Shaun das Schaf – Der Film Määähking-of

in Aktuelles um die Ecke, Filmarchiv, Im Kino

Nur Shaun das Schaf ist Shaun das Schaf und es macht Dinge, die es eigentlich nicht darf …

Fast jeder, der Kinder hat oder auch nur gelegentlich durch die Kinderkanäle schaltet, kann dieses Lied mit anstimmen. Seit 2007 laufen die kurzen Episoden über das eigenwillige Schaf und seine Herde bereits im Fernsehen – übrigens nur minimal später als im englischen, was unter anderem daran liegt, dass außer dem Titellied nichts übersetzt werden muss, da Shaun und seine Freunde ja nicht sprechen. Zum Erscheinen des Kinofilms im März 2015 haben die Aardman-Studios, die neben „Shaun“ unter anderem auch für „Wallace & Gromit“ oder „Chicken Run“ verantwortlich sind, in die Studios nach Bristol eingeladen, um uns einen exklusiven Blick in die ersten Filmszenen und hinter die Kulissen zu geben. Dabei haben wir uns mit den Shaun-Machern Mark Burton und Richard Goleszowski sowie dem Studiogründer Peter Lord unterhalten.

Auf den ersten Blick wirkt die Filmkulisse wie eine einfache Farm mit einem schrulligen Bauern und ein paar einfallsreichen Schafen. So nach und nach merkt man dann, was tatsächlich hinter der Konstellation des Einmannbetriebes steckt. „Erst haben wir überlegt, ob es wie in einer Fabrik sein soll,“ erklärt Mark, „Der Bauer als der Boss, Bitzer, der Hund, als Vorarbeiter und so weiter. Aber dann haben wir fest gestellt, dass es im Grunde um eine Familiengeschichte geht. Der Bauer ist der Vater, Shaun der ca. 12-jährige pubertierende, aufmüpfige Sohn und Bitzer, der Hund, der „gute Sohn“, der es seinem Vater immer recht machen will.
In den Rückblenden sehen wir im Kinofilm deshalb deutlich das junge Familienglück, die Herde in ihren Kindertagen und den Bauern mit vollem Haar. Mittlerweile aber hat der graue Alltag von allen Besitz ergriffen und die Familie muss wieder aufs Neue lernen, sich gegenseitig zu schätzen und erneut zusammenzuwachsen.
Als Shaun nur für einen Tag seine Ruhe haben will und den Bauern deshalb versehentlich in die große Stadt befördert, bekommt sie genau diese Chance. Die Herde merkt nämlich schnell, wie sehr sie den Bauern eigentlich braucht und machen sich auf, ihn zu suchen.
Der Name „Shaun“ stammt übrigens von seinem ersten Auftritt in „Wallace & Gromit – Unter Schafen“, wo Shaun versehentlich geschoren wird, auf Englisch heißt geschoren nämlich „shorn“.
Für den Film kommen zu den bekannten Charakteren des Hofes natürlich noch einige neue hinzu. Von Disney ist bekannt, dass das Team sich in der Entwicklung der Figuren häufig von anderen Teammitgliedern inspirieren lässt. Ob das bei Aardman auch so ist? „Naja“, druckst Mark, „sagen wir so: Mein Sainsbury’s-Verkäufer wird sich noch ziemlich wundern, wenn er ins Kino gehen sollte …“

Für Shaun-Kenner stellt sich jetzt die Frage: Wird wirklich der gesamte Kinofilm, wie die Serie, ohne Sprache sein? Ja. Weder Shaun noch seine Freunde Shirley, Bitzer und Timmy lernen für die große Leinwand plötzlich sprechen, es wäre ja auch seltsam – zumindest für die Shaun-Kenner –, wenn die Charaktere plötzlich Stimmen hätten.
Und es funktioniert, denn wie auch schon in der Serie, ist die Ausdruckskraft der Gesichter und Gesten der kleinen Knettiere so stark, dass es keiner  Worte bedarf. Obwohl der Regisseur zugibt: „Manchmal war es wirklich schwer, dann habe ich mir gewünscht: Einen Satz! Nur einen einzigen! Aber wir haben uns an unser Konzept gehalten, und das war gut.“

Zur Vorbereitung hat das ganze Team stundenlang Stummfilme im hauseigenen Kino geschaut. Und zwar in demselben Kino, in dem sie sich in der Produktionszeit jeden Freitag treffen und die Ergebnisse der letzten Woche gemeinsam betrachten und diskutieren.
Denn die 16 Animationsfilmer arbeiten teilweise zeitgleich in 20 kleinen Studios, die mit eigenen Kulissen parallel aufgebaut werden können. Nur so ist die relativ geringe Produktionszeit von einigen Monaten zu bewerkstelligen.

