Frau Suk: Mein Jahr des Gärtnerns 2013!

in Im Beet mit KingKalli

2013, soviel steht fest, ist für mich das Jahr des Gärtnerns. Auf Gut Hebscheid wird gerade der KingKalli-Redaktionsgarten vorbereitet, verschiedene Bürgerinitiativen, in denen ich aktiv bin, planen einen Gemeinschaftsgarten in der Innenstadt, und auch der Suk’sche Hinterhofkübelgarten soll in den nächsten Wochen gepimpt werden. Ich sehe einer goldenen Zeit entgegen, in der Salat aus allen Ritzen sprießt, schmackhafte Tomaten mir direkt in den Mund wachsen und eine Flut an Kräutern meinen Speiseplan bereichert.

Die Vorgeschichte: Wie jedes anständige Dorf- und Kleinstadtkleinkind bin ich in Omas Haus- und Küchengarten und Mamas Schrebergartenparzelle aufgewachsen, habe probiert, wie Blumenerde schmeckt, Regenwürmern Namen gegeben und – zu Omas Verzweiflung – Pfingstrosenknospen abgerupft und aufgepult, um zu gucken, was da drin ist. Später habe ich dann wie jede anständige Dorf- und Kleinstadthalbwüchsige Kirschen geklaut, verbotenerweise im Naturschutzgebiet gezeltet und mit Begeisterung Zimmerpflanzen gezogen, gehätschelt, vergessen und auf dem Kompost beerdigt. Als Erwachsene betreibe ich nun schon seit Jahren Kübelgärtnerei. Aus „Och, ein bisschen Basilikum wär nett…“ wurde schneller, als Herr Suk die störenden Sitzgelegenheiten vom Balkon räumen konnte, „Die fünf Tomaten, die Kiwi, die zwei kümmerlichen Johannisbeersträucher aus der Drogeriemarktresterampe, der Blumenkasten mit Rübstiel und die Spießbütte mit dem Kürbis haben zwischen den Petunien, Rosen und Hornveilchen auf den zweieinhalb Quadratmetern auch noch Platz.“ Inzwischen ist aus dem Balkon ein sonniger Hinterhof geworden, leider teilweise betoniert, und aus einer Spießbütte wurden fünfzehn. Dieses Jahr – Sie erinnern sich, mein Jahr des Gärtnerns – kommen Hoch- und Staudenbeete hinzu. Außerdem ein kleines Foliengewächshaus, dass der berüchtigte Discounter mit A mir freundlicherweise beim Einkauf in den Weg gestellt hat.

Grund genug, die Küchenfensterbank zur Anzuchtstation umzufunktionieren. Letztes Jahr war ich mit allem zu spät dran, dieses Jahr juckt schon Ende Februar mein mittelgrüner Daumen (Exkurs: Die wuchsfördernde Wirkung meines Daumens erstreckt sich leider auch auf Ungeziefer aller Klassen, das sich alljährlich in meinem Umfeld zur Gewerkschaft „Nahrung und Genuss“ vereinigt und seine Forderungen nach mehr Essen mit brachialer Gewalt durchsetzt.). Bis März halte ich mich dann doch noch zurück, ich will schließlich keine bleichen, schießwütigen, unproduktiven Gartengenossen erziehen. Aber dann ist kein Halten mehr:

8.3. Ich werfe Kokosquelltabletten ins Wasser und werde sentimental: Das hat schon meine Oma früher gemacht, als progressive Gärtnerin, damals, als der gemeine Kleinstadtgärtner Kokosquelltabletten noch für eine Ingredienz von Fertigrührkuchen hielt. Mit Begeisterung sehe ich zu, wie aus flachen, braunen Unterlegscheiben Pflanztöpfchen werden. Hach! Nix wie rein mit den Tomatensamen aus guter Herkunft (www.tomatensamen.at), garantiert gentechnikfrei, samenfest und mit Liebe geerntet. Allerdings disqualifiziert mein nostalgischer Ausbruch die Tomaten, die aus den Quelltöpfchen schlüpfen sollen, für den KingKalli-Garten auf Gut Hebscheid. Die Quelltabletten sind nämlich nicht biozertifiziert. Alle Aussaaten werden sorgsam mit Fähnchen markiert, damit ich später die sechs Tomatensorten noch auseinander halten kann. Mit im Boot: Die gestreifte „Black Cherry“ Tomate, die Russin „Oranzhevye Slivki“, die orangefarbene „Katinka“, eine gelbe Sorte namens „weißer Pfirsich“, die robuste „Wheatley’s Frost resistant“ und die rosafarbene „Brandywine Cherry“.

