Repair Café Aachen – reparieren statt wegwerfen

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Was ist ein Repair Café?

Die Idee stammt von der Niederländerin Martine Postma und wurde schon 2009 in Amsterdam geboren. Martine Postma startete die Initiative, da sie sich schon seit 2007 für nachhaltige Projekte einsetzte. Ihr Projekt wurde schlagartig ein großer Erfolg und so entstand eine Non-Profit-Organisation, die es ermöglicht, Vereinen im In- und Ausland Repair Cafés zu eröffnen.
Es geht einfach darum, wieder ein Gefühl für das Reparieren zu bekommen, statt Dinge wegzuwerfen und ständig neue zu kaufen. Schließlich setzt die Herstellung neuer Geräte und das Recycling gebrauchter Gegenstände Unmengen CO2 frei.
Das Aachener Repair Café des Vereins Digitac e. V. befindet sich in einem ehemaligen Schulgebäude in der Martinstraße 10-12 auf einem Hinterhof mitten in der Stadt.

Beim Betreten des Cafés werde ich sofort freundlich begrüßt. Die Atmosphäre ist sehr gemütlich, man fühlt sich auf Anhieb willkommen und wohl.
„Ich komme seit fünf Jahren hierher“, erzählt Walter Dressen, ein ehrenamtlicher Helfer, und erklärt so ziemlich alles, was man über das Repair Café des Vereins wissen muss.
Digitac e. V. hat vor einiger Zeit die Räumlichkeiten, die normalerweise als Partyraum genutzt werden, übernommen und stellt diese für unterschiedliche Aktivitäten zur Verfügung. In der Woche trifft man sich regelmäßig, und am Wochenende finden ab und zu auch kleine Partys mit Musik statt.
Jeden letzten Samstag im Monat wird das Repair Café von Vereinsmitgliedern und Helfern auf freiwilliger Basis organisiert und ist von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Es gibt in Aachen übrigens noch ein weiteres Repair Café, organisiert von einer evangelischen Kirchengemeinde. Damit man sich nicht in die Quere kommt, findet das immer zur Mitte des Monats statt.

Erfolgsquote von 35 bis 45 Prozent

In der Regel sind ca. fünf bis zehn Helfer mit Werkzeug vor Ort, um den Gästen bei ihren Reparaturen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Für die Helfer herrscht keine Anwesenheitspflicht. Wer am besagten Termin zur Verfügung stehen kann, kommt vorbei und macht mit.
Man wählt bewusst den Begriff „Gäste“ und nicht „Kunden“, da der Service kein Geld kostet und nicht auf Profit ausgerichtet ist. Ist eine Reparatur erfolgreich, kann man mit einer Spende den Erhalt des Cafés unterstützen. Ersatzteile muss man selbst besorgen und bezahlen.

Bei Kaffee und Kuchen kann man hier so ziemlich alle Gebrauchsgegenstände oder Geräte aus dem Haushalt reparieren – meist elektronisch und elektromechanisch – und sich dabei helfen lassen. Von der Kaffeemaschine über Toaster, Lampen, Wasserkocher bis hin zum Notebook kommt alles auf den Tisch.
„Wir wagen uns gemeinsam mit den Gästen eigentlich an so ziemlich alles ran, ja sogar an Handys“, erklärt Walter Dressen.
„Allerdings geben wir keine Garantie, dass solch eine Reparatur gelingt oder ewig hält. Wir geben unser Bestes und arbeiten mit einer Erfolgsquote von ca. 35 bis 45 Prozent.“
Aus Sicherheitsgründen wird auch bei komplizierten Geräten schon mal von einer Reparatur abgeraten. Drucker oder Videorekorder sind meistens auch problematisch, da es kaum Ersatzteile dafür gibt.
Über die Internetseite www.digitac.cc kann man sich in einer Statistik einen ungefähren Überblick verschaffen, welche Geräte besser und welche eher schlechter bis gar nicht reparabel waren.
Walter Dressen: „Wenn wir ein Gerät nicht reparieren können, besteht aber sehr oft die Möglichkeit, das defekte Teil ausfindig zu machen und Tipps für die Beschaffung zu geben.“
Auf die Frage, ob es schon mal sehr aufwendige Reparaturen in den drei Stunden Öffnungszeit gegeben hat, antwortet mir der ehemalige Dipl.-Ingenieur der Elektrotechnik: „Es gab mal eine Studentin mit einen defekten Notebook. Eigentlich war nur der Anschluss für das Netzteil defekt. Aber es war sehr schwierig, an das Bauteil ranzukommen. Nachdem das Gerät zerlegt war, war die Zeit rum. Aber sie konnte danach das entsprechende Ersatzteil im Internet ausfindig machen. Erst drei Monate später ist sie dann damit wieder vorbeigekommen und wir haben das Notebook gemeinsam zusammengesetzt und wieder flott- gemacht. Alles hat funktioniert.“

