Achtsamkeit, in der wir unser Verhalten vor allem zum Wohle der Risikogruppen verändern müssen. Er appellierte eingehend sich an die beschlossenen Maßnahmen zu halten: soziale Kontakte im Sinne physischer Nähe zu beschränken und möglichst zu Hause zu bleiben. Er bedankte sich ausdrücklich für die Arbeit und den Einsatz aller systemrelevanten Kräfte, aber auch bei den freiwillig Tätigen. Zudem hob er die positive Zusammenarbeit und schnelle Koordination mit allen Kommunen, den jeweiligen Verwaltungen und Gesundheitseinrichtungen hervor. Außerdem bat er, und im Anschluss auch der Städteregionsrat, um einen respektvolleren Umgang mit den Rettungs- und Ordnungskräften, den sie zuweilen leider nicht erfahren würden.
Für die absehbaren immensen wirtschaftlichen Schäden müssen und werden schnellstmöglich Hilfeleistungen auf allen politischen Ebenen von Bund, Land und Kommunen organisiert. Momentan herrsche eine schwierige Gradwanderung: Die infrastrukturellen Strukturen gelte es zu erhalten, um ein Stück weit ein relativ normales Leben zu ermöglichen. Gleichzeitig müsse maximale Vorsicht walten. So fahren momentan die Aseag-Busse nach dem Ferienplan, das heißt es werden mehr Busse eingesetzt als nötig, um die physischen Abstandsregelungen einzuhalten und die Menschen natürlich auch zur Arbeit oder zu anderen notwendigen Orten (Supermarkt, Arzt, Apotheke etc.) zu bringen.
Die Perspektive für die nächsten Wochen sei, dass die Einschränkungen bis Ostern gelten sollen. Wenn Beschränkungen, auch wegen unzureichender Einhaltung bis Ostern keine Wirkung zeitigten, müssen unter Umständen weitere Verschärfungen her. Dies hänge auch von der Versorgungslage und Kapazitäten der Krankenhäuser ab. Momentan seien sie für die nächsten 10 bis 14 Tage ausgerüstet. Auf der Basis der neuen Sachstandkenntnisse könne man nach den Osterferien einen Plan für die Zeit bis zu den Sommerferien fassen.
Der Städteregionsrat Dr. Grüttemeier wies auf das kommunale Abstrichzentrum der Städteregion in Eschweiler hin, welches zur Entlastung der Hausärzte sowie der Krankenhäuser eingerichtet worden sei. Hier wurden bereits bis gestern (Stand 18.03.2020) 1.800 Testungen durchgeführt. Es können täglich bis zu 480 Tests gemacht werden, eine Erhöhung auf 600 Tests pro Tag ist möglich. Allerdings dauere die Überprüfung der Tests in den Laboren durch deren hohe Auslastung bis zu zwei Werktagen. Er verwies auf die von 8-18 Uhr erreichbare Hotline. Wer getestet werden kann, bestimmen die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts.
Deutliche Worte fanden die beiden Hauptverwaltungsbeamten des Krisenstabs zu den Corona Partys: sich in Parks in großen Gruppen zu treffen sei das Gegenteil von Verantwortung. Das Ordnungsamt und die Polizei sorgen für die Durchsetzung der Maßnahmen und reagieren auch auf Hinweise, können aber nicht überall sein. Im Übrigen seien Verstöße gegen die Versammlungsverbote auch strafrechtlich relevant. Die Verhängung einer Ausgangssperre, wie sie von einzelnen Bürger und Bürgerinnen in den sozialen Medien gefordert wird, so betonten die beiden Vertreter, hänge vom Verhalten der Bürger ab, sei aber nicht wünschenswert, da Kräfte dadurch gebunden werden würden, deren Einsatz an anderer Stelle wichtiger sei. Die außergewöhnliche Dynamik der Lage, erfordere täglich neue Einschätzungen und Anpassungen, so Marcel Philipp.
Zur Pressemeldung der Stadt Aachen, dort kann die Pressekonferenz auch abgerufen werden:
http://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/politik_verwaltung/pressemitteilungen/corona_19032020.html
Zum Video der Pressekonferenz:
http://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/notfall_informationen/corona/aktuelles/index.html
Update 19.03.: Was ist geöffnet, was nicht?
Einschränkungen bei Begegnungsstätten
Zu bereits gültigen Maßnahmen des Landes gehört es unter anderem, dass Einrichtungen, Begegnungsstätten und Angebote zu schließen beziehungsweise einzustellen sind. Insbesondere sind dies
- alle Kneipen, Cafés, Bars, Clubs, Diskotheken, Theater, Kinos, Museen
- alle Spiel- und Bolzplätze
- alle Fitnessstudios, Schwimmbäder und Saunen
- alle Freizeit- und Tierparks und Anbieter von Freizeitaktivitäten (drinnen und draußen)NEU:
Der Verzehr von Speisen und Getränken innerhalb von Restaurants, Speisegaststätten und Bäckereien ist ab sofort bis auf Weiteres vollständig untersagt. Dies gilt auch für den Verzehr in der Außengastronomie vor Ort.Ausgenommen von diesem Verbot sind Lieferserviceangebote, sogenannte Drive-In Restaurantschalter oder sonstiger Außer-Haus-Verkauf von Speisen und Getränken. Einschränkung im Einzelhandel - Geschäfte des Einzelhandels für Lebensmittel, Wochenmärkten, Abhol- und Lieferdiensten, Apotheken sowie Geschäften des Großhandels ist bis auf weiteres auch die Öffnung an Sonn- und Feiertagen von 13 Uhr bis 18 Uhr gestattet. Ausgenommen davon sind Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag.
- Aufgrund einer Vielzahl von Nachfragen wird darauf hingewiesen, dass die Schließung laut der geltenden Allgemeinverfügung auch für Sonnenstudios, Tattoostudios, Kosmetikstudios und Nagelstudios.
- Die Verkaufsstellen des Einzelhandels werden geschlossen. Ausgenommen von der Schließung ist der Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte und der Großhandel.
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