Dieser Zug endet hier – unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Aachen

in Aktuelles um die Ecke, Flüchtlingshilfe

Im Jahr 2011 wurde die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Aachen noch nicht mal erfasst, im Jahr 2013 wurden 519 in Obhut genommen und damit fast die Hälfte derer, die in NRW aufgegriffen wurden. Momentan befinden sich 337 Jugendliche in der Betreuung des Jugendamtes, und es kommen wöchentlich neue hinzu. Wie geht eine verhältnismäßig kleine Stadt mit diesem Zustrom um und wie sind die Lebenssituationen und Perspektiven der jungen Menschen in Aachen? Wir haben uns umgeschaut.

Youssef will eigentlich nach Köln und von dort weiter über Hamburg nach Schweden. Doch der Zug, der 2012 aus Lüttich kommt, endet plötzlich in Aachen und Youssef wird am Fahrkartenautomaten von Beamten der Bundespolizei angesprochen und „in Obhut genommen“. Der 16-jährige Palästinenser ist aus seiner Heimat geflohen, weil er nicht in den Krieg gegen Israel ziehen wollte. Jetzt ist er in Aachen gestrandet, und die Stadt ist jetzt für ihn als minderjährigen Flüchtling zuständig.
Wie er und einige andere junge Flüchtlinge lernen, sich in Aachen zurechtzufinden, wird im Film „Wie geht Deutschland?“ auf äußerst charmante Weise dokumentiert. Er ist ein Ferienprojekt der Aachener Filmemacher Michael Chauvistré und Miriam Pucitta, das sie mit Jugendlichen, die in Maria im Tann und anderen Einrichtungen in Aachen leben, umgesetzt haben.

KingKalli hat sich auf die Suche nach jungen Flüchtlingen in Aachen gemacht, um herauszufinden, wie sie leben.

Maria im Tann

Maria im Tann, Haus 1

In der Küche wartet ein frischer Blechkuchen, das Wohnzimmer ist mit Fernseher, PC und Gesellschaftsspielen ausgestattet, die Zimmer sind schlicht möbliert. Kuschelige Katzenbettwäsche soll es ein bisschen heimelig machen. „Ich liebe Deutschland“ hat ein Jugendlicher auf Ballons und ein T-Shirt geschrieben und sein Zimmer damit geschmückt.

