Annie

in Filmarchiv, Im Kino, Standard

Ich kann mir beim besten Willen keinen Menschen vorstellen, der zynisch genug wäre, um in „Annie“ nicht eins der besten Musicals aller Zeiten zu sehen. Vielleicht sogar das eine, das kompositorisch gerade mal ins obere Drittel gehört, im Gegenzug aber wie kein anderes das Wesen des klassischen amerikanischen Musicals illustriert. Es rührt und nicht, obwohl es, sondern weil es so unecht ist: Es ist als aseptisch verriegeltes, eskapistisches Broadway- und Studiofilm-Märchen näher dran am Menschsein als der Neorealismus eines Rossellini. „Annie“ als hippes R’B-Musikvideo aufzumischen ist hier gerade aufgrund der Modifikationen des Originals paradoxerweise ein wenig mutiger, aber mit beeindruckendem Gesang auftrumpfender Versuch, eine nach Konzept ur-puristische Story in weitere Kontexte setzen zu wollen. Auf diesem Weg liegt eben genau auf diesem Remake hier schneller eine meterdicke Staubschicht, welche das scheinbar so totgedudelte Meisterwerk „Tomorrow“ nie ansetzen wird. Besonders kontraproduktiv wirkt den so perfekt wie traditionell gesungenen Klassikern eine Art räumlicher „Offenheit“ entgegen, die keinen Mehrwert bringt. Der freie Himmel, der fließende Verkehr, die weiten Parks und Straßenzüge, tausende Statisten – diese „Annie“ sorgt leider nicht dafür, hinter uns die Türen zu schließen und uns mit sehnsuchtsvoller Hoffnung aufzuladen.

USA 2014 | Regie: Will Gluck | mit Jamie Foxx, Rose Byrne | ca. 118 Minuten | FSK: ab 6 Jahren

Bleibe immer auf dem Laufenden

Ich will nichts verpassen und möchte wöchentlich den kostenlosen KingKalli-Newsletter erhalten und über aktuelle Themen und Termine auf dem Laufenden gehalten werden.

Ich bin damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar