Wenig Zeit UND wenig Geld?!?

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Was verdienen Schüler im Dreiländereck bei ihrem Nebenjob?

Für 3,50 Euro die Stunde kellnern, spülen, babysitten? Der erste Gedanke, der einem bei diesem Lohn in den Sinn kommt: Diese Bezahlung kann doch überhaupt nicht erlaubt sein! Das dachten wir auch, als wir gehört haben, was manche Jugendliche bei ihrem Nebenjob in den Niederlanden verdienen. Deshalb haben wir nachgefragt. Was bekommen Schüler für ihre ersten Jobs im Dreiländereck und wie schaut es mit dem Mindestlohn aus? 

Der Mindestlohn gilt nicht für Schüler

Dass der Mindestlohn ein gesetzlich festgelegtes Arbeitsentgelt ist, welches vom Arbeitgeber nicht unterschritten werden darf, hat jeder schon mal gehört. Allerdings vergessen viele, dass der Mindestlohn sowohl in Deutschland als auch in Belgien und den Niederlanden nur die Volljährigen betrifft. So kann schon mal eine große Kluft zwischen dem Verdienst eines 20-Jährigen und dem eines 17-Jährigen für dieselbe Arbeit entstehen. Doch wie kann es sein, dass Jugendliche bei ihren Nebenjobs in den Niederlanden nur 2,50 bis 4 Euro die Stunde verdienen und in Deutschland die meisten Jugendlichen mit einem Stundenlohn von ca. 8 Euro gut wegkommen?

Zunächst mal zu den Fakten (keine Angst, kurz und knackig)

In Deutschland beträgt der Mindestlohn 8,84 Euro, er gilt für alle Menschen über 18 Jahren (ausgenommen von Auszubildenden und ein paar weiteren Ausnahmen) und wird alle zwei Jahre angepasst.
In Belgien beläuft sich ebendieser allgemeingültige Mindestlohn, d. h. das Gehalt, das zu zahlen ist, wenn kein anderslautendes sektorenspezifisches Kollektivabkommen vorliegt, auf 9,47 Euro und regelt sich durch Alter und Dauer der Betriebszugehörigkeit.
In den Niederlanden beträgt der Mindestlohn satte 9,68 Euro, betrifft allerdings nur Menschen ab 22 Jahren und wird zweimal jährlich angepasst. Da es in den Niederlanden erst ab 15 Jahren erlaubt ist zu arbeiten, staffelt sich das Gehalt von diesem Zeitpunkt an höher und höher bis zur Volljährigkeit, was jedoch zur Folge hat, dass ein 15-Jähriger für eine Stunde Arbeit lediglich zwischen 2 und 3 Euro verdient.
In den Niederlanden lässt sich folglich mit 14 Jahren recht schwer auf ein Feriencamp oder den Rollerführerschein sparen. Hier ist es so geregelt, dass Kinder im Alter von 12 Jahren beim Nachbarn Gras mähen dürfen und sich nach und nach die Verantwortung der Jobs äquivalent zum Alter steigert. Somit könnte man mit 14 Jahren bereits Supermarktfächer füllen und Zeitungen austragen und letztlich ab 15 Jahren offiziell in einem Betrieb oder in der Gastronomie tätig werden.

In Deutschland ist es durch das Jugendarbeitsschutzgesetz ebenfalls untersagt, unter 13 Jahren zu arbeiten, da die Schule zunächst im Vordergrund stehen muss. Viele Betriebe bevorzugen jedoch Jugendliche ab 16 oder 18 Jahren, da diese oftmals mehr Verantwortung zeigen und zeitlich flexibler sind als jüngere.

In Belgien müssen Schüler 15 Jahre alt sein und das zweite Sekundarjahr beendet haben oder aber 16 Jahre alt sein, um einen Nebenjob ausüben zu dürfen. In Belgien wird besonders darauf geachtet, dass die vorgegebene Begrenzung der Arbeitsstunden von 475 pro Jahr, d. h. ca. 9 Stunden pro Woche, nicht überschritten wird.

Schule und Ausbildung sollen im Vordergrund stehen

Dies alles dient dazu, dass Jugendliche sich auf die Schule bzw. ihre weitere Ausbildung konzentrieren und nicht denken, ein Job, für den sie keine Qualifikation erlangen müssen, reiche aus, um sich sein weiteres Leben finanzieren zu können. Die Jugend soll auf dem Weg der intellektuellen Weiterbildung nicht verloren gehen, jedoch wird es schwierig, wenn man bedenkt, dass die niederländischen Studenten ca. 2.000 Euro pro Studienjahr zahlen müssen und sich diese Summe in vielen Familien nur schwer finanzieren lässt.

Verglichen mit den Löhnen und den Studiengebühren eines Deutschen von ca. 600 Euro pro Jahr, wird letztlich für jeden verständlich, dass sich die niederländische Jugend unfair behandelt fühlt. Momentan haben die Jugendlichen in den Niederlanden nämlich folglich wenig Zeit und wenig Geld.

 

Jacob wohnt in der Nähe von Maastricht. Er und seine Freunde bekommen für Jobs in den Niederlanden 3,50 Euro die Stunde. Linn hat ihn dazu befragt.

Wie fühlt es sich an, als Schüler für so wenig Geld arbeiten zu gehen?

Ich habe mich erstmal nicht so darüber gewundert, da es hier in den Niederlanden normal ist und alle meine Freunde so arbeiten. Als ich von deutschen Freunden hörte, wie viel sie verdienen, war ich erstmal geschockt und fand es etwas ungerecht. Dann habe ich mir eine Arbeit in Deutschland gesucht, da ich ja auch sehr gut Deutsch spreche. Natürlich habe ich größere Reisekosten, aber das nehme ich in Kauf, solange es sich lohnt.

Kennst du Tätigkeiten in den Niederlanden, bei denen man mehr verdient, und welche, bei denen es weniger ist?

Ja, ich kenne Tätigkeiten, bei denen man mehr verdient. Im Supermarkt verdient man wenig, kann aber im Verdienst aufsteigen. Auch kenne ich Freunde, die in einem Altenheim bis zu 7 Euro verdient haben. In der Gastronomie verdient man im Allgemeinen etwas mehr, also ungefähr 4 bis 5 Euro plus Trinkgeld. Das macht dann auch etwas mehr Einkommen.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du hörst, dass Jugendliche in Deutschland doppelt so viel verdienen?

Wie gesagt finde ich das ein bisschen ungerecht und bin ich darüber erstaunt und „entrüstet“.

Hättest du Verbesserungsvorschläge?

Man sollte eben in den Niederlanden das System von Deutschland übernehmen. Wir müssen in den Niederlanden als Jugendliche ja auch viel mehr für unser Studium bezahlen, also im Durchschnitt 2.000 Euro pro Studienjahr. Das ist ungerecht, verglichen mit unseren deutschen Nachbarn.

Haben sich alle an die Vorgaben gehalten und hattest du das Gefühl, auf etwas sparen zu können oder dass das Geld reicht?

Eigentlich haben sich alle an die Verabredungen gehalten. Etwas sparen konnte ich nicht wirklich, und das Geld reicht natürlich nie. Ich habe mich dann entschieden, nicht für so wenig Geld zu arbeiten, in Deutschland einen Job zu suchen, was nicht jeder kann, und habe auch meine eigenen Produkte vom Schmieden – ich habe eine eigene Schmiedewerkstatt – zum Verkauf auf Etsy gestellt. Viele Freunde verkaufen auch Sachen über marktplaats (so etwas wie ebay), oder die Mädchen verkaufen Klamotten, die sie nicht mehr tragen, auf United Wardrobe, um etwas dazuzuverdienen.

 

Quellen:
scholierenwerk.nl,
rijksoverheid.nl/onderwerpen/minimumloon/bedragen-minimumloon/bedragen-minimumloon-2018,
berekenhet.nl/werk-en-inkomen/minimumloon.html,
Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien,
www.ostbelgienlive.be

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