Platz in einer Gemeinschaft bieten

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf bringen ganz unterschiedliche Geschichten und Nöte mit: Die einen leben in problematischen Umfeldern, andere wiederum lassen eine gewisse Gruppenfähigkeit vermissen. Was sie alle vereint, ist die Suche nach neuem Vertrauen und positiven Erfahrungen. Die freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe Kaspar-X Projekte und Kaspar-X Netzwerke mit Sitz in Aachen bieten drei Formen familienanalogen Wohnens an – und suchen hierfür stets Mitstreiter und Wegbereiter für Kinder und Jugendliche.

„Neben Kindern, für die meistens die Möglichkeit einer Erziehungsstelle gesucht wird (bis etwa 10 Jahre), sind ein großer Teil unserer Klientel Jugendliche (12-16 Jahre), die bereits Hilfe erfahren und etwa in anderen Heimgruppen gelebt haben“, berichtet Stefan Sauermann, pädagogischer Leiter von Kaspar-X. „Oft kam man jedoch zu dem Schluss, dass dies nicht die passende Form der Hilfe war. Dann bestand der Wunsch, ein kleineres und vor allem persönlicheres Setting herzustellen.“ Ein hohes Maß an direkter Ansprache also, auf das sich die Jugendlichen auch einlassen können. Dass hierfür jede Menge Vertrauen notwendig ist, liegt auf der Hand; leider ist dies oftmals genau das Gefühl, das den Kindern und Jugendlichen gegenüber Erwachsenen abhandengekommen ist. Der Betreuungsansatz von Kaspar-X lautet seit nunmehr 25 Jahren daher, dieser Haltung mit Respekt und Geduld entgegenzutreten und für die Vorerfahrungen der jungen Menschen Akzeptanz zu signalisieren. Stefan Sauermann spricht in diesem Falle von dem richtigen Verhältnis aus Nähe und Distanz, um jeweils das individuell Mögliche zu entwickeln: „Oft zeigen die Jugendlichen zu Beginn ein relativ hoch angepasstes Verhalten, um das neue Umfeld für sich zu entdecken. Nach einer gewissen Zeit aber tasten sie sich heran: Welche Versprechen werden mir hier gemacht? oder: Seid ihr auch in Notsituationen für mich da?“. Berechtigte Fragen, deren Antworten den großen Unterschied zu herkömmlichen Gruppensystemen ausmachen: Der vertraute Bezugsmensch ist immer genau dann da, wenn Nöte aufkommen – denn einen Schichtwechsel gibt es nicht.

Erziehungs- und Projektstellen

Mit drei unterschiedlichen Betreuungsangeboten gehen Kaspar-X Projekte und Kaspar-X Netzwerke auf die individuellen Bedarfe der Klientel ein. Beim Träger legt man viel Wert auf eine klare Trennschärfe zwischen den unterschiedlichen „familienanalogen“ Wohnformen. Ihre gemeinsame Schnittstelle allerdings: Ein Betreuer nimmt Kinder oder Jugendliche in seine persönlichen Bezüge auf. Im Falle einer Erziehungsstelle gestaltet sich dies so, dass Familien, Paare oder Einzelpersonen ein Kind in ihre Familie bzw. das familiäre Leben integrieren – ein „Elternteil“ ist dabei pädagogische Fachkraft. So stellt eine Erziehungsstelle am ehesten eine Pflegefamilie mit umfangreichen Unterstützungsangeboten wie regelmäßiger Team- und Fachbegleitung und ergänzender externer Supervision dar. Stefan Sauermann vertieft: „Am Anfang steht das persönliche Gespräch, in dem man den Bewerber und eine Erziehungsstelle kennenlernt. Entsprechende Fragebögen erleichtern uns den Vorbereitungsprozess, der je nach Vorerfahrung zwischen zwei, drei Monaten und einem ganzen Jahr dauern kann.“ Ziel ist es, ein Profil zu erstellen, damit sowohl der begleitende Träger als auch die Familie eine konkrete Vorstellung davon gewinnt, was in den Bezügen geleistet werden soll und kann. Schließlich muss es ja für alle Beteiligten passen und dem aufzunehmenden Kind einen sicheren Rahmen bieten.

