Premiere: Der kleine Ritter Trenk

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Man kann alles sein, was man möchte – man braucht nur eine Prise ritterlichen Mut!

Aber Ritter tragen doch keine Gummistiefel!“ raunt eine Kinderstimme während Trenk seine Ritterrüstung inklusive Gummistiefel anlegt; „Doch, manche schon!“ antwortet sein Sitznachbar fest überzeugt. Denn Trenk Tausendschlag ist eben ein ganz besonderer Ritter. In Begleitung seines Haustiers Ferkelchen und seiner Freundin Thekla stellt er die Regeln der mittelalterlichen Gesellschaft auf die Probe. Am Freitag, den 25.11., feierte das Stück im Theater Aachen mit Besuch vieler Schulklassen seine Premiere.

Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang, so heißt es für Bauernsohn Trenk und seine Familie, die unter der Herrschaft ihres Grundherren, des Ritters Wertolt, dem Wüterich, sehr zu leiden haben. Trenk findet das furchtbar ungerecht und beschließt, nachdem sein Vater erneut auf der Burg Schläge erhalten soll, mit Ferkelchen an seiner Seite sein Glück in der Stadt zu versuchen. So einfach wie gedacht, gelingt dies zunächst nicht, aber zum Glück begegnen ihm auf dem Weg Freunde, die ihm weiterhelfen. So zum Beispiel der Gaukler Momme-Mumm, welcher das Publikum mit eindrucksvollen Kunststücken unterhält. Zufällig begegnet Trenk auch dem Ritter Dietz von Durgelstein, dessen Sohn Zink eine Ritterausbildung bei Schwager Hans von Hohenlob beginnen soll. Da dieser dafür jedoch einfach viel zu ängstlich ist, tauschen er und Trenk kurzum die Rollen und Trenk kann sich den Traum des Ritter-Daseins tatsächlich erfüllen. Herausforderungen und Abenteuer lassen nicht lange auf sich warten. Zum Glück ist er aber nicht alleine! Thekla, die Tochter von Ritter Hans, hält nichts von Harfe spielen oder stricken, sondern feilt lieber ihre Fähigkeiten an der Erbsenschleuder aus. Am Ende müssen die beiden sogar gegen einen echten Drachen kämpfen!

Das fast 90 Minuten lange Stück nach dem Buch von Kirsten Boie ist liebevoll und äußert unterhaltsam inszeniert. Acht Schauspieler übernehmen die 36 verschiedenen Rollen – ein rasanter Wechsel also, bei dem der Zuschauer stets Schritt halten muss. So sieht man eine eben noch arme Marktfrau, wenige Minuten später als Ritter einer ansehnlichen Burg! Das Bühnenbild ist relativ spärlich, dennoch ausreichend und fordert die Fantasie heraus. Herzstück der Bühnenausstattung ist ein großer Holzwagen, der sich bei jedem Bühnenbild unter ständigen Umbau befindet und alle Requisiten des Stücks hergibt. Am Ende mutiert er sogar zum hölzernen Drachen. Der Wagen befindet sich auf einer Drehscheibe, welche hilft vom Wechsel und vom Umbau zwischen den verschiedenen Szenen abzulenken. Zwischendurch springen die Darsteller abwechselnd in die Rolle des Erzählers. Der rote Faden verliert sich teilweise bei den etwas hektischen erzählerischen Einschüben, auch wenn man der Handlung trotzdem folgen kann. In einem Stück über Ritter, darf natürlich ein ritterliches Duell nicht fehlen, aber auch die Zaubertricks und Kunststücke samt Schwertschlucken der Gauklergruppe überraschen.

Das Verständnis für den rapiden Wechsel der Rollen schien bei den Kindern größtenteils zu funktionieren. So stellte ein Mädchen analytisch fest, als das Ferkelchen, nach einem Rotieren der Drehscheibe und dem damit einhergehenden Szenenwechsel, zur Fürstin wurde, dass es sich um dieselbe Person handeln müsse; das würde sie an den Schuhen erkennen.

Dennoch ist das Stück eher ab sieben Jahren (das Theater empfiehlt das Stück ab fünf Jahren) geeignet, da der Inhalt schnell voranschreitet, die wechselnden Rollen für jüngere Kinder etwas verwirrend sein und die Gaukler-Tricks auch etwas verschreckend sein können. Die Reaktionen auf die Kunststücke reichten von sich hinter dem Sitz verstecken und nicht hingucken können bis hin zu Ausrufen wie Ach, ich weiß, wie das funktioniert!“, ein Kind fängt an zu weinen, als am Anfang der Vater verprügelt werden soll. Auch die Länge des Stücks ist mit fast 90 Minuten für ein fünfjähriges Kind vielleicht etwas lang. Man merkt bei der Premiere, dass mit der Zeit manche Kinder unruhig werden und die Konzentration ein Wenig nachlässt, auch wenn es am Ende natürlich trotzdem tosenden Applaus gibt und alle Kinder im Chor „Zugabe!“ rufen.

Am besten lässt man sich selbst in die bunte, mittelalterliche Welt Trenks entführen, in der es ganz viel um den Mut geht, auch mal die Regeln zu brechen, um Freundschaft und Abenteuer und am Ende sogar um die Freiheit aller Leibeigenen.

Aufgeführt wird das Stück noch bis zum 17.02.2017.

Mit: Jonathan Schimmer, Luana Bellinghausen, Nadine Kiesewalter, Elke Borkenstein, Thomas Hamm, Marco Wohlwend, Torsten Borm, Bernd Keul
Inszenierung: Hanna M
üller
Bühne: Birgit Klötzer
Kostüme: Dennis Ennen
Dramaturgie: Gesa Lolling
Foto: Marie-Luise Manthei

Infos: http://theateraachen.de/

KingKalli-Kritik: Katrin Lückhoff

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