Post von Jil: Kiswahili – eine fremde Sprache lernen

in Aktuelles um die Ecke, Auslandsjahr, yang52 (14+), Zukunftsstarter

Seit einem halben Jahr lebe ich jetzt in Tansania und mache hier meinen Freiwilligendienst. Neben dem Erleben der Kultur und dem Kennenlernen der Menschen, versuche ich auch, die Sprache Kiswahili zu lernen, die neben den vielen Stammessprachen in Tansania gesprochen wird.

Kiswahili gilt in Tansania, Kenia und Uganda als offizielle Amtssprache. Und während in Kenia ein Slang vermischt mit vielem aus dem Englischen entstanden ist, wird in Uganda Kiswahili hauptsächlich beim Militär gesprochen und schreckt somit die meisten Leute eher ab (so zumindest mein Empfinden, als ich nach Uganda reiste). In Tansania spricht man jedoch noch ein sehr reines Kiswahili, was kaum mit den Stammessprachen oder Englisch gemixt wird.

Einfache Aussprache

Die meisten Wörter in Kiswahili haben entweder Bandu-Herkunft oder stammen aus dem Arabischen. Bei „moderneren“ Wörtern, die wahrscheinlich erst in den letzten 100 Jahren dazugekommen sind, gerade im technologischen Fachbereich, wird meist der englische Begriff benutzt, da es keinen im Kiswahili gibt. Andere Wörter, die auch erst nach Einführung der englischen Sprache dazugekommen sind, zeichnen sich dadurch aus, dass an den englischen Begriff ein „i“ angehängt wird und dieser teils auch so geschrieben wird, wie man ihn spricht; Beispiele hierfür sind „gari“ (car = Auto), „geti“ (gate = Tor) und blanketi (blanket = Decke). Die Aussprache ist relativ leicht, denn alles wird so ausgesprochen, wie man es schreibt. Immer mal wieder wird einem gesagt, dass man eine tolle Aussprache hat, was einfach daran liegt, dass sie dem Deutschen eigentlich gleich ist. Das Sprachsystem ist jedoch im Grunde ein ganz anderes, als wir es aus den romanischen und germanischen Sprachen kennen. Dies heißt aber nicht, dass Kiswahili eine schwierige Sprache ist, im Gegenteil: Viele Dinge sind vermeintlich einfach zu erlernen.

Kurse nur in Köln

Ich habe bereits vor dem Beginn meines Freiwilligendienstes angefangen, wenigstens schon mal einen Einblick in die Sprache zu erlangen. In näherer Umgebung Aachens ist es jedoch schwierig, Kiswahili-Kurse zu finden. Es eignet sich da nur die Universität zu Köln, die im Rahmen des Studiengangs Afrikanistik Sprachkurse anbietet. Ich habe mich daher dazu entschieden, einfach ein Lehrbuch zu kaufen. Da ich aber erst einmal in Kenia kurz mit der Sprache in Kontakt gekommen war und auch bis zu meinem Abflug keine Gelegenheit hatte, die Sprache zu sprechen, stellte sich das Lernen vorher eher als schwierig dar, da man einfach keinen Anhaltspunkt zum Kiswahili hatte.

Schnell zum ersten Smaltalk

Jedoch war dies nicht weiter schlimm, denn in den ersten beiden Wochen in Tansania bekamen wir von einem Einheimischen die wichtigsten Grundregeln und Vokabeln beigebracht und konnten so schnell den kleinen Smalltalk mit den Menschen beginnen. Von Woche zu Woche beherrschte ich mehr Wörter, und gerade durch das Reden mit den Leuten nimmt man viele Redewendungen und Ausdrücke auf, die sich immer weiter festigen. Trotzdem lernte ich gerade am Anfang noch die Grammatik und auch einige Vokabeln mit Hilfe des Buches. Mittlerweile ist mein Smalltalk sehr sicher, und obwohl Gespräche darüber hinaus noch schwierig sind, merkt man, wie auch da sich langsam Redewendungen und Sicherheit einstellen. Jedoch ist es nicht leicht, tiefer in die Materie einzusteigen, denn viele sprechen entweder direkt Englisch mit einem oder wechseln zumindest nach kurzer Konversation ins Englische; ob aus dem Grund, dass sie wissen, dass unser Kiswahili einfach nicht gut genug ist, um weitere Gesprächsthemen in dieser Sprache fortzuführen, oder aus dem Grund, dass sie ihr eigenes Englisch testen oder verbessern wollen.

Zeigen der Sprachkünste kommt gut an

In den größeren Städten wie Moshi und Arusha wird man meist als Tourist wahrgenommen und es wird davon ausgegangen, dass man außer „asante“ (danke) und „jambo“ (ähnlich wie hallo) eher keine Kiswahili-Kenntnisse mitbringt. Fängt man dann aber an, seine „Sprachkünste“ zu zeigen, sind eigentlich immer alle begeistert und fragen dann erst mal nach Arbeits- und Wohnort, sodass ein nettes Gespräch zustande kommt. Dass man nach ein paar Worten Kiswahili eigentlich nicht mehr als Tourist wahrgenommen wird, sondern als Freiwillige/r, führt zu einigen Vorteilen besonders in Bezug aufs Einkaufen. Hier bekommt man anfangs zwar immer noch die sogenannten mzungu-Preise (Preise für Weiße) aufgedrückt, aber es lässt sich mit Kiswahili einfach schneller und besser handeln.

Englisch in der Einsatzstelle

Gerade nach der Halbzeit meines Auslandsjahres ist der Zeitpunkt angelangt, an dem man deutlich schneller und intensiver neue Dinge lernt und besser aufnehmen kann, da man bereits ein Gefühl für die Sprache bekommen hat. Trotzdem ist es immer noch was anderes, als wenn man beispielsweise nach Lateinamerika geht und dort Spanisch lernt. Es wird am Ende des Jahres wahrscheinlich immer noch nicht so sein, dass ich die Sprache in ihren vollen Zügen kenne, geschweige denn fließend sprechen könnte. Denn in meiner Einsatzstelle (ich arbeite an einer Primary School) ist die Unterrichts- und Kommunikationssprache Englisch, und im Konvent, wo ich während der Arbeitszeiten lebe, wird auch hauptsächlich Englisch gesprochen. So kommt es, dass man doch weniger mit der Sprache im Allgemeinen in Kontakt kommt als normalerweise, wenn man für ein Jahr in einem fremden Land lebt. Umso wichtiger ist es dann, an freien Tagen mit den Leuten in Geschäften oder auf der Straße zu reden. Das Erlernen der Sprache macht trotzdem Spaß und mit jeder Woche lernt man zumindest ein paar neue Dinge.

Ich hoffe, ihr konntet einen Einblick ins Kiswahili bekommen und wie meine Sprachfortschritte nach einem halben Jahr stehen. Vielen Dank an alle, die meine Berichte lesen, und an alle die meinen Freiwilligendienst unterstützen!

Viele Grüße aus dem sonnigen Tansania
Eure Jil

Bleibe immer auf dem Laufenden

Ich will nichts verpassen und möchte wöchentlich den kostenlosen KingKalli-Newsletter erhalten und über aktuelle Themen und Termine auf dem Laufenden gehalten werden.

Ich bin damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar