Fithe macht Lust auf Figurentheater

in Aktuelles um die Ecke, Kultur & Musik

Was tun, wenn eines Morgens auf einmal ein kleiner Pinguin vor der Tür steht? So ergeht es einem Jungen, der in einer idyllischen Hafenstadt lebt. Im Fundbüro scheint den Vogel niemand zu vermissen. Also macht sich der Junge letztlich – mit seinem ungebetenen Gast im Schlepptau – auf eine aufregende Reise zum Südpol. Eine Geschichte, die uns zeigt: Sei offen für einen neuen Freund, egal woher er kommt!

Mit „Plötzlich Pinguin“, einer freien Bearbeitung des Kinderbuchs „Lost and Found“ von Oliver Jeffers, erzählt das Figurentheater Fithe aus Ostbelgien eine berührende Freundschaftsgeschichte. Fast gänzlich ohne Worte verbinden sich hier Schatten-, Schau- und Figurenspiel. „Am Anfang mussten wir testen: Was funktioniert ohne Sprache, was nicht?“, erinnert sich Schauspielerin Olga Wiens an die ersten Proben aus dem letzten Jahr. „Gerade die Verbindung mit der Musik, komponiert von Christian Klinkenberg, ist in diesem Stück ganz besonders. Es hat fast schon etwas Tänzerisches.“
Früher noch als Jahrmarktstheater abgetan, ist das Figurentheater mittlerweile seit gut 30 Jahren ein anerkannter Fachbereich der Schauspielkunst, der studiert werden kann. So z. B. an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart, an der Figurendarsteller Heinrich Heimlich 1988 seinen Abschluss gemacht hat. Inspiriert vom Marionettenspiel seiner Großtanten im privaten Rahmen begann er bereits als Jugendlicher mit dem Figurenspiel und steht mittlerweile seit fast 30 Jahren beruflich auf der Bühne. „Wir arbeiten professionell und haben einen hohen Qualitätsanspruch, auch beim Schultheater für Kinder“, so Heimlich. „Wir wollen den Kindern ein Gespür dafür vermitteln, wie toll Theater sein kann.“ Kollegin Wiens ergänzt: „Wichtig ist uns zudem immer eine wertvolle Nachricht. Jede Inszenierung beginnt mit der Faszination für eine Geschichte und der Frage: Wie können wir unsere Begeisterung inszenieren, sodass das Publikum diese teilt?“ Hierbei sind vor allem Kinder ein ehrliches Publikum. „Bei Erwachsenen sieht man oft nicht direkt, ob es ihnen gefällt“, berichtet Heimlich. „Aber die Reaktion von Kindern ist unmittelbar. Das ist sehr wertvoll und schön für uns, aber auch anspruchsvoll.“

Das Figurentheater Fithe existiert seit Anfang 2016 und ist eines von drei Theatern in Ostbelgien, das finanziell vom Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft gefördert wird. Nachdem der Förderverein Figurentheater (FöFi) zunehmend selbst Stücke produzierte, wurde ein Antrag auf die Förderung als professioneller Kulturproduzent gestellt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Figurendarsteller Heinrich Heimlich und FöFi führte so zur Verschmelzung zu Fithe. Neben den alten Stücken aus Heimlichs Zeit als Solokünstler werden pro Jahr ein bis zwei neue Stücke erarbeitet und in Schulen und Kindergärten der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der StädteRegion sowie in Kulturzentren und auf Festivals aufgeführt. Ziel ist es, dass das Theater langfristig als eigenes Ensemble funktioniert.

Zurzeit sind Heimlich und sein Team vor allem mit zwei neuen Projekten beschäftigt, die in diesem Jahr noch auf die Bühne kommen. Da ist zum einen „Olimpia und Ich“, ein Tanztheater mit lebensgroßer Figur, welches eine freie Inszenierung von E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ ist. Das kurze Stück wird erstmals am 16. November zur Eröffnung der fiGUMA in Eupen aufgeführt und erzählt eine skurrile Dreiecksgeschichte zwischen dem Studenten Nathanael, der schönen, eiskalten Olimpia sowie Nathanaels Verlobten Clara. Es wurde begleitet von den Tänzern Yulia Tokareva und Alexander Bondarev (Do-Theater) sowie dem weltweit bekannten Tänzer und Figurenspieler Duda Paiva (Amersfort/NL) und ist unter den Aspekten von Künstlichkeit und Narzissmus heute sicherlich noch ebenso aktuell wie vor 200 Jahren. Ein zweites Projekt von Fithe ist das „Theater für Zwerge“, welches sich an Familien mit Kindern um die drei Jahre richtet. Die Besonderheit: Hier können Kinder nicht nur zuschauen, sondern auch selbst aktiv werden! Auf kurze Spielsequenzen folgt die Möglichkeit, die Figuren anzufassen und die Handlung selbst nachzuspielen. „So wollen wir die Lust wecken, das Gesehene mit nach Hause zu nehmen, und sich dort weiter auszuprobieren“, so Heimlich. Premiere ist am 20. Dezember im Kulturzentrum Alter Schlachthof in Eupen.
www.fithe.be

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar