Voltigieren

in Sport

(Sportarten im Check, Teil 7 | KK53, 2012)

Beim Besuch des Voltigiersportcenters Gut Neuhaus Aachen e.V., einem seit 2008 bestehenden gemeinnützigen Verein, lernte Yannick Schornstein für KingKalli einen überaus vielseitigen Teilbereich des Pferdesports kennen.

Beim Voltigieren werden akrobatische Übungen auf einem mit Hilfe einer langen Sicherheitsleine, der Longe, im Kreis geführten Pferd ausgeführt. Im Wettkampf versuchen die meist aus acht Voltigierern, einem Ersatzmann und einem Pferd bestehenden Mannschaften, zwei Pflichtblöcke und die Kür in einer überzeugenden Art und Weise zu absolvieren, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Für die Punktevergabe sind mehrere Punktrichter zuständig. Während diese ihr Hauptaugenmerk bei der Benotung der Pflicht, welche aus einer vorgegebenen Abfolge von Übungen, den sogenannten Figuren, besteht, vornehmlich auf die Technik der Teams richten, spielen bei der Kür auch andere Bewertungskriterien eine Rolle. Diese setzt sich nämlich aus Übungsteilen zusammen, die das ausführende Team selbständig auswählen darf. Deswegen achten die Punktrichter bei der Bewertung der Kür nicht nur auf die Ausführung, sondern berücksichtigen zudem die Schwierigkeit der gewählten Figuren und die Gestaltung. Von einer guten Gestaltung kann man sprechen, wenn die Voltigierer beispielsweise in puncto Kreativität, Authentizität, Spannungsaufbau und Musikinterpretation überzeugt haben.

Auch die 130 aktiven Mitglieder des VSC Gut Neuhaus nehmen an Wettkämpfen teil und bestreiten sowohl breitensportliche als auch überregionale Turniere wie zum Beispiel die rheinischen Meisterschaften. Der Grundstein zu erfolgreichen Turnierteilnahmen wird freilich während des Trainings gelegt, das im Sommer in den Reithallen des Vereins stattfindet. Unter der Leitung des Trainerteams rund um Cheftrainerin Hannah Gouders studieren die Voltigierer auf den Pferden beispielsweise Figuren wie die Fahne (der Voltigierer streckt, nach vorne blickend, aus einer knienden Haltung heraus ein Bein nach hinten und den gegenüberliegenden Arm nach vorne, sodass sich Oberkörper und Oberschenkel in einem Winkel von 90° befinden) ein. Im Winter, wenn die aktiven Mitglieder des Vereins in die Turnhalle ausweichen müssen, wird hingegen gerne auf ein Holzpferd zurückgegriffen. Mit Hilfe dieses Trainingsgeräts können beispielsweise komplizierte Hebefiguren einstudiert werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Trainingsarbeit sind Kraft und Kondition verbessernde Übungen, weil die verschiedenen Blöcke innerhalb eines Wettkampfes mehrere Minuten dauern und deswegen sehr belastend für den Voltigierer und das Pferd sind. Die Ausdauer der Pferde kann unter anderem verbessert werden, indem man die Tiere steil ansteigende Strecken hinaufgaloppieren lässt.

Vor und nach den Trainingseinheiten wird den Vereinsmitgliedern die Aufgabe zuteil, die Pferde zu versorgen. Die Trainer wollen insbesondere den Jüngeren vermitteln, wie wichtig es ist, verantwortungsvoll mit den Tieren umzugehen. Hauptverantwortlich für die Pflege der Pferde ist allerdings Cheftrainerin Hannah Gouders. Ihr ist vor allem eine artgerechte und professionelle Unterbringung wichtig: Die Tiere haben nicht nur ganzjährig genügend Auslauf (im Sommer auf den umliegenden Weiden; im Winter auf mit Sand ausgelegten „Paddocks“, die an das Hauptgebäude des Vereins angrenzen), sondern werden zudem mit hochwertigem Futter versorgt.

Eine weitere Aufgabe der Trainer des Vereins ist es, die Pferde auszubilden. Diese werden mit fünf bis zehn Jahren zunächst vorsichtig angetestet und später eventuell gekauft – nicht jedes Pferd ist für den Reitsport geeignet. Laut Gouders muss man bei der Ausbildung sehr vorsichtig vorgehen: „Pferde sind Fluchttiere und als solche sehr furchtsam. Vor allem müssen sie schrittweise daran gewöhnt werden, dass sich jemand auf ihrem Rücken befindet.“ Dies ist für die Tiere sehr ungewöhnlich, weil sie Menschen normalerweise als Raubtiere einschätzen.“

Während der Trainingseinheiten kommunizieren die Trainer weitestgehend nonverbal mit den Pferden. Dies ist laut Gouders natürlicher, als den Vierbeinern Kommandos zuzurufen. Stattdessen setzt man auf Gestik und Mimik. Die Trainer sind beispielsweise als Longenführer dazu in der Lage, das Tempo und die Laufrichtung des Pferdes durch eine aggressive beziehungsweise ruhige Körpersprache zu beeinflussen.

Wer als Voltigierer einer Sportart nachgehen will, die Fertigkeiten wie Körperbeherrschung, Mut, Selbstbewusstsein und Kreativität fördert und verbessert, benötigt dazu laut Gouders nur sportgerechte Kleidung und „Gymnastikschläppchen“ mit weißer Sohle.

Das Unterrichtshonorar beträgt, je nach Trainingsumfang, 35 bis 45 Euro pro Monat.
Kontaktdaten sowie Informationen zu den Ferienkursen des VSC Gut Neuhaus finden sie auf der Internetseite www.voltigieren-aachen.de

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