Flanieren auf Französisch – Vater-Kind-Trip nach Paris

in Aktuelles um die Ecke, Ausflug, Urlaub & Kurztripp

Weder ich noch die beiden Mädels waren jemals in Paris, und das, obwohl wir so nahe dran wohnen. So konnte es nicht weitergehen. Also machten wir uns am Ende der Herbstferien auf, um uns die Stadt mal anzusehen: meine Tochter, ihre Grundschulfreundin (beide zwölf) und ich. Ein Wochenende Paris für Anfänger ohne Französischkenntnisse und mein erster Papa-Urlaub mit zwei Mädchen – ein bisschen mulmig war mir schon zumute!

Unsere Bedingungen: Es sollte günstig sein und trotzdem nicht langweilig. Und vor allem: gechillt. Also bekamen die Mädchen den Reiseführer in die Hand und sollten sich überlegen, was wir unternehmen würden. Ich buchte dafür eine Unterkunft über Airbnb und Tickets für den Thalys. In aller Herrgottsfrühe stiegen wir in den Zug und diskutierten bei (leider deutschen) Croissants das Reiseprogramm: Den Eiffelturm wollten sie sehen, die Seine, Montmartre mit den „Nuckelflaschen“ (Sacré-Cœur) und die Coulée verte René-Dumont, einen begrünten Boulevard, der auf einer ehemaligen Eisenbahnbrücke quer durch die Pariser City führt.

Nach zweieinhalb Stunden entspannter Fahrt kamen wir am Gare du Nord an und konnten noch nicht direkt unsere Bude beziehen, da Marion, die Studentin, bei der wir unterkamen, noch bei der Arbeit war.

Also schlossen wir das Gepäck ein und fingen mit dem Pariser Norden an. Auf dem Spaziergang zum Montmartre (ca. 30 Min.) gab es schon viel zu sehen: beeindruckende historische Gebäude, Metrostationen im Jugendstil und jede Menge Bonbon-Geschäfte, die allerlei Leckereien verkauften, wie z. B. eine Nachbildung von Notre-Dame aus 58 Kilogramm Schokolade.

Wir schlenderten durch den Park, fotografierten ausgiebig die Basilika und genossen den Ausblick von Sacré-Cœur über die Stadt, bis wir zu unserer Unterkunft mussten. Zu unserem Glück verstand Marion gut Englisch und war auch ansonsten recht unkompliziert. Während sie woanders übernachtete, überließ sie uns für das Wochenende ihre Wohnung samt Katze und war auch schon wieder verschwunden, so dass wir uns nach dem Supermarkteinkauf in der Küche ausbreiten konnten und uns den Rest des Abends mit Kartoffelchips und Wer-bin-ich?-Spielen die Zeit vertrieben. Am Tag zwei stand der Eiffelturm auf dem Programm. Da wir zu spät dran gewesen waren, um Online-Tickets für den Aufzug zu kaufen – und die Schlange dafür unglaublich lang war –, entschieden wir uns für die kürzere Wartezeit und den Aufstieg zu Fuß: 328 Stufen bis zur ersten Etage waren gut zu schaffen, der Blick durch die im Boden eingelassenen Glasfenster allerdings (für die älteren Semester) ziemlich gewöhnungsbedürftig!

Erstaunt hat uns die Infrastruktur auf dem Turm: Restaurant, Souvenirshops und Eisdielen (die Kugel für 3,50 Euro) findet man tatsächlich auf den Plattformen. Weiter oben, nach 668 Stufen, auf der zweiten Etage ein atemberaubender Blick über die Stadt – in einer Höhe mit der Skyline: Marsfeld, Invalidendom – fast alles, was im Reiseführer steht, kann man von hier aus sehen. Ganz aktuell gab es auch die goldenen Zwiebeltürme des im Oktober neu eröffneten russisch-orthodoxen Zentrums zu bestaunen.

Nach dem Abstieg ging es weiter mit der Metro in Richtung Bastille, von wo aus wir am Kanal (Bassin de l’Arsenal) entlang zur Coulée verte René-Dumont spazierten. Diese ehemalige Eisenbahnbrücke wurde Anfang der 1990er Jahre als Fußgängerpromenade umgestaltet und führt jetzt als grüne Ader 4,7 Kilometer über die Pariser Innenstadt – ideal für Fußgänger und Jogger – oder für Touristen wie uns: Die Coulée verläuft etwa auf Ebene der dritten und vierten Etagen der Stadtpaläste, so dass man einerseits einen weiten Blick über die Stadt, aber auch direkt auf die schicken Balkons des 12. Arrondissements hat und den Parisern ein bisschen beim Wohnen zuschauen kann.

Nach so viel Bewegung an der frischen Luft waren wir nun ganz zufrieden, uns von der Metro nach Hause fahren zu lassen und uns dort die Bäuche mit Spaghetti zu füllen. Denn das Essen unterwegs gestaltete sich ohne Französisch gar nicht so einfach. Zwar konnte man sich an Imbissbuden leidlich mit Englisch oder mit Händen und Füßen verständigen, aber die Auswahl war dadurch natürlich ziemlich eingeschränkt. Etwas Kompliziertes konnten wir nicht bestellen, und die Mädchen hatten auch nicht so viel Gelegenheit, ihr Englisch anzuwenden.

Insgesamt sind wir uns sehr einig, dass unser Plan gut aufgegangen ist: Ganz Paris ist ein Freilichtmuseum. Wenn man das erste Mal hinfährt (und das Wetter mitspielt), ist es überhaupt nicht nötig, viel Eintritt zu bezahlen und von Sehenswürdigkeit zu Attraktion zu hetzen. Man kann auch einfach nur ein bisschen flanieren, um ein schönes Wochenende zu erleben und viel zu sehen, was es zu Hause so nicht gibt: ehrwürdige Fassaden und moderne Architektur und ganz nebenbei jede Menge Großstadtleben mit Streetart, Urban Gardening und Straßenkunst. Uns hat Paris ganz ohne Museum viel Spaß gemacht!

 

Lesetipp für Teenager:
Für Eltern verboten: Paris – Der cool verrückte Reiseführer, NG Buchverlag

Für Grundschulkinder (und ältere Quatschköpfe): Millie in Paris von Dagmar Chidolue, Verlag Fischer Schatzinsel

Reise: Pino M.
Text: Julia Turchenko

 

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar