Die perfekte Printe des Teufels

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Karl der Kleine gehört inzwischen zu Aachen wie Karl der Große. Kaum ein Event, bei dem das Maskottchen nicht auftaucht, seitdem es 2012 Alfred Neuwalds – aka Neufred – Feder entsprungen ist. Im Mittwochsblättchen, in den Tageszeitungen oder auf einem Umspannungshäuschen der STAWAG am Blücherplatz ist er zugegen, bei Ausgrabungen wurde sogar schon eine Münze mit dem Konterfei des kleinen Kaisers gefunden und dem OB hat er schon öfters die Hand geschüttelt. Jetzt ist der vierte Band mit Karl als Titelhelden erschienen.
In dieser Ausgabe dreht sich wieder alles um die Printensucht des kleinen Probanden, der auf der Suche nach Nachschub bereit ist, seine Seele dem Teufel zu opfern – ein bekanntes Motiv in Aachens Legenden. Der Teufel, tollpatschig wie immer, macht dabei einen Fehler und so wird Karl in die Vergangenheit katapultiert, wo er die Entstehung des Stadtbrandes hautnah miterlebt und von einem Abenteuer ins nächste stolpert.

Wie sieht eine gruselige Printe aus?

Ein Jahr hat Alfred Neumann an dem Band gearbeitet, diesmal unterstützt von seiner elfjährigen Tochter Aylin, die bei dem alleinerziehenden Vater lebt. So kam es, dass Aylin ihn nach der Schule oft im Büro besuchte und sich neugierig nach dem Fortschreiten der Geschichte erkundigte. Neuwald, der normalerweise ein Geheimnis aus seiner Arbeit macht und nur fertige Ergebnisse präsentiert, ließ sich erweichen – aber nur unter dem Vorbehalt, dass auch wirklich Stillschweigen über den Inhalt bewahrt würde. Aylin stimmte zu und durfte die Geschichte gegenlesen und Änderungsvorschläge einbringen, die auch umgesetzt wurden. Sie deckte nicht nur unlogische Stellen auf, sondern schlug auch eine andere Gestaltung der Printe des Teufels vor, die ihr als rundliche Gestalt nicht gruselig genug erschien. Eckig und mit Hörnern gefällt sie nun Vater und Tochter. Außerdem wurde keine Schoko-Nuss-Printe, sondern eine Kräuterprinte daraus.
Aylin mit Pflegehund Barnie und ihre Schwester sind auch auf zwei Seiten im Hintergrund auf den Seiten zu finden. „Meine Schwester hat sogar ausgesucht, was sie auf dem Bild anhat“, verrät Aylin.

Vom Trickfilm zum Comic

Alfred Neuwald ist leidenschaftlicher Comic-Sammler und Comic-Leser, überall in seinem Büro, aber auch in der Wohnung der beiden finden sich Werke und Figuren.
Als Sechsjähriger entdeckte er in einem Micky-Maus-Heftchen eine Anleitung zur Produktion eines Trickfilms und ab dem Tag stand sein Berufswunsch fest. Er kauft sich mit 13 Jahren seine erste Kamera und ein paar Folien und stürzte sich in die Arbeit. Sein Vater baute ihm einen Tisch, auf dem er die einzelnen Bilder abfotografieren konnte, und das tat er dann auch. Dabei musste er die Folien immer wieder reinigen, um sie neu überzeichnen zu können, denn 2.000 Folien standen ihm natürlich nicht zur Verfügung, zumal die Familie die Bestrebungen des Sohns damals noch skeptisch beäugte. Nach einem Jahr war der Trickfilm fertig, den er zu einem Kinderfilmfestival einreichte. Die Jury gab das Werk an die Photokina weiter, die den 15-jährigen Alfred Neuwald für sein Werk auszeichnete.
Mit 18 jobbte er in einem Trickfilmstudio in Hamburg. Dort wurden unter anderem die Filme „Luzie, Schrecken der Straße“ hergestellt.
Schließlich wandte er sich vom Trickfilm ab und nahm das Studium an der FH Aachen, Fachbereich Design, auf, um sich dem Comic zu widmen. Dabei gefiel ihm die Nähe zu Belgien, dem Land, aus dem viele berühmte Comic-Zeichner stammen, die er verehrt.
Neuwald arbeitete lange Zeit für Carlsen und zeichnete Pixibücher, unter anderem die bekannte Kapitän-Sternhagel-Serie.
An seinem 50. Geburtstag kam ihm die Idee zur Figur Karl der Kleine, die er prompt umsetzte. „Das Geburtstagsgeschenk an mich“, nennt er das. Die Figur sollte ihn fortan nichtmehr loslassen.
Der aktuelle Band aus dem Oktober 2017 ist erstmals im Eigenverlag erschienen. Karl der Kleine hat sich emanzipiert und von AKV-Maskottchen Barki freigestrampelt, was der Geschichte ganz gut bekommt und die Story nachvollziehbarer macht.

Der neue Band ist immer der beste

„Das ist der beste Band“, findet auch Aylin. „Der neue Band ist immer der beste.“
Sie selber zeichnet auch den ganzen Tag, wie Vater und Tochter übereinstimmend bekunden – hauptsächlich Manga-Einhörner sind ihre derzeitige Passion. Eine berufliche Zukunft im kreativen Bereich kann sich auch Aylin, die derzeit die sechste Klasse einer Aachener Gesamtschule besucht, durchaus vorstellen.

Neufred: Karl der Kleine – Die Printe des Teufels
Granus Verlag, Aachen 2017
11,90 Euro

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