Hühnerhaltung: „Erstmal einen Ordner kaufen“

in Aktuelles um die Ecke, Blog: Im Beet mit ..., Essen & Ernährung, Umwelt, Natur & Tiere

Glückliche Hühner – der Traum jedes Tierfreundes abseits der Massentierhaltung. Immer mehr Menschen wollen nicht nur selbst gärtnern, sondern auch ihr eigenes Federvieh verwöhnen und dafür mit dem ein oder anderen Frühstücksei belohnt werden. Ich habe bei meiner Mutter vorbeigeschaut, die seit vielen Jahren drei bis fünf Hühner im Garten hält und gerade noch drei Küken geschenkt bekommen hat, um der Frage nachzugehen: „Darf man einfach so Hühner halten?“ Nebenbei habe ich noch erfahren, dass die Empfindungen darüber, was ein „richtiges“ Ei ist, auseinander gehen können.

huehnereiIch köpfe mein Frühstücksei – wir beziehen die Frühstückseier ausschließlich von meiner Mutter und ihren Hühnern Grace Kelly und Walentina Tereschkowa – und bin begeistert. Ein sattgelbes Dotter und ein herrlich frischer Geschmack. Wer einmal „richtige“ Eier von Hühnern aus wirklich glücklicher Haltung gegessen hat, wird nie mehr ein Frühstücksei im Hotel oder aus dem Supermarkt mögen. Allein schon die Farbe macht den Unterschied: sattgelb gegen hellgelb-grünlich. Der Geschmack ist ebenso satt und appetitlich und nicht wässrig-fischig, wie es bei gekauften Eiern leider oft der Fall ist. Seit Neuestem höre ich auch in Aachen einen Hahn krähen und beschließe, mich einmal kundig zu machen, ob und unter welchen Umständen Hühnerhaltung möglich ist.

Meine Mutter wohnt in einem kleinen Ort in der Nähe von Jülich. Sie hat einen verhältnismäßig großen Garten mit rund 1.000 qm. Als Antwort auf meine Frage, ob man denn „einfach so“ Hühner halten dürfe und könne oder etwas Bestimmtes beachten müsse, lacht sie: „Als Erstes muss man einen Ordner kaufen.“ Denn Hühner darf man eben nicht „einfach so“ halten, sondern muss sich der deutschen Bürokratie fügen.
Das Federvieh muss beim zuständigen Veterinäramt angemeldet werden und der Tierseuchenkasse gemeldet werden. Die Tierseuchenkasse zahlt im Falle einer auftretenden Seuche eine Entschädigung an die Halter. Das ist natürlich eher für Landwirte gedacht, dennoch müssen auch Privatpersonen ihre Nutztiere anmelden, und sei es auch nur ein Huhn (das Gleiche gilt für alle Nutztiere und auch für Bienenvölker). Bricht dann irgendwo in Deutschland die Vogelgrippe aus, meldet sich das Amt bei den Hühner-haltern und gibt Vorsichtsmaßnahmen durch, wie zum Beispiel die temporäre Stallpflicht oder die Vorgabe, das Gelände so zu übernetzen, dass kein Vogel von oben auf die Hühner kacken kann. Zur Vogelgrippenzeit vor ein paar Jahren sei ein Ordner mit Anordnungen schnell gefüllt gewesen, berichtet meine Mutter.
Ansonsten sollte man den Hühnern genügend Freilauf gönnen können. Richtwert sind 10 qm pro Huhn, den Hühnern hier geht es da weitaus besser. Sie können einen abgezäunten Bereich mit sicher 200 qm umgraben. Natürlich kann man seine Hühner auch im ganzen Garten laufen lassen, jedoch sollte man bedenken, dass sie gerne scharren und das ganze Gelände umgraben werden.

huhn_lehnchenWas das Hühnerhaus betrifft, muss man natürlich bauliche Vorgaben und Abstände zum Nachbarn einhalten, außerdem ist es ganz wichtig, dass das Hühnerhaus sicher zu verriegeln ist. Die Hühner müssen nachts im Stall schlafen, sonst werden sie gerne von Mardern oder Füchsen gerissen, die dann auch schon mal die ganze Herde in einer Nacht dahinmetzeln, wie letztens beim Nachbarn geschehen, wo über zehn Hühnerleben ausgelöscht wurden.
Auch Rosa Luxemburg die Anführerhenne meiner Mutter, wurde in diesem Jahr gerissen, als sie versehentlich eine Nacht nicht in den Stall gesperrt wurde. In der Zeit danach haben sich die beiden anderen Hennen kaum orientieren können, sie wussten nicht mal, wann es Zeit war zu fressen, denn vorher hatte Rosa Luxemburg ihnen gezeigt wann es an der Zeit war – nämlich dann, wenn sie sich die besten Leckereien schon herausgepickt hatte.
Hühner haben alle einen eigenen Charakter und werden durchaus auch sehr zahm. Beim Streicheln auf dem Arm muss man aufpassen, weil sie wie Elstern auch nach glänzenden Dingen picken. Das kann ins Auge gehen (eigener Erfahrungswert)!

Meine Mutter ruft die drei neuen Küken Ori, Integra und Delft. Die drei kommen angeflitzt wie aus der Pistole geschossen, wenn sie gerufen werden, und folgen ihr bis in die Küche. Handzahm sind sie aber bisher nur, wenn es ums Fressen geht.
Zu den anderen Hühnern dürfen sie noch nicht, da Gefahr besteht, dass die Großen sie picken. Sie leben im separaten Innenhof und schlafen nachts in einer abschließbaren Hundebox.

Die Hygiene der Ställe ist bei Hühnern wichtig. Stall und Stange müssen regelmäßig gereinigt werden. Trotzdem fangen sich Hühner immer wieder Milben oder Flöhe ein. Dann muss alles mit einem Desinfektionspuder gereinigt werden.

Aber was macht denn nun die Eier so lecker? Meine Mutter schwört darauf, nur das zu füttern, dessen Inhaltsstoffe sie genau kennt. Ihre Hühner bekommen nur Körner, altes Brot und Brötchen (eingeweicht), Reis und Kartoffeln/Kartoffelschalen. Dazu gemahlene Eierschalen für den Kalk. Auf Legemehl, wie es in der Landwirtschaft verfüttert wird, verzichtet sie. Dort seien oft Hormone enthalten, um die Eierproduktion anzukurbeln, außerdem teilweise Fischmehl, was auch einen fischigen Geschmack hinterlassen kann.
Hühner, die Legemehl bekommen, sollen das ganze Jahr unabhängig von der Jahreszeit durchlegen. Glückliche Hühner legen allerdings auch jeden Tag ein Ei, machen aber im Winter eine Pause bzw. legen dann nur selten.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass zwei der neuen Küken Hähne sind. Natürlich dürfen auch sie hier wohnen. Allerdings ist bei der Haltung von Hähnen zu beachten, dass diese bei Nachbarn nicht immer so beliebt sind. In rein innerstädtischen Wohngebieten sollte das deshalb mit den Nachbarn abgesprochen werden.

Zum Schluss gibt meine Mutter noch eine Anekdote zum Besten, die immer wieder gerne erzählt wird. Als sie Besuch aus Amerika hatte, ging sie mit dem kleinen Namir zum Eiersammeln. Als es anschließend daran ging, die Eier zu kochen, zeigt sich dieser entsetzt: „Ich will diese Eier nicht! Ich will RICHTIGE Eier aus dem Supermarkt!“

Wer sich für Hühnerhaltung interssiert findet hier wissenswerte Infos: www.huehner-haltung.de Und hier werden die Hühner angemeldet: www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tierseuchenkasse/

Bleibe immer auf dem Laufenden

Ich will nichts verpassen und möchte wöchentlich den kostenlosen KingKalli-Newsletter erhalten und über aktuelle Themen und Termine auf dem Laufenden gehalten werden.

Ich bin damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar

One response to “Hühnerhaltung: „Erstmal einen Ordner kaufen“

  1. Vielen Dank für deine Tipps zur Hühnerhaltung!
    Ich habe mit meiner Liebsten ein Haus im Grünen gekauft, da wir das Stadtleben satt hatten.
    In unserem großen Garten wollen wir in diesem Jahr unter anderem auch mit der Hühnerhaltung beginnen und suchen zur Zeit fleissig Infos dazu.

    Zum Thema gesundes Huhn = leckeres Ei:
    Der gesunde Menschenverstand sagt: klingt eigentlich auch logisch!
    Ist doch bei allen Lebewesen (inclusive uns Menschen) so, dass viel Bewegung an der frischen Luft einfach gesund und fit hält. Und nur in einem fitten Körper kann auch etwas Gesundes heranwachsen.
    Bei glücklichen, freilaufenden Hühnern ist das eben ein gesundes, nahrhaftes und wohlschmeckendes Ei.
    Quasi: Idem sane in corpore sano ;-)