„Miethühner“ – 5 Fragen an Bernhard Ruhl

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Nach Mietbeeten folgen jetzt eigene Hühner, die beim Bauern leben, aber dem Eigentümer frische Eier bescheren. Über das Konzept sprach Julia Turchenko mit Bernhard Ruhl vom Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen.

Auf dem Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen im Norden von Aachen startet derzeit das Projekt „Ein Huhn für dich“. Ab sofort kann man hier gegen einen Monatsbeitrag von 11 Euro den Stallplatz für ein „eigenes Huhn“ mieten, das dort mit großem Freilaufgehege in einer Gruppe von hundert Hennen gehalten wird. Für diesen Betrag bekommt man alle Eier, die das Huhn legt (5-6 pro Woche), sowie das Fleisch des Bruderhahns und am Ende der Saison das Suppenhuhn. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass die „Adoptiveltern“ ihre Hühner auf dem Hof besuchen können.

KingKalli: Herr Ruhl, bisher konnte man auf Paulinenwäldchen ganz traditionell im Hofladen oder über die Abokiste Eier kaufen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, „eigene“ Hühner für Ihre Kunden zu halten?
Bernhard Ruhl: Bislang halten wir auf dem Hof Rinder und Schweine, bauen Kartoffeln und Gemüse an. Eier haben wir regional zugekauft. Wir haben aber festgestellt, dass unsere Kunden gerade bei den Eiern sehr viel nachgefragt haben und wissen wollten, wie die Hühner gehalten und gefüttert werden. Am besten geht das, wenn die Leute die Möglichkeit haben, die Tiere zu besuchen. Uns liegt viel daran, dass die Kunden zu uns auf den Hof kommen und sehen, wie Landwirtschaft wirklich funktioniert: wie schön es ist, Tiere zu haben, aber auch, wie viel Arbeit es macht, Lebensmittel herzustellen. Unsere Bildungsarbeit für Kitas und Schulen zielt darauf ab, und das Hühnerprojekt führt diesen Gedanken weiter.

Wie werden die Hühner bei Ihnen gehalten?
Wir haben direkt am Hofeingang ein großes Außengehege. Dort werden sich die Hühner den ganzen Tag aufhalten und können Gras picken, ein Staubbad nehmen und in der Erde scharren. Das Gehege ist dreigeteilt, damit das Gras immer wieder nachwachsen kann. Ansonsten würden die Hühner es in kürzester Zeit komplett wegscharren. Zwischen Stall und Gehege können  sich die Hennen frei bewegen und drinnen ihre Eier legen oder sich bei schlechtem Wetter unterstellen. Nachts wird der Stall dann verschlossen, damit die Tiere vor Marder und Fuchs geschützt sind. Zusätzlich zum Gras bekommen sie natürlich Gemüsereste aus eigenem Anbau und zugekauftes Bio-Futter.

Wird auch ein Hahn dabei sein?
Nein. Aus Rücksicht auf die Nachbarn haben wir uns entschieden, keinen Hahn mitlaufen zu lassen. Dafür haben wir uns viele Gedanken gemacht, was mit den Bruderhähnen der Legehennen geschehen soll. Denn aus jedem zweiten Ei schlüpft ja ein Hahn. Bei den Legerassen werden diese üblicherweise schon als Küken getötet, weil sie nicht genug Fleisch ansetzen, um rentabel gemästet zu werden. Um das zu vermeiden, werden bei unserem Projekt die Bruderhähne mit aufgezogen, bis sie schlachtreif sind. Der Monatsbeitrag wird dadurch natürlich etwas höher, aber das sollte es den Kunden wert sein.

Das Abonnement bei „Ein Huhn für dich“ ist auf ein Jahr angelegt. Das heißt, die Legehenne wird nach einem Jahr geschlachtet, obwohl sie ja noch weiter Eier legen würde. Warum behalten Sie die Tiere nicht länger?
Bernhard Ruhl: Das hat zunächst einmal mit den Kosten des Projekts zu tun: Bei „Ein Huhn für dich“ bezahlen die Kunden deutlich mehr für ein normales Bio-Ei. Sie bekommen unterschiedlich große Eier und wissen nie genau, wie viele es in der nächsten Woche sein werden. Dafür können sie sich jederzeit davon überzeugen, dass ihre Henne auf Gut Paulinenwäldchen ein gutes Zuhause hat.
Dazu kommt, dass unsere Hühner alle gleichzeitig geschlüpft sind. Das heißt, sie kommen nach etwa einem Jahr auch zeitgleich in die Mauser. Während dieser Zeit wechseln die Tiere ihr Federkleid und legen auch viel weniger Eier. Wenn wir die Hennen während der Mauser behalten würden, müssten die Kunden weiterhin den gleichen Monatsbeitrag bezahlen, bekämen aber nur noch 2 bis 3 Eier pro Woche. Das wäre wohl den meisten zu teuer.

Sind die Adoptivfamilien nicht schockiert, wenn sie hören, dass ihre Henne geschlachtet wird?
Natürlich kommen manchmal Fragen von den Kunden, und das ist ja gut so. Denn Fleisch ist nicht dasselbe wie Gemüse. Wer Fleisch essen will, muss auch damit leben, dass Tiere geschlachtet werden. Wir erleben oft bei Kindern, dass sie sehr konsequent damit umgehen, wenn man offen mit ihnen darüber spricht, wo das Fleisch herkommt. Sie entscheiden dann, kein Fleisch mehr zu essen oder nur noch wenig Fleisch von Tieren, die ein gutes Leben hatten. Das kann man an einem echten Huhn sicher besser lernen als an einem Würstchen aus dem Supermarkt.

Kontakt
Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen
Zum Blauen Stein 26-34
52070 Aachen
0241 9551453
info@bioland-gauchel.de
Bürozeiten:
Mo-Fr 8:30-13:00 Uhr

Bildungs- und Erlebnisbauernhof:
Hofführungen für Kitas und Schulen
Kindergeburtstage
Nachmittags- und Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche
Familienprogramm
Nähere Infos hier: http://www.bioland-gauchel.de/index.php?aid=010500

„Ein Huhn für Dich“:
www.bioland-gauchel.de/doc/pdf/EinHuhnfuerDich.pdf

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