Auf dem Eifelsteig 2: Von Roetgen nach Monschau

(Axel Jansen | KK53, 2012)

Wir folgen wieder dem Eifelsteig-Logo, das uns von Bäumen, Pfählen oder Laternenmasten den Weg weist. Der gelbe Weg, ein See und der grüne Untergrund lotsen uns dieses Mal durch das Hohe Venn und ausgedehnte Waldstücke von Roetgen in die ehemalige Textilstadt Monschau.

Doris, Greta und ich verlassen Roetgen und streifen durch eine tolle Landschaft aus Weiden und Hecken. Pferde und Kühe bereiten uns einen tierischen Empfang auf der zweiten Etappe des Eifelsteigs, und wir Eltern sind bemüht, Greta die verschiedenen Tiergeräusche beizubringen, bevor wir in das erste Waldstück eintauchen.

Schon bald wird die Landschaft heideartiger und wir finden uns im Hohen Venn wieder. Am ehemaligen Reinartzhof gönnen wir uns eine Pause. Zwar ist Greta es gewohnt, in der Kindertrage zu sitzen, aber für einen kleinen Snack zwischen den Mauerresten der Höfe lassen wir sie doch aus ihrem Schaukel-Thron. Der Reinartzhof ist ein Weiler, der seinerzeit aus mehreren Höfen bestand und 1961 aufgelöst wurde, nachdem die Besitzer im Jahr 1958 enteignet wurden. Man vermutete, dass der landwirtschaftliche Betrieb das Wasser der Wesertalsperre verschmutzen könnte. Im Oberhof des Weilers unterhielt Familie Crott zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Gaststätte, in der sich nicht nur die Bewohner der umliegenden Höfe, sondern auch Waldarbeiter, Jäger, Förster und Erntehelfer aufwärmen und stärken konnten. Ein Schild erzählt uns die Geschichte, wie die Ansammlung von Höfen regelmäßig im Winter von der Außenwelt abgeschnitten wurde.

Direkt hinter den Ruinen vom Reinartzhof werden die Wege eintöniger. Schnurgerade führen sie durch den Wald, vorbei an der Forsthütte „Renerthött“, bis wir einen kilometerlangen wie mit dem Lineal gezogenen Streckenabschnitt durch das Venn erblicken. Dieser Weg markiert zudem die Grenze zwischen Allgemeinem Venn und dem Steinley-Venn, die uns nun eine Weile begleiten werden.

Bevor wir Mützenich erreichen, passieren wir „Kaiser Karls Bettstatt“, einen riesiger Quarzitblock, auf dem Karl einst auf einem seiner Jagdzüge unfreiwillig genächtigt haben soll, nachdem sich der gesamte Tross verirrt hatte. Der Sage nach soll ein Diener des Kaisers ihm in der kalten Nacht eine Mütze angeboten haben. Karl lehnte mit den Worten „Mütze nich!“ ab und legte somit den Grundstein für die Namensgebung des benachbarten Dörfchens. Natürlich darf auch unsere kleine Kaiserin mal auf dem Bett des berühmten Karolingers Platz nehmen.

In einer nahe gelegenen Schutzhütte suchen wir Unterschlupf, als es zu regnen beginnt. Auf einem kleinen Gaskocher brutzeln wir uns einen warmen Kaffee und essen Kekse, bevor wir weiter in Richtung Monschau ziehen. Ein kurzer Kleidungswechsel bringt Abwechslung ins Spiel: Zum ersten Mal ist Greta mit interessant knisternden Regenklamotten unterwegs. Nun noch schnell das Regenverdeck über die Kindertrage und weiter geht’s! Der Regen auf dem provisorischen Dach und die knisternde Regenbekleidung sorgen für Unterhaltung.

Wir passieren Palsen, die wir von einer Aussichtsplattform genauer unter die Lupe nehmen können und die sonst nur im nördlichen Amerika, in Sibirien, Nordskandinavien, auf Grönland und Island, im Gebiet der Antarktis sowie in Alaska und ganz selten auch auf Spitzbergen vorkommen. Diese ovalen Bodenerhebungen entstehen in Mooren mit Permafrost durch einen im Boden befindlichen Kern aus gefrorenem Torf, und es sieht aus, als hätte der liebe Gott hier ein wenig Mondlandschaft unterbringen wollen.

Wir durchqueren Mützenich und folgen hinter dem Ort dem Kleinen Laufenbach, der uns fortan bis Monschau begleiten wird. Hinter einer Kurve sehen wir sie dann endlich: die Burg von Monschau. Ein Stück folgen wir noch dem Laufenbach, bevor er in die Rur mündet. Und nach rund 5 Stunden reiner Gehzeit und ca. 17 km zurückgelegter Strecke tauschen wir die Kulisse aus Wald und Venn gegen romantische Fachwerkhäuser und enge Gassen ein. Der Bus soll uns zurück nach Roetgen bringen. Gute 20 Minuten soll die Fahrt dauern. Da wir ihn jedoch gerade verpasst haben, schlendern wir noch etwas durch die Gassen von Monschau und werfen einige Blicke in so manches Schaufenster. Natürlich kommen wir auch am Roten Haus vorbei, einem Patrizierhaus, das der Unternehmerfamilie Scheibler als Wohnsitz diente. Während wir den Charme des Ortes auf uns wirken lassen, merken wir nicht, wie die Zeit vergeht. Als wir wieder auf die Uhr blic-ken, müssen wir fast einen Sprint durch den Ortskern hinlegen, um den nächsten Bus nicht auch zu verpassen.

Axel Jansen betreibt den Outdoor Blog www.outdoorseite.de und berichtet dort regelmäßig über Wandertouren, Ausrüstungstipps und die Neuigkeiten aus der Outdoorbranche.

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