Muttertag – Ein umstrittener Gedenktag

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Wenn ein Feiertag als Erfindung der Blumenhändler verschrien sein sollte, dann nicht der Valentinstag, sondern der Muttertag. So war es der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber, der den ursprünglich amerikanischen Gedenktag 1923 mit Hilfe von Plakaten und Werbeaktionen in Deutschland bekannt machte.

Zwar findet der Muttertag meistens am zweiten Sonntag im Mai statt, das Datum ist aber auch heute nicht gesetzlich verankert und wird von den Einzelhandels- und Floristenverbänden in Absprache mit der Kalenderindustrie festgelegt.

Einzig während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Muttertag als gesetzlicher Feiertag zelebriert – und für Propagandazwecke missbraucht. Vor allem Mütter mit vielen Kindern wurden als Garantinnen für das Überleben der „arischen Rasse“ verehrt, Frauen auf ihre Rolle als Gebärerinnen reduziert.

Die Instrumentalisierung des Ehrentages für politische Zwecke dürfte Anna Marie Jarvis, der „Mutter des Muttertages“, ebenso viel Unmut beschert haben wie die Beschlagnahme des Ereignisses durch den Handel. 1914 hatte Jarvis, wie ihre Mutter eine von humanistischen Überzeugungen motivierte Mütterrechtlerin, es geschafft, den Muttertag in den USA als Feiertag anerkennen zu lassen. Sie wollte das persönliche Band zwischen Müttern und Kindern stärken und hoffte darauf, auch Erwachsene würden sich auf die Bedeutung ihrer Mütter für ihr Leben besinnen, Zeit mit ihnen verbringen und auf individuelle Weise ihre Wertschätzung für die Leistung ihrer Mütter zum Ausdruck bringen.

Allerdings entwickelte sich auch in den USA der Muttertag schnell zu einem kommerziellen Ereignis, von dem hauptsächlich die Blumen-, Süßwaren- und Grußkartenindustrie profitierte. Jarvis war entsetzt, empfand sie doch das Versenden standardisierter Grußkarten und unpersönlicher Geschenke als Pervertierung dessen, was sie mit dem Muttertag bezweckt hatte. Schon wenige Jahre nach der Anerkennung des Feiertages versuchte sie deshalb, dessen Absetzung zu erzwingen: erfolglos.

Ironie des Schicksals: Jarvis verwandte den Rest ihres Lebens und ihres Vermögens darauf, den von ihr selbst initiierten Feiertag zu bekämpfen. Sie starb 1948 verarmt und kinderlos in einer Heil- und Pflegeanstalt, deren Kosten ohne Jarvis’ Wissen von dankbaren Blumenhändlern übernommen wurden.

Foto: designritter / photocase.com

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2 responses to “Muttertag – Ein umstrittener Gedenktag

  1. Der Muttertag macht meistens nur den kleinen Kindern Freude, die im Kindergarten für ihre Mamis etwas gebastelt haben. Ich bin das ganze Jahr Mutter und kann gerne auf diesen „Ehrentag“ verzichten. Lieber mal eine Aufmerksamkeit oder Hilfe im Haushalt aus freien Stücken irgendwann im Jahr, als gezwungender Maßen, weil es im Kalender steht.