6 x 11 Jahre AKiKA

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Karneval gehört zur Stadt Aachen wie Kaiser Karl und der Dom. Aachen ist eine Stadt des bunten, karnevalistischen Treibens, und das schon seit etlichen Jahren. Eine Vielzahl von Vereinen sorgt jedes Jahr dafür, dass der Karneval in der Kaiserstadt zum Leben erweckt wird. Mit dazu gehört auch die Heranführung der Kinder an den Karneval. Der Arbeitsausschuss Aachener Kinderkarneval AKiKA hat sich dies zur Aufgabe gemacht. Die Institution feierte im letzten Jahr ihr 6 x 11-jähriges – also 66-jähriges – Bestehen. Aber wie kam es überhaupt zu solch einer Etablierung des Kinderkarnevals in Aachen?

„Es war einmal …“ – die Anfänge des Aachener Kinderkarnevals

Schuld an dem ganzen jecken Treiben ist allen voran Jacques Königstein, der schon 1937 die Idee hatte, dass Kinder und Jugendliche am amtierenden Aachener Karnevalsprinzen vorbeimarschieren sollten. Dieses Ereignis war in ganz Deutschland neu. Schon ein Jahr später wurde dann der Aachener Kinderkostümzug zum Leben erweckt. Nach einer Ruhezeit während des Zweiten Weltkriegs rief Königstein 1950 alle Kinder und Jugendlichen auf, sich zu kostümieren und am Kinderzug teilzunehmen. In bunten Kostümen und Uniformen mit geschmückten Oldtimern und als Fußgruppen zogen sie von der Matthiashofstraße zum Elisenbrunnen. Königstein setzte sich also dafür ein, dass ein „Fastelovend“, also ein „altes schönes Volksfest“, auch für Kinder stattfand. „Es war einmal …“ lautete das Motto des Kinderkostümzugs. 1951 fand dann der erste offizielle „Öcher Kengerzoch“ statt.
1957 marschierte der Märchenprinz erstmals mit den Kindern zum „AKiKA-Marsch“ durch die Straßen. Im Zuge der Entwicklung entstanden Kindergruppen mit eigenem Bühnenprogramm und Uniformen sowie farbenfroh geschmückte Karnevalswagen.
Wolfgang Radermacher, Leiter des AKiKA und begeisterter Karnevalist, erinnert sich selbst daran, wie er in seiner Kindheit Anfang der 60er Jahre beim Kinderkostümzug mitmarschiert ist. „Ich habe daran nur positive Erinnerungen, das war schon schön damals.“ Die Ausführung des Kinderzugs war ähnlich wie heute. Kindergruppen aus Vereinen und Schulen beteiligten sich an dem bunten Zug und auch Wagen gehörten damals schon mit dazu. Diese waren zwar mit anderen Mitteln geschmückt und nicht ganz so prunkvoll, doch Radermacher versichert: „Das waren tolle Wagen damals!“ Grundsätzlich gab es jedoch weit mehr Fußgruppen als Wagen, da sich beispielsweise Schulen finanziell gar keine Wagen leisten konnten. Einen großen Unterschied zu heute, berichtet Radermacher, habe es beim Wurfmaterial gegeben.
Die Kinder aus Schulgruppen warfen gar nichts, und auch sonst gab es nur Kamelle. So konnten die Kinder von den großen Mengen, die heutzutage bei den Zügen geworfen werden, damals nur träumen.
Die Kostümierung war ebenfalls bei weitem nicht so aufwendig wie heute. Radermacher erzählt, dass er damals in der Schule aus einem Karton ein Astronautenkostüm gebastelt habe und mit seinen Klassenkameraden dann als große Gruppe am Kinderzug teilnahm. Begeistert stellt er fest: „Wenn die Kinder heutzutage kostümiert in den Eurogress kommen – ein Wahnsinn, was die für Kostüme anhaben.“

Der „Öcher Kengerzoch“ heute

Heute nehmen rund 120 Gruppen in phantasievollen Kostümen und Uniformen am Kinderzug teil. Der Zugweg erstreckt sich von der Oppenhoffallee über den Elisenbrunnen bis hin zum Karlsgraben. Unter den kostümierten Gruppen befindet sich nicht nur der Nachwuchs der Karnevalsvereine. Rund die Hälfte der Gruppen sind Schulen, Kindertagesstätten und private Gruppen aus Eltern mit ihren Kindern und Verwandten und Freunden. Für die jecken Töne sorgen zahlreiche Musikkapellen.   
Neben dem traditionellen Kinderkostümzug gehören auch Veranstaltungen wie die Prinzenproklamation und das Kinderfest zum Kinderkarneval in Aachen. Sie finden seit 1978 im Eurogress Aachen statt. Hier verbringen die Kinder mit ihren Eltern karnevalistische Nachmittage und stimmen sich so auf die jecken Tage ein.
Nach der Prinzenproklamation besucht der Märchenprinz mit Hofstaat, Garde und Tanzpaar traditionell zahlreiche Kinderkarnevalsveranstaltungen von Vereinen, Schulen und Seniorenheimen.

Kinderzug1954aachenMit viel Liebe zu einem energiegeladenen „Oche Alaaf“

Die Vorbereitung auf Karneval ist für die Kinder immer wieder eine aufregende Zeit. Für die 18 bis 20 Mädchen im Alter zwischen 6 und 13 Jahren der Prinzengarde beginnt eine intensive Trainingsphase, um den Besuchern Karneval einen neuen Tanz präsentieren zu können. Zudem dürfen die 14 bis 16 Jungen des Hofstaats der aufregenden Aufgabe nachgehen, sich ein Kostüm für die kommende Session auszusuchen. Und dann stehen natürlich auch noch die wichtigen Vorbereitungen für den Kinderkarnevalszug an. Die Kinder entwerfen und basteln Kostüme, bemalen Schilder und schmücken die Wagen. Dabei fördert die gemeinsame Arbeit Engagement, Organisationsfähigkeit, gegenseitige Unterstützung und Rücksichtnahme der Kinder. Zudem findet ein kultureller Austausch statt.

Vor allem in den letzten 16 Jahren stehen immer mehr der Erhalt und die zeitgemäße Fortentwicklung des Karnevals im Mittelpunkt. Karneval ist eines der integrativsten Elemente der Gesellschaft. Die jecken Tage führen dazu, dass zahlreiche unterschiedlichste Menschen – vor allem Kinder – vorurteilsfrei eine Gemeinschaft bilden, zusammen lachen und einfach mal aus dem Alltag ausbrechen.
Der Kinderzug am Karnevalssonntag, der Märchenprinz, der Hofstaat, die Prinzengarde, die Märchenprinzproklamation und das Kinderfest machen den Karneval in Aachen für Kinder selbstverständlich.

Alle Infos und ein Anmeldeformular für den Kinderzug: www.aak-akika.de

Text: Linda Hügel
Foto: Birgit Franchy

BU altes Bild:
1954 auf dem Karlsgraben. Das Eckhaus an der linken Seite steht heute noch immer und beherbergt den Klangpunkt Ecke Lochnerstraße/Karlsgraben

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