9.3. Saatgutfestival in Bonn: Gemeinsam mit Olli Pesch von Transition Town Aachen stöbere ich durch das Angebot der diversen Bio-Saatgut-Anbieter. Ich hatte mir fest vorgenommen, vor der geplanten Saatguttauschbörse im L__rzeichen keinen Samen zu kaufen. Aber was schert mich mein Geschwätz von gestern? Mit drei Sorten Zucchini und Kürbis, Haferwurzel, drei Sorten Salat und einem Buch über alte Apfelsorten fahre ich zurück nach Aachen.

14.3. Die Zucchinis „Cocozelle von Tripolis“ und „Gold Rush“ wandern zum Brüten in Quelltöpfe. Ebenso der Kürbis „Schwarzer Futsu“. Im Pflanzrausch lege ich noch schnell eine Plastikschüssel-WG für weitere Tomaten, Sikkim- und Minigurken an, diesmal mit Anzuchterde, die Quelltabletten sind alle.

17.3. Da isses! Die ersten Tomaten gucken aus der Erde! Inzwischen hat Katze Minze allerdings ein wenig mit den Quelltöpfchen gekegelt, so dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob auch wirklich in allen noch das drin ist, was drauf steht. Ich hatte aus Faulheit nämlich nur jeweils ein Töpfchen jeder Reihe mit Fähnchen markiert. Egal, wird sich zeigen.

20.3. Auch in der WG tut sich was. Vor allem die Gurken zeigen sich wuchsfreudig. Im Hinblick auf die nahende Saatguttauschbörse hat die Initiativen-Gärtnergruppe eine Saatgutsammelbestellung an den Bio-Vertrieb Bingenheimer abgesetzt. Konnte ich mich beherrschen? Nein, konnte ich nicht…

24.3. Saatguttauschbörse „Sommersprosse“ im L__rzeichen: Wie wild tausche ich Zucchini gegen Kopfsalat, Pflücksalat gegen Möhren, Akelei gegen Spinat, Grünkohl gegen Bohnen und was weiß ich nicht noch alles gegen Mangold, Löwenmäulchen, Rosenkohl, Chili, Mohn und „Blauwschokkers“ (eine Markerbse, wie mir Google später verrät). Abends suche ich gleich passende Plastikschalen zusammen und ergebe mich erneut dem Aussaatrausch.

27.3. Der erste Sonnenstrahl im Hof! Ich kann es nicht fassen, lasse alles stehen und liegen und baue das Gestänge des Foliengewächshauses auf. Erst, als ich beim Dach angekommen bin, konsultiere ich die Aufbauanleitung und stelle fest, dass ich die schwarzen Verbindungsstücke, die eigentlich für den Giebel gedacht waren, anstelle der dunkelgrünen Verbinder bereits verbaut habe. Und zwar ganz unten. Alle vier. Ich überlege kurz, ob ich mich anarchistisch geben und einfach die grünen Dinger ins Dach bauen soll. Aber irgendeinen Sinn wird die Farbkodierung doch hoffentlich haben, oder? Also den Boden wieder auseinander gebaut und die Verbinder getauscht. Darauf, das Überzieherchen über das Gestell zu fummeln, habe ich jetzt allerdings keine Lust mehr. Das erledige ich einige Tage später mit Freund S., der dieses Jahr noch für einige Gartenarbeiten wird herhalten müssen.

3.4. Die WG ist über sich hinaus gewachsen, ein Teil der Bewohner muss in Singlebehausungen umziehen. Die resultierende Reihenhaussiedlung scheint von Zuchini, Gurke und Co. gut angenommen zu werden. Inzwischen ist auch mein Salatquartett (roter Eisberg, teufelsohriger Romana, Kopfsalat Till und roter Batavia) in der Krabbelgruppe aktiv. Die Tagetes, die ich als Mischkulturpartner für das Gemüse ausgesät habe, keimt bereits, obwohl ich sie erst gestern! ausgebracht habe (ja, erwischt, ich konnte mich wieder nicht zurückhalten, obwohl das Gewusel auf meiner Fensterbank inzwischen fast schon unter Massenpflanzenhaltung grenzt).

6.4. Ein Paket von Freundin B. aus V. tifft ein: Gartenbücher! Gleich zwei auf einmal: „Selbstversorgt!“ von Heide Hasskerl und „Mischkultur im Hobbygarten“ von der Ordensschwester und Klostergartenkönigin Christa Weinrich.

10.4.  Stand der Dinge: Der bunte Mangold (ja, ich weiß, muss man nicht vorziehen, kann man aber!) ist, ja, bunt. Auch im Keimstadium schon.

Die Zucchini hingegen haben schon länger das Keimblattstadium verlassen und produzieren fleißig „richtige“ Blätter. Nicht mehr lange, und auch die Reihenhaussiedlung wird für sie zu klein werden. Hoffentlich wird das Wetter bald so gut, dass die Pflanzen zumindest tagsüber draußen wohnen können.

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