Der ganz große Kulturschock ist ausgeblieben

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In der Ukraine ist der Winter endlich vorbei. Mitte März hätte man schon denken können, dass es endlich wärmer würde, doch dann hat es nochmal drei Tage lang durchgeschneit. Als es daraufhin ziemlich schnell wärmer wurde, hatte das zur Folge, dass wir aufgrund der geschmolzenen Schneeberge plötzlich einen See vor dem Gebäude meiner Arbeitsstelle hatten. Eine andere deutsche Freiwillige, die im Südwesten der Ukraine ihren Freiwilligendienst macht, nämlich in Odessa, hat mir ein Video geschickt, in dem der geschmolzene Schnee fast schon wie ein Fluss die Straße runterfließt.

Jetzt, wo es wärmer ist, stehen oder sitzen wieder mehr Leute am Straßenrand und verkaufen Obst, Gemüse, Blumen oder Klamotten. Manche haben sich auch bei –10 Grad davon nicht abhalten lassen und saßen stundenlang draußen, um ihre Ware zu verkaufen. Es gibt auch Menschen, die Fleisch aus ihrem Kofferraum aus verkaufen oder sich von zu Hause einen Tisch mitbringen. Da das in Deutschland wahrscheinlich illegal wäre, ist dieser Anblick immer wieder seltsam für mich. Als ich mal in einer großen Markthalle war, fand ich es auch irgendwie lustig, dass das Fleisch da ungekühlt rumlag. Was man allerdings auch riechen konnte.

Genauso wie in Deutschland feiert man natürlich auch hier in der Ukraine Ostern, allerdings finden die kirchlichen Feiertage immer ca. zwei Wochen später statt als im Westen, da zur Bestimmung des Datums hier der julianische Kalender verwendet wird anstatt – wie beispielsweise in Deutschland – des gregorianischen Kalenders. Auf meiner Arbeitsstelle gab es zu diesem Anlass ein kleines Konzert. Zuerst haben einige Frauen auf der Geige etwas vorgespielt. Danach kam ein Chor, der Lieder gesungen hat, die ich leider nicht verstanden habe, da sie auf Ukrainisch waren. Sie haben sich allerdings verdächtig nach Kirchenliedern angehört. Die klassische Musik war eine nette Abwechslung, da zu anderen Feiertagen lustigerweise zweimal plötzlich eine Bauchtänzerin da war.

Lieber Ehemann suchen, als zu studieren

Riesengroße Unterschiede zwischen der Gesellschaft hier in der Ukraine und Deutschland gibt es meiner Meinung nach nicht. Ich war keinem großen Kulturschock ausgeliefert, als ich hier ankam. Die einzigen Unterschiede, die mir aufgefallen sind, betreffen die Geschlechterrollen. Falls ein Schrank aus irgendeinem Grund zur Seite geschoben werden muss, würde man das als Frau in Deutschland selber machen. Hier wird erst gewartet, bis ein Mann kommt. Auf der Arbeit dürfen auch nur die männlichen Besucher nach dem Sportunterricht die Matten aufeinanderstapeln oder helfen, das Mittagessen, das geliefert wird, in den zweiten Stock in die Küche zu bringen. Einmal wollte eine weibliche Besucherin beim Mittagessen helfen, dies wurde ihr von einer Pädagogin verboten, weil sie eine Frau ist. Es geben sich auch nur Männer untereinander zur Begrüßung die Hand. Ein ukrainisches Mädchen hat mir erzählt, dass ihre Eltern sie drängen, einen Ehemann zu suchen, anstatt zur Universität zu gehen, da sie „schon“ 22 Jahre alt ist.

Ich habe jetzt nur noch sechs Wochen vor mir, bis ich wieder nach Hause fliege. Ich hoffe, in der Zeit noch besser Russisch zu lernen und eine schöne Zeit mit den Besuchern im Tageszentrum zu verbringen, freue mich allerdings auch schon, sehr bald wieder zu Hause in Deutschland zu sein.



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