Was ist los bei HirschGrün und Suermondt-Park?

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Als das „grüne Herz des Quartiers“ wird das Gelände angepriesen, das nach den derzeitigen Umgestaltungsmaßnahmen in der Richardstraße entstehen soll. Jahrelang war es unansehnliche Brache und Junkietreffpunkt, in den letzten drei Jahren legte eine Bürgerinitiative einen urbanen Garten an und das Gelände entwickelte sich zum In-Treffpunkt in Aachen, der der Stadt Großstadtflair verlieh. Zuletzt machte das Gelände durch einen Vorstoß der Bezirksvertretung Aachen-Mitte Schlagzeilen, die den Garten urplötzlich verlagert wissen wollte. Was da los ist, wollten wir wissen und trafen Salome Ziermann vom „Urbane Ge­meinschaftsgärten Aachen e. V.“.
Es ist kalt und sonnig, die Schulklasse, die wir eigentlich im HirschGrün treffen wollten, ist nicht da, weil die Betreuerin krank ist. Aber macht nichts, menschenleer ist das Gelände des HirschGrün dennoch nicht. Fünf Berufsschüler kommen mir entgegen, die trotz Baustellenlärm ihre Pause hier verbracht haben. Auch in dem Holzschiff, das in den Sommerferien bei einem Projekt mit Vera Sous und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen entstanden ist und das seinen Platz im Garten gefunden hat, sitzen zwei Jungs und unterhalten sich. Nebenan werden ohrenbetäubend laut Steine für den Weg geschnitten – die Jungs stören sich nicht daran, sondern genießen ihr Plätzchen in der Sonne.

IMG_2951salome_hirschgruenSalome Ziermann, Gründungsmitglied von HirschGrün und Vorstandsmitglied im Verein, berichtet von den zahlreichen Aktivitäten im Garten. Die Schulen Beeckstraße und Annaschule nehmen mit Begeisterung an einem Bildungsprojekt im Garten teil. Sie beackern die großen Beete, haben aber auch jeweils ein kleines Hochbeet erhalten, um dort ihr eigenes Gemüse genau beobachten und später ernten zu können. Um zu „ihrem“ Garten zu gelangen, nehmen die Kinder der AG der Annaschule sogar den Fußmarsch durch die Stadt auf sich.
IMG_2948hirschgruen_annaschuleAuch Projekte mit jungen Flüchtlingen finden hier statt. Viele bunte Gartenmöbel wurden mit Schülern der internationalen Förderklasse der Hauptschule Aretzstraße gebaut.
Studentin Salome, die seit drei Jahren mit vollem Einsatz dabei ist, hat sich inzwischen ganz der pädagogischen Arbeit verschrieben. Sie arbeitet im D-Hof in der OGS an einem Gartenprojekt und gibt ihr Wissen zum Thema „Gärten in die Stadt“ inzwischen auch über Schulungen an Lehrerinnen weiter.

Die Vereinsmitglieder freuen sich, dass sie über das Projekt viele interessante Menschen kennenlernen, sogar Menschen aus Kuba oder Kenia waren schon vor Ort und es gab einen Austausch über dortige Projekte.
Auch mit anderen Initiativen wird kooperiert. Auf dem Gelände steht eine Box, wo gerettete Lebensmittel hineingelegt und abgeholt werden können – die Box wird rege genutzt. Während wir uns unterhalten, kommt jemand vorbei, um sie zu reinigen, jemand bringt Brot vorbei und drei weitere Menschen kommen vorbei, um sich etwas mitzunehmen.
Nicht so gut hat das leider mit einer Give-Box funktioniert, dort wurde zu viel Müll abgeladen, so Salome Ziermann. Ob die Box wieder geöffnet werden soll, ist noch nicht entschieden.
Mit Vandalismus habe es ansonsten auf dem Gelände noch nie Probleme gegeben, erzählt sie.
Überhaupt laufe das Miteinander sehr friedlich ab, berichtet Salome, die um so erstaunter war, auf der Bezirkssitzung Aachen-Mitte vom Vorstoß zu hören, der Garten solle Richtung Rothe Erde in die Barbarastraße verlegt werden.
Zum Glück konnte der Vorstoß schnell zu den Akten gelegt werden, schließlich ist HirschGrün ein Teil des Bebauungsplans „Suermondt-Park“ und längst vom Rat der Stadt Aachen genehmigt. So war das Team von „Urbane Ge­meinschaftsgärten Aachen e. V.“ auch in die Pläne eingeweiht, dass in Zukunft ein befestigter Weg den Garten durchkreuzen wird. Vorgesehen ist auch eine Öffnung des Zauns zur Straße hin. Dort soll wieder eine Blumenwiese oder regionale Magerwiese mit einheimischen Blumen einladen, das schöne Gelände zu betreten, die Gemüsebeete bleiben im hinteren Teil des Gartens erhalten und es wird auch weiterhin auf dem HirschGrün-Gelände Möglichkeiten geben, sich zu setzen und zu verweilen. Salome Ziermann freut sich auch auf ein paar Erleichterungen, die die Umgestaltung bringen soll. Geplant ist zum Beispiel ein Wasseranschluss – bislang mussten die Vereinsmitglieder wöchentlich Wasser für die Tanks bestellen und die Kreuzung sperren, um das Wasser in die Tanks verfüllen zu können.
Salome Ziermann hofft auf eine weitere gute Zusammenarbeit mit der Stadt, schließlich hat das Projekt Vorzeigecharakter und vom Land NRW den Preis „NRW denkt nachhaltig“ verliehen bekommen.

Der Suermondt-Park wird in Zukunft noch viel mehr zu bieten haben und erfährt allgemein gerade eine große Aufwertung. Zu erwarten sind bald neue Klettergerüste für Kinder mit Möglichkeiten zu balancieren, zu hangeln, zu schaukeln und zu rutschen, ein Wasser- und Sandspielplatz, eine Kletterwand, ein neuer Bolz-und Basketballplatz, eine Freifläche und ein Picknickplatz.
Wenn die Pläne aufgehen, kann dies einer der spannendsten und attraktivsten Plätze der Innenstadt werden mit vielen Möglichkeiten, sich dort aufzuhalten und auch zu beteiligen.

Mitgärtnern? Die Saison hat gerade wieder begonnen und es wird wöchentlich Arbeitstreffen im Garten geben. Wer sich dafür interessiert, findet hier weitere Infos:
www.essbares-aachen.de
www.facebook.com/EssbaresAachen

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