In Haus 1 arbeitet Tim Pohlmann, er betreut mit drei weiteren Fachkräften und einer Berufspraktikantin acht unbegleitete minderjährige Flüchtlinge für eine befristete Zeit, bevor sie in eine Regelgruppe überwechseln können, in der sie mit vorwiegend deutschen Jugendlichen zusammenleben.
Momentan hat Maria im Tann zwischen 20 und 25 Flüchtlinge aufgenommen. Wer es bis hierher geschafft hat, hat meist eine Odyssee hinter sich – und wollte, so wie Youssef, eigentlich auch gar nicht hier hin.
Das Ziel der jungen Menschen seien die nordischen Länder, Skandinavien, möglichst weit im Norden. Angeblich seien dort Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnisse besonders leicht zu bekommen, erzählt Tim Pohlmann von den Plänen von vielen – ob das überhaupt noch der Fall ist, weiß er nicht.
Auf dem Weg in den Norden passieren die Flüchtlinge Aachen. Momentan kommen die meisten aus Afghanistan, Syrien, Nordafrika oder Eritrea. Meist sind es Jungen, nur ganz vereinzelt kommen junge Afrikanerinnen alleine hier an. Deutschland ist das erste Land, das sie festhält. In die Türkei und nach Griechenland wollen sie nicht, dort landen sie höchstens kurz im Gefängnis, dann geht es weiter über Italien, Frankreich und Belgien. Dort lässt man sie passieren.
Kommen sie in Deutschland über die Grenze, werden sie bei Kontrollen am Aachener Bahnhof oder durch die Bundespolizei an einer Autobahnraststätte kontrolliert und in Obhut genommen.
Bis 2011 waren die Zahlen der unbegleiteten Flüchtlinge so gering, dass sie in Aachen nicht einmal erfasst wurden. 2011 fing man an, die Zahlen zu beobachten, 2012 wurden bereits 200 in Obhut genommen. 2013 waren es 519 und bis zum 1. August 2014 wurden in diesem Jahr bereits 670 Jugendliche für eine Erstversorgung gezählt, erläutert Brigitte Drews, Leiterin des Jugendamtes Aachen die Zahlen. Nicht alle sind damit am Ende ihrer Reise angekommen. „Einige sind von der Bundespolizei – meist nach Belgien – zurückgeführt worden, einige sind von selbst abgängig“, so Drews. Aktuell sind jedenfalls 337 in laufender Jugendhilfebegleitung in Aachen.
Vom Aufgriff bis zu einem Platz in einer Einrichtung wie Maria im Tann ist es dann noch ein weiter Weg. Vom Gesetz ist es so geregelt, dass die Gemeinde, die die Jugendlichen aufgreift, sich auch um sie kümmern muss. Kommen sie nachts oder am Wochenende, werden sie zunächst in einer Bereitschaftsfamilie untergebracht, dann übernimmt das Jugendamt.
Problematisch ist aufgrund der großen Anzahl von Neuankömmlingen derzeit die Unterbringung. Alle zur Verfügung stehenden Plätze in Betreuungseinrichtungen sind belegt. 50 bis 60 Jugendliche sind deshalb noch in Hotels oder Jugendherbergen untergebracht, und ständig kommen neue hinzu, mehrere pro Woche in diesem Jahr.
Alle Jugendlichen müssen vom Café Zuflucht beraten werden, wo das sogenannte „Clearing“ stattfindet. Dabei wird eine Altersbestimmung durchführt und die Fluchtgeschichte aufgearbeitet, um einen Asylantrag oder einen Antrag auf Abschiebehindernisse aus humanitären Gründen zu stellen.
Um sich in angemessener Weise um die Belange der Jugendlichen kümmern zu können, hat die Stadt Aachen 2014 reagiert und das Sozialraumteam 8 dafür abgestellt, sich ausschließlich mit dieser Thematik zu befassen. „Die Abteilung Soziale Dienste, hier das Sozialraumteam 8, ist ab Ankunft in Aachen bis zur Volljährigkeit des jungen Menschen allumfassend zuständig“, erläutert Drews. Auf Antrag des Sozialraumteams erhält der junge Mensch über das Familiengericht Aachen einen Vormund. Aktuell kümmert sich ein Vormund um etwa 50 Kinder und Jugendliche. Für das Sozialraumteam gibt es viel zu tun. So fehlen nicht nur Plätze in Betreuungseinrichtungen, sondern auch Schulplätze und eine angemessene Freizeitbeschäftigung, vor allem für die Jugendlichen, die noch auf Plätze in Häusern wie Maria im Tann warten.

Warten im Hotel

Anahid Younessi, Mitglied des Integrationsrates, Sozialarbeiterin bei der Firma low-tec und aktiv in zahlreichen Vereinen, nimmt sich der Jugendlichen an, die in einem der Hotels untergebracht sind. Da sie selber vor vielen Jahren mit ihren Kindern aus dem Iran geflohen ist, kann sie sich gut in die Situation einfühlen. Ihre Muttersprache Farsi hilft ihr außerdem, mit den Jugendlichen aus Afghanistan zu kommunizieren. Ihre Tochter ist als Betreuerin für zehn der Jugendlichen tätig und Anahid Jounessi hilft, wo sie kann. Sie kennt die Geschichten ihrer Schützlinge. Die Familien sind in ihrem Heimatland Afghanistan verfolgt worden, konnten ihre Kinder teilweise nicht zur Schule schicken. Deshalb sind einige der Jungen Analphabeten, deren größter Wunsch es immer gewesen ist, zur Schule gehen zu dürfen. Viele sind zunächst mit ihren Eltern gemeinsam auf der Flucht gewesen, wollten in den Iran. Aber dort haben es die Familien nicht besser angetroffen, konnten nicht arbeiten und die Kinder nicht zur Schule schicken. Mit dem letzten Geld haben Eltern die jugendlichen Söhne Schleppern übergeben, in der Hoffnung, dass wenigstes einer es in den Westen schafft und den Familiennamen weiterträgt. Jüngere Kinder und Mädchen bleiben bei den Familien. Sie würden den Weg auch alleine nicht bewältigen können.

Wer mehr zahlen konnte, der ist weiter gekommen und war schneller in Deutschland, einige haben es nur bis in die Türkei geschafft und sich ab dort alleine durchgeschlagen. Bis zu neun Monaten hat die Odyssee der Schützlinge von Anahid Younessi gedauert. In ihren Heimatländern und auch unterwegs haben die Jugendlichen dabei höchst traumatisierende Erlebnisse gemacht, haben die Ermordung von Familienmitgliedern erlebt und Freunde ertrinken sehen, es gab Angriffe auf ihr Leben, Boote wurden absichtlich zerstört und sie drohten zu ertrinken, sie sind teils missbraucht und misshandelt worden.
Genau deswegen ist es besonders schlimm, wenn die Jugendlichen hier nichts zu tun haben, nicht zur Schule können und sich nur im Hotel aufhalten. „Irgendwann liegen sie dann nur noch im Bett“, so Anahid Younessi. Manche entwickeln aufgrund der Traumata auch autoaggressives Verhalten und fangen an, sich selber zu verletzen, um den inneren Druck zu bewältigen. Anahid Younessi hat deshalb alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Beschäftigung zu organisieren. Gemeinsam mit dem Zentrum für Familien wurde ab dem Sommer ein Fußballtraining organisiert – selbst Sportkleidung sammelte man über Spenden ein, denn die Jungen haben kaum Geld dafür und auch nicht für andere Hobbys. Außerdem hat sich eine Studentin der RWTH gefunden, die gemeinsam mit einer pensionierten Lehrerin den Jugendlichen Unterricht gibt. Highlight der Woche ist ein gemeinsamer Abend für Flüchtlingsfamilien und die Jugendlichen im Zentrum für Familien, an dem sie zusammen sein, Tee trinken, Musik hören und tanzen können. Der Familienanschluss tut den Jugendlichen – die ja selber keine Familie mehr haben – sehr gut.

Treffen Zentrum für Familien

Fachbegriffe gehören schnell zum Vokabular

Anahid Younessi, die sich selber als „Netzwerkerin“ sieht, konnte auch ihren Arbeitgeber, die Firma low-tec, mit ins Boot holen. Die gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft erklärte sich bereit, in den Sommerferien einen Möbelbau-Workshop mit den Jugendlichen umzusetzen. Damit das Ganze auch eine praktischen Nutzen hat, sollten hier Tische, Bänke und Hocker für die Infobox des derzeit im Umbau befindlichen alten Straßenbahndepots in der Talstraße entstehen.
„Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt und zuerst nur kleine Modelle aus Pappe gebaut“, so Designerin Patricia Yasmin Graf, die zusammen mit Werkstattleiter Frank Wiedemann mit den Jungen gearbeitet hat. „Als die Jugendlichen dann aber gemerkt haben, dass wir das wirklich bauen wollten, waren sie sofort Feuer und Flamme.“ In ihrer Heimat Afghanistan haben viele der Jungen bereits handwerklich gearbeitet, um das Leben ihrer Familien mit zu finanzieren. Bei diesem Projekt sind sie begeistert, ihre Fähigkeiten einbringen zu können. „Von einer Null-Bock-Stimmung, die wir in der Altersgruppe oft erleben, war hier überhaupt nichts zu spüren“, so Corinna Bornscheuer-Heschel, low-tec-Leiterin des Standortes Aachen. Auch Werkstattleiter Frank Wiedemann ist sofort begeistert. Die Jungen sind immer pünktlich, ja sogar vor der Zeit da und fegen schon mal die Räume durch oder räumen auf. Fachbegriffe wie „Säge“, „Hammer“ oder „Feile“ gehören schnell zu ihrem Vokabular.

