Väter wollen es wissen

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Anbieter von Elternkursen verzeichnen eine erfreuliche Entwicklung: Immer mehr Väter holen sich Rat in Sachen „Erziehungsarbeit“. Neben Fragen zu Konflikten und der Verhandlung von Grenzen und Alltagsstress bilden dabei auch das eigene Rollenverständnis, Elternzeit oder der Trennungsfall häufige Themenfelder ab. Von den Hilfestellungen profitiert letztlich die ganze Familie.

 

Ein ungewohntes Bild ist es längst nicht mehr: Väter, die mit ihrem Nachwuchs einen unbeschwerten Nachmittag auf dem Spielplatz verbringen. Bestens ausgerüstet und für alle Eventualitäten gewappnet, gehören ausreichend Proviant, Feuchttücher, eventuell Wickeltasche und Wechselkleidung sowie jede Menge Sandspielzeug dabei zum richtigen Equipment. Zwischen Schaukel und Sandkasten findet allerdings nicht nur das ausgelassene Toben der Kleinen statt; ein Spielplatz ist schließlich auch immer Treffpunkt und Austauschgelegenheit für deren Mütter. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich bei Vätern ein unbehagliches Gefühl und Unsicherheiten einstellen: Werde ich skeptisch beäugt? Als Wochenendvater abgetan? Fragen, die Katrin Hater, Koordinatorin des Kurses „Starke Eltern – Starke Kinder“ vom Deutschen Kinderschutzbund Aachen, kennt: „Bis zu 30 Prozent unserer Teilnehmer sind Väter, was dafür spricht, dass sie sich ernsthaft für Erziehung interessieren. Zudem nehmen Väter heutzutage in größerem Umfang ihre Elternzeit in Anspruch, um von Anfang an eine gute Beziehung zu ihren Kindern zu pflegen. Ein Bewusstsein für die wichtige Bindung zwischen Eltern und Kind ist also klar zu beobachten.“ Vätern ist es heute demnach vermehrt ein Anliegen, bei Betreuung und Erziehung der Kinder eine entscheidende Rolle zu übernehmen.

 

Nur zwei Monate Auszeit

Tatsächlich sind steigende Zahlen von Vätern in Elternzeit zu beobachten – ob demnach auch ein neues Rollenverständnis vorherrscht, ist jedoch schwer zu beantworten, kehren die meisten Männer doch nach lediglich zwei Monaten Auszeit an ihren Arbeitsplatz zurück. Zum mittlerweile mehr als zehn Jahre alten Elterngeld-Gesetz (Paare erhalten zwölf Monate Elterngeld, wenn ein Elternteil zu Hause bleibt), kommen oft auch Arbeitgeber hinzu, die ihren männlichen Angestellten nicht mehr als besagte zwei Monate Freistellung gewähren wollen. Auch diese Thematik ist im Elternkurs keine Seltenheit, hat sich durch die verbreitete Berufstätigkeit von Frauen doch auch das Rollenverständnis von Müttern gewandelt. „Die heutigen Väter, die in den 70er- und 80er-Jahren geboren wurden, erlebten selbst eine Elterngeneration, die sehr darum bemüht war, einen partizipativen Erziehungsstil zu leben“, verdeutlicht Katrin Hater. „Sie haben also bereits eine Erziehung genossen, in deren Zuge die Eltern auch schon die Rollen ausgehandelt haben.“ Dass es für diese Männer heute nicht so einfach ist, ihre Bestimmung zu finden, möchte die Expertin jedoch nicht herunterspielen. Denn natürlich gibt es immer noch bestimmte gesellschaftliche Muster und Erwartungen; diese stimmen allerdings oftmals nicht mehr mit der Realität überein: „Vielleicht hat die Partnerin beispielsweise eine bessere Ausbildung genossen – in vielen klassischen Männerdomänen haben Frauen mittlerweile aufgeholt, etwa bei Ärzten.“

Ganz andere Fragen stellen sich Väter im Trennungsfall. Hier ist der Kurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ ebenfalls eine hilfreiche Anlaufstelle, können dort doch Fragen zur effektiven Freizeitgestaltung mit den Kindern oder zur Einigung mit der Ex-Partnerin gestellt werden. Überraschende Erfahrungen machen wiederum Paare, die das Angebot des Kinderschutzbundes in Anspruch nehmen. Da findet dann eine Verständigung über die jeweiligen Werte statt, die im Alltag oftmals nicht möglich ist. Katrin Hater erklärt: „Darüber zu sprechen, was dem jeweiligen Partner in der Erziehung wichtig ist, klingt selbstverständlich, kann aber sehr befreiend wirken, wenn man es dann auch tatsächlich tut und das Gegenüber an seinen Gedanken teilhaben lässt.“

 

Jederzeit Ansprechpartner sein

Eine Frage lässt sich indes ganz einfach beantworten, nämlich die nach der Bedeutung einer starken Vater-Kind-Beziehung: Eltern sind für ihre Sprösslinge schlicht und ergreifend die wichtigsten Menschen der Welt, sowohl in der Präsenz als auch in der Abwesenheit. Denn auch Väter, die nicht bei der Familie leben, haben für ihre Kinder eine große Bedeutung. Katrin Hater kommt ein an Väter gerichteter Spruch in den Sinn, den sie einst auf der Geburtsstation eines Krankenhauses las: „In welchen Mann Ihre Tochter sich später verlieben wird, darauf haben Sie jetzt Einfluss.“ Nicht als schwere Bürde gemeint, sondern als einfacher Hinweis darauf, aufmerksam und jederzeit Ansprechpartner zu sein. Das dafür benötigte Selbstbewusstsein können Väter aus Elternkursen mitnehmen – und davon auch in der Chefetage und auf dem Spielplatz profitieren.

 

Deutscher Kinderschutzbund – Ortsverband Aachen e. V.
Talstraße 2, 52068 Aachen
0241 949940
kinderschutzbund-aachen.de/starke-eltern-starke-kinder



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