Repair Café gut besucht. „Auch schonmal Schlange bis auf den Hof.“

Während ich mich weiter mit Herrn Dressen unterhalte, füllt sich der Raum recht schnell.
Die Gäste bekommen ein Anmeldeformular und werden sofort beraten und betreut. Einige kommen ins Gespräch und fangen auch schon an, sich gegenseitig zu helfen. So findet sofort ein reger Austausch statt. Allgemein ist das Repair Café immer sehr gut besucht. „Hier gab es bei der Anmeldung der Geräte auch schon Warteschlangen bis auf den Hof“, erzählt Dressen stolz. In den Sommerferien und um Weihnachten wird es etwas ruhiger.
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Neben uns nimmt ein Mann mit einer defekten Bohrmaschine Platz. Walter Dressen und ein weiterer Helfer kümmern sich darum. Sie zerlegen die Bohrmaschine weiter und messen erstmal alle elektronischen Bauteile durch.
Ich möchte der Sache nicht im Wege stehen und schaue mich in den Räumlichkeiten um. Mittlerweile basteln Gäste und Helfer gemeinsam an Geräten wie Staubsauger, Hifi-Boxen, Fernbedienungen und kleinen Taschenrechnern. Sogar ein Rasenmäher kommt unters Messer. Der Leiter des Cafés – Jan Simons – arbeitet mit seinem Laptop eifrig an der Programmierung eines Druckers. Da dieser die Tintenpatronen immer nur als leer erkennt, will der IT-Berater das sture Gerät mit seiner Software überlisten.

Was auffällt, ist die ständige Hilfsbereitschaft untereinander. Die Leute haben Spaß am Basteln und Reparieren. Sie trinken zwischendurch einen gemeinsamen Kaffee und unterhalten sich.
Das Wissen, wie man Dinge repariert, wird hier noch geschätzt. Sonst hört man oft den Spruch: „Das lohnt sich nicht mehr. Am besten, du kaufst dir das einfach neu.“
Im Repair Café kann man auf jeden Fall auch was lernen. Z. B., Dinge  wieder wertzuschätzen, wenn man sich für Nachhaltigkeit einsetzen möchte. Außerdem macht Reparieren Spaß und bringt die Menschen zusammen.

Für mich persönlich als Gegner von geplanter Obsoleszenz (absichtliche Verringerung der Lebensdauer durch den Hersteller) ist es zumindest eine kleine Genugtuung, wenn Leute in Gemeinschaften sich diesen Machenschaften – egal ob bewusst oder unbewusst – entgegenstellen und defekte Geräte reparieren statt wegwerfen.

Ich verabschiede mich vom Leiter Jan Simons und Walter Dressen und überlege mir auf dem Nachhauseweg, ob ich nicht auch noch irgendetwas Defektes zu Hause liegen habe …

repaircafe.org/de
Hier findet ihr alle Repair Cafés! Es gibt auch eins in Düren.

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