Projekt für unbegleitete minderjänrige FlüchtlingePatricia Yasmin Graf hat Pläne gezeichnet, die den genauen Aufbau der Möbel zeigen, Anahid Younessi hat ein paar Erläuterungen danebengeschrieben und dann lief alles wie von selbst „Die Jungs bauen die Möbel ganz selbstständig. Gerade sind noch zwei neue Jungen dazugekommen, diese werden durch die alten ,Hasen‘ angeleitet – ein tolles Teamwork“, so Patricia Yasmin Graf.
Die Frage, ob sie als junge Frau Probleme mit den Jugendlichen gehabt habe, verneint Graf vehement. „Im Gegenteil! Die Jungs sind sehr höflich und respektvoll. Und wir hatten viel Spaß hier!“ Rund 10 Jungen haben in den Ferien mit Begeisterung an dem Projekt teilgenommen und sechs Tage die Woche in der Werkstatt und im Straßenbahndepot gearbeitet. Derzeit läuft das Projekt immer noch an einem Nachmittag in der Woche. Finanziert wird es zu 80 % aus Mitteln des Verfügungsfonds des Projektes „Soziales Aachen-Nord“. 20 % der Kosten übernimmt die Firma low-tec. Für den Möbelbau entstehen dabei keine Kosten, diese werden ausschließlich aus alten Paletten gebaut, die Frank Wiedemann eigenhändig bei verschiedenen Firmen abholt.

Warten auf einen Schulplatz

Nach den Ferien hat nun endlich auch die Schule begonnen. Alle Schützlinge von Anahid Younessi, konnten – teils nach einem Jahr Wartezeit – endlich den Schulbesuch aufnehmen, da ein paar Aachener Schulen über die Ferien neue internationale Förderklassen eingerichtet haben. Das macht Anahid Younessi besonders glücklich, zählt doch der Schulbesuch zu den großen Träumen der jungen Flüchtlinge und ist unerlässlich für eine gelungene Integration. Für die Jungen in Aachen wünscht sich Younessi, dass alle hier aufgenommen werden, dass sie nicht in Hotels abgeschoben werden, sondern einen strukturierten Tagesablauf und etwas Positives zu tun bekommen.

Die Jugendlichen, die bei Maria im Tann landen, haben großes Glück. In Haus 1 sollen sie drei Monate bleiben, in dieser Zeit wird geklärt, was sie brauchen, ob sie aufgrund der Traumata eine Therapie benötigen und in welche Regelgruppe sie später kommen. In den Regelgruppen leben hauptsächlich deutsche Jugendliche und jeweils zwei Flüchtlinge. Maria im Tann kann den Kindern einiges mehr bieten, als ihnen in einem Hotel zur Verfügung steht. Es gibt Fußballtraining und einen Fitnessraum, Kicker und Billard, außerdem Schwimmunterricht, denn die meisten Flüchtlinge sind Nichtschwimmer. Die Betreuer versuchen, auch ungewöhnliche Träume aus Spendenmitteln zu finanzieren – so würde ein Jugendlicher gerne Klavier spielen lernen. Tim Pohlmann ist froh, dass alle Jugendlichen in der Reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck einen Platz bekommen haben. „Diese Schule ist das Beste, was den Jungs passieren kann“, lobt Pohlmann deren hervorragende Arbeit. Dummerweise soll sie 2016 geschlossen werden. „Das käme einer Katastrophe gleich“, so Pohlmann – unterhält die Sekundarschule doch inzwischen 5 der 25 Spachförderklassen in Aachen. Leider wurde 2011/2012 – also zu einem Zeitpunkt, als von den Flüchtlingen noch keine Rede war – der Beschluss gefasst, die Schule auslaufend zu schließen. Derzeit wird zwar geprüft, ob das noch zu ändern ist. „Fachbereich 45 geht jedoch nicht davon aus, dass der Schließungsbeschluss rückgängig gemacht wird“, so Drews vom Jugendamt. Bei Maria im Tann werden die Kinder auch außerhalb der Schule weitergefördert. Ein Lehrer der VHS gibt beispielsweise vor Ort im Preuswald Alphabetisierungskurse. Ziel ist, schließlich eine Regelklasse zu besuchen und einen Schulabschluss zu machen. Und immer wieder sind auch richtige Erfolgsgeschichten dabei, zum Beispiel, wenn ein Flüchtling auf dem Gymnasium sein Abitur besteht, oder nach der Schule einen Ausbildungsplatz findet.

