Welches Haustier? Intelligent, verspielt, familientauglich: Ratten

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„Iiiiieeeehh!!! Wir brauchen einen Kammerjäger!“, mag so mancher bei der Vorstellung von Ratten im Haus denken. Aber nicht jede Ratte ist ein fetter Kanalbewohner mit Flöhen und übertragbaren Krankheiten, der sich menschlichen Behausungen hauptsächlich für böswillige Plünderungsaktionen nähert. In immer mehr Haushalten wohnen Ratten (zumeist Farbratten) als geliebte und umsorgte Familienmitglieder. Zum Beispiel bei Familie Hoog in Aachen. „Ratten sind tolle Haustiere! Intelligent, neugierig und familientauglich. Es ist unwahrscheinlich spannend, denen beim Klettern und Spielen zuzugucken. Und man muss nicht bei Wind und Wetter mit ihnen Gassi gehen. Mir fallen keine Nachteile ein“, begeistert sich Mama Eka für ihre tierischen Mitbewohner. „Allerdings muss man damit rechnen, dass sie beim Auslauf im Zimmer schon mal was kaputtmachen, sind nun mal Nagetiere“, schränkt sie dann aber gleich ein. „Und man sollte sich natürlich viel Zeit für die Tiere nehmen.“

Ganz unkompliziert sind Ratten als Haustiere nämlich doch nicht. In Bezug auf Einrichtung, Ernährung und Beschäftigung stellen sie durchaus Ansprüche an ihre Halter, nicht zu vergessen die Kosten für Futter, Streu und Tierarzt und potentielle Diskussionen um lästige Pflichtaufgaben wie die tägliche Käfiginspektion und -reinigung. Ratten sind Kletterkünstler und beobachten ihre Umgebung gerne von einem höheren Punkt aus. Rattenkäfige sollten deshalb nicht nur groß sein (eine Grundfläche von 100 cm mal 50 cm ist Minimum), sondern auch hoch und mit verschiedenen Ebenen versehen. Es empfiehlt sich, die gesamte Höhe über der Standfläche auszunutzen, sofern sich alle Bereiche des Käfigs dann noch gut erreichen und säubern lassen. Die Einrichtung des Käfigs sollte abwechslungsreich, leicht zu säubern und ungiftig sein und viele Versteck- und Spielmöglichkeiten bieten. Zudem sollten die Ratten auch regelmäßig die Möglichkeit bekommen, die Wohnung ihrer Besitzer zu erkunden – und die Besitzer selbst. Mit Geduld und Bestechung werden Ratten nämlich oft sehr zutraulich und entdecken ihre Menschen als Turngerät, Aussichtsturm und Riesenkuscheltier. Doch auch wenn Ratten von ihrem Besitzer angemessen beschäftigt werden wollen, sind sie wie fast alle anderen Nager Gruppentiere, die den Kontakt zu Artgenossen dringend benötigen, um gesund und glücklich zu bleiben.

Mindestens zwei, besser aber drei oder vier Ratten sollten es schon sein. „Manchmal werden das schnell mehr, als man geplant hat“, schmunzelt Eka Hoog. „Unsere Töchter haben in der Zoohandlung einmal eine trächtige Ratte erwischt. Es war zwar ein tolles Erlebnis für uns alle, die Geburt und die Aufzucht der Jungen zu beobachten, aber die Pflege von Rattenkindern und die spätere Trennung nach Geschlechtern stellen einen auch vor Herausforderungen.“ Ebendiese Geschlechtertrennung ist zwingend notwendig, es sei denn, man will sich um mehrere hundert Nachkommen im Jahr kümmern. Am einfachsten ist es deshalb, nur Ratten eines Geschlechts anzuschaffen. Hält man beide Geschlechter in getrennten Käfigen, führt das aufgrund eindeutiger Geruchsbotschaften oft zu Stress. Alternativ kann man Böckchen kastrieren lassen, allerdings ist der Eingriff bei Kleintieren risikoreich und nicht ganz billig. Will man sich sicher vor Rattenkinderüberraschungen schützen, sollte man über Tiere aus dem Tierschutz nachdenken, deren Geschlecht von erfahrenen Fachkräften eindeutig bestimmt worden ist.

Wer Ratten hält, kann auch in Situationen auf Schwierigkeiten stoßen, die mit besser angesehenen Mitbewohnern kein großes Problem darstellen; eine Ferienbetreuung für eine mehrköpfige Rattengruppe zu finden, ist dank ihres schlechten Rufs nicht immer ganz einfach. Aber nicht nur vor einem Urlaub sollten sich Rattenbesitzer mit dem Gedanken an den Abschied vom geliebten Haustier beschäftigen, denn die Lebenserwartung der Nager liegt bei nur 1,5–4 Jahren. „Ehrlich gesagt halte ich das für einen Vorteil“, bemerkt Eka Hoog hierzu ein bisschen verlegen. „Unsere Kinder haben sich dank der Ratten früh mit dem Thema Krankheit und Tod auseinandergesetzt. Außerdem fällt die Entscheidung für ein Haustier leichter, wenn man nicht damit rechnen muss, für die nächsten 10 oder 20 Jahre die Verantwortung übernehmen zu müssen.“ Und falls die Kinder das Interesse an den neuen Mitbewohnern verlieren, bleibt die an den Eltern hängen. In der Familie Hoog ist das allerdings nicht der Fall. Seit Jahren kümmern sich die Töchter selbständig und mit Begeisterung um ihre Ratten und organisieren sogar die Tierarztbesuche in Eigenregie. Sie sind daran gewachsen und haben gelernt, in allen Lebenslagen für ihre Tiere da zu sein, bis zum Rattenlebensende.

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