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„Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“ – Die Kampagne „Medien-Familie-Verantwortung“ griff im Jahr 2016 plakativ die Gefahr einer Entfremdung zwischen Eltern und Kind durch häufigen Medienkonsum auf. Hinter der erfolgreichen Maßnahme steckt u. a. die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (LAKOST) in Mecklenburg-Vorpommern. Deren stellvertretende Geschäftsführerin Birgit Grämke unterstreicht im Interview die Wichtigkeit der Kampagne.

Smartphones, Tablets, YouTube – inwiefern beeinflussen diese Medienangebote bereits Kinder und Kleinkinder?

Die Entwicklung dieser Medien war sehr rasant und hat uns ziemlich überrollt – da war es schwer, von Beginn an entsprechende Regeln zu formulieren. Da diese Geräte mittlerweile zum Standard in den meisten Haushalten zählen, kommen bereits Kleinkinder automatisch damit in Berührung.

Was bedeutet es für die Beziehung zum Kind, wenn Mama oder Papa lieber aufs Smartphone blicken als in den Kinderwagen?

Ausgehend von diesem Extremfall: Gerade im U3-Alter signalisieren Eltern ihren Kindern so, dass das Gerät wichtiger sei. Die ersten drei Jahre sind ungemein wichtig, um zwischen Eltern und Kind eine Bindung aufzubauen – das passiert über Berührungen, Blickkontakt und Sprache. All das ist bei diesem Szenario natürlich nicht gegeben.

Wie wichtig ist also ein rechtzeitiges Erkennen der Problematik auf Seiten der Eltern?

Sehr wichtig. Es kommt mittlerweile auch vor, dass sich Kinder über ihre Eltern und deren Smartphone-Konsum beschweren. Auszeiten von dieser Technik sind die Lösung, etwa bei gemeinsamen Mahlzeiten. Wertvoll ist es auch, Abschied und Begrüßung in der Kita bewusst zu gestalten und das Smartphone zum Beispiel im Auto zu lassen. Ebenfalls hilfreich: bei Spaziergängen, auf dem Spielplatz oder in Bus und Bahn das Handy lautlos stellen und die Fahrtzeit nutzen, um mit dem Kind etwas zu spielen oder Gesehenes zu besprechen.

Vernachlässigung durchs Starren aufs Smartphone ist bereits eine bedauernswerte Entwicklung – erhöhte Unfallraten auf Spielplätzen sind da noch mal eine Steigerung …

Für Deutschland gibt es da bislang noch keine Zahlen; in Österreich und in den USA wurde aber festgestellt, dass die Unfallraten tatsächlich zunehmen. Mit dem Smartphone in der Hand ist die Reaktionszeit deutlich langsamer, fällt das Kind etwa vom Klettergerüst.

Was machen Sie bei der LAKOST denn für Erfahrungen? Ist den Eltern diese Problematik überhaupt bewusst?

Nicht immer, die Smartphone-Nutzung schleicht sich einfach in unseren Alltag ein. Mit Blick auf unsere Kampagnen-Plakate gab es aber immer wieder Rückmeldungen von Eltern: „Mensch, das war mir gar nicht so bewusst!“, oder stolz: „Heute habe ich mein Smartphone mal zu Hause gelassen.“ Wir reden hier ja auch nicht von „schlechten Eltern“, sondern von Gewohnheiten.

Welche Resonanz konnten Sie beobachten, als die Kampagne 2016 in Mecklenburg-Vorpommern startete?

Eine sehr gute, sodass wir mittlerweile auch die Rechte für andere Bundesländer freigegeben haben. Aktuell häufen sich die Bestellungen unserer Plakate außer von Kitas vor allem von Kinderärzten und Praxen für Logopädie. Zudem haben wir für Erzieher eine Fortbildung angeboten, von der wir die erste nun gestartet haben. Es wird deutlich, dass dort ebenfalls ein großer Informationsbedarf herrscht, schließlich gehörte dieser Medienumgang damals nicht zu ihrer Ausbildung.

Wo sind die Erfolge der Kampagne darüber hinaus zu erkennen?

Auch bei Elternabenden in der Kita sind wir vor Ort, um die Frage zu beantworten: Wie viele Medien braucht mein Kind? Das fängt beim Fernsehen an und reicht bis zu den unzähligen digitalen Spielzeugen, die es heute gibt. Da möchten wir helfen und nicht kritisieren.

Was ist mit Blick auf die Kampagne für die Zukunft geplant?

Neben den Plakaten und Postkarten ist die eben genannte Erzieherausbildung für die nächsten drei Jahre finanziell gesichert. Auch möchten wir mit der Kampagne künftig Eltern von Grundschulkindern ansprechen und auch den Lehrern eine Fortbildung anbieten. Letztlich passen wir die Kampagne auch der technischen Entwicklung und dem entsprechenden Bedarf an.

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