Chancen nutzen

Und was passiert, wenn die Jugendlichen 18 werden? „Der normale Weg wäre: Sie kommen in ein Übergangswohnheim“, so Pohlmann. Aber diese sind ebenfalls voll und auch sicherlich nicht der optimale Ort für die jungen Erwachsenen, weshalb man versuche, dies zu verhindern. „Besser ist es, wenn sie bereits gut betreut wurden und in einer Verselbstständigungsgruppe waren.“ Maria im Tann sucht mit den Jugendlichen dann eine Wohnung oder WG, wo die jungen Erwachsenen noch ambulant betreuut werden. Und da setzen auch schon Pohlmanns Wünsche an: „Wir suchen dringend Wohnungen. Aber Sie können sich vorstellen, wie schwer das ist, wenn schon Studenten in Aachen kaum eine Wohnung finden.“
Lobende Worte findet Tim Pohlmann für das Sozialraumteam 8 und hofft, dass die Zusammenarbeit weiterhin so gut bleibt und dass immer schnell genügend Schulplätze gefunden werden und die Schule am Kronenberg nicht schließen muss. Außerdem wünscht er seinen Schützlingen, dass sie die Möglichkeit bekommen, eine Ausbildung zu machen und arbeiten können. Sinnvoll findet Pohlmann auch das Projekt „Aachener Hände“, das der SKM (Katholischer Verein für soziale Dienste in  Aachen e. V.) jetzt ins Leben gerufen hat. In dem deutschlandweit einzigartigen Modellprojekt sollen ehrenamtliche Paten den jungen Erwachsenen zur Seite gestellt werden. Dadurch soll eine Retraumatisierung verhindert werden, die dadurch entsteht, wenn die jungen Menschen nach der Betreuung durch das Jugendamt plötzlich ganz alleine dastehen. Im Idealfall sollen die Paten Ansprechpartner sein und einen regelmäßigen Kontakt pflegen, den Alltag ein bisschen begleiten und vielleicht gemeinsame Freizeitaktivitäten anbieten. „Sie müssen sich nicht mit Asylthemen auskennen“, so Projektleiterin Anna Klein beim ersten, gut besuchten Infotermin in Aachen. Gewünscht ist jedoch die Bereitschaft, sich mit anderen Paten auszutauschen und an gemeinsamen Aktivitäten und Fortbildungen teilzunehmen. Wer sich als Pate anbieten möchte, muss 21 Jahre alt sein, über Deutschkenntnisse verfügen und ein polizeiliches Führungszeungis vorlegen.
Das Projektteam überlegt dann, welcher Jugendliche zu welchen Paten passen könnte und organisiert die Zusammenführung. Bei den Treffen sind die Paten versichert, es gibt einen Ehrenamtspass und eine Fahrtkostenerstattung. Paten aus Holland und Belgien können leider nicht am Projekt teilnehmen. Die jungen Menschen dürfen auch nicht in den Urlaub mitgenommen werden, denn sie dürfen Aachen nicht verlassen.