Für eine Sekunde Film benötigt man mindestens 24 FPS (frames per second), erst ab dieser Anzahl Bildern pro Sekunde nimmt das Gehirn eine Bewegung als fließend wahr. Das sind mindestens 1440 Bilder für eine Minute Film! Die Aufnahme eines Bildes kann dabei auch mal bis zu 15 Minuten dauern, denn jede Figur im Bild muss um eine Winzigkeit bewegt werden.
Damit das präzise möglich ist, bestehen moderne Plastilin-Figuren außer aus Knete aus einem durchkonstruierten Metallgestell im Inneren. Die Gesichter kann man auch bewegen, aber für ganz andere Gesichtsausdrücke werden „einfach“ die Köpfe gewechselt. In einer Extraabteilung werden diese nach jedem Dreh mit viel Sorgfalt, Zahnarztequipment und Babyöltüchern (gegen die Fingerabdrücke) wieder in ihren Ursprungszustand versetzt.

Wer sich schon immer mal gefragt hat, ob wirklich zu hundert Prozent alles aus Knete ist und beispielsweise das Schaffell oder kleine Holzmöbel in ihrer Struktur nur genial nachempfunden sind: Nein, es werden auch andere Materialien, zum Beispiel Stoffe, benutzt. Aber: Nichts, auch nicht der kleinste Gegenstand entstammt einer Manufaktur, sondern jedes einzelne Stück ist tatsächlich aufwendig und liebevoll in den Studios per Hand gefertigt.

Viele Kulissen kommen auch mehrfach zum Einsatz. Wer im „Shaun das Schaf“-Film zum Beispiel einmal auf die Häuser der kleinen Stadt achtet, wird bestimmt einige Läden aus „Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ wiedererkennen. Diese standen zum Glück noch im Studio und blieben so verschont, als 2005, genau zum Premierenwochenende des Films, das Archiv und damit sämtliche Kulissen, Figuren und somit 30 Jahre Animationsgeschichte bei einem Brand vernichtet wurden. „Natürlich war das schrecklich“, sagt Peter dazu, „aber am selben Tag gab es in Pakistan ein Erdbeben mit vielen Toten. DAS ist wirklich schrecklich.“
Manch ein anderer hätte nach diesem Schlag vielleicht aufgegeben. Für Peter Lord und sein Team undenkbar. Sie alle leben hier ihren Traum, und Träume gibt man nicht auf. Schon kurze Zeit später folgen die Animationsfilme „Flutsch und weg“ und „Piraten“, außerdem fünf neue Serien und unzählige neue Kurz- und Werbefilme.
Uns so machen sie unbeirrt weiter, die großen Jungs, die mit ihrem hochmotivierten Team und Leidenschaft ihrem größten Hobby nachgehen, ohne dass es zur Routine zu werden scheint. „Jeder Tag ist außergewöhnlich, und jeden Tag dürfen wir hier Außergewöhnliches tun“, schwärmt Peter.
Ob das ihr Erfolgsrezept ist? „In erster Linie bringen wir uns gerne gegenseitig zum Lachen, und das scheint auch für andere zu funktionieren.“

Drei Oscars und fünf Nominierungen geben ihnen recht.
Und wer weiß? Vielleicht ziert Shauns Weide bald ein eigener Oscar. Mal gucken, was die Schafe damit alles anstellen …

… Drum mögen wir, das komische Tier! Baaaa dam dam da dam dam dam dam daaaa …

Corinna Gerhards | Foto: © Studiocanal 2014

Bleibe immer auf dem Laufenden

Ich will nichts verpassen und möchte wöchentlich den kostenlosen KingKalli-Newsletter erhalten und über aktuelle Themen und Termine auf dem Laufenden gehalten werden.

Ich bin damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar