Premiere: Das hässliche Entlein

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Vom hässlichen Entlein, das hässlich bleiben darf. Katrin Lückhoff hat Eindrücke von der Premiere mitgebracht. Das Kinderstück für die Kleinen ab vier Jahren läuft im Dezember 2018 in der Kammer.

Das Scheinwerferlicht richtet sich auf eine gräuliche Origami-Figur, die zu melodischen Gitarrenklängen in sanft gleitenden Bewegungen die Bühne entlangschwimmt. Es handelt sich um die Hauptfigur aus Hans Christian Andersens Märchen „Das hässliche Entlein“. Das Theaterkollektiv ZIRKUSMARIA, das sich auf Kindertheater Performance spezialisiert hat, präsentiert in den Räumlichkeiten der Kammer des Theater Aachen den altbekannten Märchenstoff neu verpackt für ein Zuschauerpublikum ab vier Jahren.

Julia Brettschneider und Wiebke Alphei stehen am Eingang, begrüßen die jungen Zuschauer und versehen sie mit bunten Farbtupfern auf Gesicht und Händen – je nach Wunsch der kleinen Theaterbesucher. Die Farbtupfen werden später noch eine wichtige Rolle spielen. Die Schauspielerinnen beginnen die Vorstellung mit einer Erklärung über Märchen allgemein. Bei Märchen sei nicht immer alles wahr, was erzählt würde, aber zumindest sei immer etwas Wahres dran. Die beiden hätten sich mit einem Bilderbuch namens „Das hässliche Entlein“ beschäftigt und das, was ihnen wichtig an der Geschichte erschienen sei, das würden sie jetzt zeigen. Die Offenlegung künstlerischer Prozesse auf der Bühne ist für die Arbeit von ZIRKUSMARIA zentral. So gibt es im Stück immer wieder Momente, in denen die Tatsache, aufgegriffen wird, dass hier eine Geschichte erzählt wird und auf welche Weise dies geschieht. Musikalische Unterstützung und passende, lustige Soundeffekte gibt es von Friederike Hellmann.

Foto: Wil van Iersel

Dann beginnt das Puppenspiel über das Entlein, das nach dem Ausbrüten einfach etwas anders aussieht als seine Geschwister. „Also ich finde es sehr schön“, raunt ein Mädchen ihrer Sitznachbarin zu. Leider sehen das die Entengeschwister, die tratschenden Verwandten und Bekannten und schließlich selbst die eigene Mutter anders. Das Entlein, welches im Gegensatz zu den anderen kleinen Enten namenlos bleibt, wird ausgegrenzt, allein gelassen und entschließt deswegen von der Familie wegzugehen und in die weite Welt zu ziehen. Dort macht es neue Bekanntschaften und überwindet viele Hindernisse.

Als der Winter kommt, ist das Entlein immer noch unterwegs und strampelt sich ab, um weiterzuschwimmen, aber es bleibt im Eis stecken. Julia Brettschneider und Wiebke Alphei entschließen sich einzugreifen und helfen dem Entlein, sich aus dem Eis zu lösen. Als sie das Entlein näher betrachten, stellen sie fest: irgendwie sieht das Entlein ja schon komisch aus, gar hässlich. Lauter Protest aus den Reihen der jungen Zuschauer. Julia Brettschneider und Wiebke Alphei überlegen daraufhin nochmal. Die Erkenntnis: Nein, das Entlein ist nicht hässlich! Es ist einfach nur anders, so wie jeder anders ist und kein Wesen dem anderen genau gleicht. Auf einmal geht das Licht aus und die Kinder erstrahlen im Schwarzlicht in unterschiedlichster Weise in den Neonfarben, mit denen sie zu Beginn angemalt worden sind. Das bekannte Happy End des Märchens, indem sich das hässliche Entlein in einen schönen Schwan verwandelt, fehlt. Aber wer braucht schon einen schönen Schwan, wenn die Schönheit dieser Geschichte ganz woanders liegt, nämlich, in der Erkenntnis der Kinder, dass es für ein Miteinander wichtig ist, sich in der gegenseitigen Unterschiedlichkeit zu akzeptieren und sie als etwas ganz Normales aufzufassen.

Foto: Wil van Iersel

Das hässliche Entlein, Theater Aachen
Von und mit ZIRKUSMARIA: Wiebke Alphei, Julia Brettschneider, Friederike Hellmann
Musik (live): Friederike Hellmann
Musik: Matthias Bernhold
Bilder/Zeichnungen: Polina Soloveichik
Dramaturgie: Katrin Eickholt
Vorstellungen bis zum 18. Dezember 2018



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