Auch wer keine Patenschaft übernehmen möchte, aber andere Ideen hat, sich einzubringen, ist gerne willkommen. So gibt es Lehrer, die sich ehrenamtlich für Nachhilfe anbieten, oder Mütter, die Jugendliche mit dem Auto mit zum Sportplatz nehmen, weil sie sowieso dort entlangfahren, oder Sportler, die anbieten, Jugendliche zum Waldlauf in den Aachener Wald mitzunehmen, sowie Vereine, die Jugendlichen die Teilnahme ermöglichen.

„Und die Jungs nutzen wirklich jede Chance – wenn sie ihnen denn geboten wird“, so Pohlmann. Youssef, dessen Odyssee in Aachen endete, hat inzwischen einen Ausbildungsplatz gefunden.

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Zahlen

Flüchtlinge weltweit
51,2 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, 16,7 Millionen gelten nach völkerrechtlicher Definition als Flüchtlinge.
33,3 Millionen Menschen fliehen innerhalb ihres eigenen Landes.

50 % der Flüchtlinge sind Kinder. (Quelle: Pro Asyl)

Die Asylanträge haben 2013 ein Rekordhoch nach 2001 erreicht:
612.700 Menschen stellten einen Asylantrag.
109.600 in Deutschland, 60.100 in Frankreich und 54.300 in Schweden.
USA verzeichneten 88.400 Asylanträge.
Die Türkei ist in Europa das Land, das die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat: 640.889 Menschen aus Syrien sind hier, zudem sind 44.800 Asylanträge dazugekommen.
(Quelle: UNHCR-Bericht „Asylum Trends 2013“)

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland
2009: 2.988 (davon in NRW: 579)
2013: 5.548 (davon in NRW: 1083)
(Quelle: Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge)

89 % sind männlich.

Hier kommen die meisten an: Frankfurt, Berlin, Hamburg, München.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Aachen
Seit 2011 werden die Zahlen beobachtet.
2012: Rund 200 in Obhut genommen
2013: 519 in Obhut
2014: 670 in Obhut genommen / Erstversorgung

337 sind aktuell in laufender Jugendhilfebetreuung. „Die Zahlen sind nicht statisch zu sehen, sondern sind täglich in guter Bewegung.“ (Drews/Jugendamt Aachen)
50-60 sind derzeit im Hotel untergebracht.

Die jüngsten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Aachen sind derzeit 13/14 Jahre alt.

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Patenprojekt „Aachener Hände“

Wer sich vorstellen kann, eine ehrenamtliche Patenschaft für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling zu übernehmen, oder sich sonstwie einbringen möchte, wendet sich an:
Aachener Hände – Patenprojekt
SKM – Kath. Verein für soziale Dienste in Aachen e. V., Heinrichsallee 56, 52062 Aachen
0241 41355-531 | aachener.haende@skm-aachen.de
www.aachener-haende.de
Sprechstunde: Dienstags von 15:00 bis 17:00 Uhr

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Filmprojekt: Wie geht Deutschland?

Müll trennen, die deutsche Pünktlichkeit und getrennte Schwimmbereiche im Hallenbad – in Deutschland gibt es einiges zu lernen. Die jungen Flüchtlinge Kemoko, Mamin, Nardos, Oumar, Tanzid, Wahid und Youssef haben zusammen mit den Filmemachern Miriam Pucitta und Michael Chauvistré ein Drehbuch geschrieben, das ihr erstes Jahr in Deutschland in mehreren humorigen Kurzclips beleuchtet.

Eine tolle Arbeit und absolut sehenswert – zum Beispiel mit der Schulklasse!
Die DVD kann gegen eine Spende bei Maria im Tann bezogen werden. Damit soll ein weiteres Filmprojekt ermöglicht werden.
Kontakt: www.mariaimtann.de

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