Ein weiteres einzigartiges Angebot ist das der Projektstelle: Ein Betreuer, Betreuerpaar oder Team erstellt in enger Zusammenarbeit mit Kaspar-X eine individuelle Betreuungsform für einen bestimmten Jugendlichen. Dies sind oftmals Heranwachsende, die eine intensive Jugendhilfemaßnahme benötigen. So geht es hier weniger um die Integration in eine Familie, sondern viel eher um die Frage, wie das Leben altersangemessen bewältigt werden kann. „Projektstellen bieten dem Jugendlichen eine Unterstützung, die zu Beginn etwa auch aus einer Reise oder einem Auslandsprojekt bestehen kann“, so Sauermann, „die Möglichkeit also, aus dem bisherigen Umfeld herauszutreten.“ Druck und destruktive Muster geraten so in den Hintergrund; Kreativität, Spontanität, Offenheit und manchmal auch einfach nur Humor treten an deren Stelle bzw. können Impulse für neue Erfahrungen geben. Eine Veränderung im Leben durch eine Veränderung im Außen also.

Individuelle Lebensgestaltung

Eine Art Mischform der zwei genannten Modelle stellt die Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft (SpLG) dar. Jugendliche zwischen der Suche nach individueller Lebensbewältigung und gesellschaftlicher Anpassung (Ausbildung, Schule, Peergroup) stehen hier im Mittelpunkt. „Das sind professionelle Gemeinschaften, mit denen wir teils schon über viele Jahre zusammenarbeiten“, blickt Stefan Sauermann auf dieses Erfolgsmodell. „Der Umgang mit familiärer Integration und autonomem Begleiten gestaltet sich dabei sehr flexibel.“ Soll sagen: Eine familienanaloge Einbindung ist genauso möglich wie ein pädagogisches Tür-an-Tür-Wohnen; zentral ist die intensive Begleitung für einen bestimmten Lebensabschnitt. Die Rahmenbedingungen sollen den pädagogischen Bedürfnissen jederzeit angepasst werden können, so der Leitgedanke bei Kaspar-X. Diese Haltung drückt sich auch noch heute in dem über 20 Jahre alten Slogan „Wir haben keine Plätze, wir haben Ideen“ aus.

Ob nun Erziehungsstelle, Projektstelle oder SpLG – in allen Fällen werden den „professionellen Eltern“ Koordinatoren vom Träger zur Seite gestellt. Die Zusammenarbeit verläuft bedarfsorientiert, in Krisensituationen rund um die Uhr. Auch die jeweiligen Kinder und Jugendlichen – aktuell sind es rund 50 – genießen diesen persönlichen Kontakt zur Ansprechperson. Erzieher, Sozialpädagogen und -arbeiter sowie pädagogische Fachkräfte, die sich durch die Angebote von Kaspar-X Projekte und Netzwerke angesprochen fühlen, können im persönlichen Gespräch ausloten, in welcher Form ein (honoriertes) Engagement möglich ist. Sinnstiftend ist dieses ohnehin: „Wir erhalten immer wieder Rückmeldungen von Jugendlichen, die sich im Laufe ihres Erwachsenenlebens freischwimmen konnten und teilweise mittlerweile selbst eine Familie gegründet haben“, freut sich Sauermann und blickt nach vorn: „Aktuell arbeiten wir in Aachen an einem neuen Modell, das Gruppenangebote, SpLG und Projektangebote in einem Netzwerk eng verknüpft. Kaspar-X Netzwerke stellt in diesem Kontext auch SpLG-Mitarbeiter an und sucht generell individualpädagogisch interessierte Kollegen.“

 

Das Engagement in Form einer Erziehungsstelle oder SpLG sollte für eine Person der Familie oder Gemeinschaft das Hauptaugenmerk darstellen. Die Bedingungen von Erziehungsstellen, SpLG und Projektstellen gestalten sich unterschiedlich: Informationen gibt es im persönlichen Gespräch.

Kontakt:
Kaspar-X
Kinder- und Jugendhilfeprojekte
www.kaspar-x.de

Kaspar-X
Intensivpädagogische Netzwerke
www.kaspar-xnet.de



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